{"id":1080,"date":"2016-07-25T08:11:35","date_gmt":"2016-07-25T06:11:35","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=1080"},"modified":"2016-08-22T18:08:17","modified_gmt":"2016-08-22T16:08:17","slug":"juliputsch-1934-grosser-klamauk-tolle-spannung-entsetzliches-warten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/07\/25\/juliputsch-1934-grosser-klamauk-tolle-spannung-entsetzliches-warten\/","title":{"rendered":"Juliputsch 1934: \u201eGro\u00dfer Klamauk. Tolle Spannung. Entsetzliches Warten.\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Es begann am 25. Juli 1934 um 13 Uhr: SS-M\u00e4nner st\u00fcrmten die R\u00e4umlichkeiten der <em>\u201eRadio Verkehrs AG\u201c<\/em> (RAVAG) in Wien und zwangen die dortigen MitarbeiterInnen, den vermeintlichen R\u00fccktritt der Regierung Dollfu\u00df zu verlesen. Die Meldung diente als Signal f\u00fcr die weiteren illegalen NationalsozialistInnen, um einen \u00f6sterreichweiten Putschversuch zu starten.<\/p>\n<p>Wenige Minuten davor waren bereits als Soldaten verkleidete SS-M\u00e4nner beim Bundeskanzleramt in Stellung gegangen. Fast gleichzeitig mit der Radiomeldung wurde der austrofaschistische Bundeskanzler Engelbert Dollfu\u00df von SS-Mann Otto Planetta verwundet und verstarb knapp drei Stunden sp\u00e4ter in seinen B\u00fcror\u00e4umlichkeiten.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war der gekaperte Radiosender bereits wieder in Regierungsh\u00e4nden, die R\u00fccktrittsmeldung wurde umgehend widerrufen. Am fr\u00fchen Abend ergaben sich dann auch die SS-M\u00e4nner im Bundeskanzleramt. Nachdem bekannt wurde, dass Dollfu\u00df verstorben war, wurde das zuvor zugesicherte freie Geleit zur deutschen Grenze zur\u00fcckgenommen. Otto Planetta wurde gemeinsam mit einem weiteren Putschisten namens Franz Holzweber Tage sp\u00e4ter hingerichtet \u2013 weitere Todesurteile folgten in den darauffolgenden Wochen.<\/p>\n<p>Weit weniger bekannt sind jedoch jene Putschversuche im restlichen \u00d6sterreich, die von der SA geleitet wurden. Die beiden Bundesl\u00e4nder Steiermark und K\u00e4rnten entwickelten sich dabei zu Zentren des Umsturzes. Die steirischen Nazis konnten auf rege Unterst\u00fctzung durch den deutschnationalen und antisemitischen <em>\u201eSteierischen Heimatschutz\u201c<\/em> z\u00e4hlen. Auch die sogenannten <em>\u201eBauernwehren\u201c<\/em> des <em>\u201eLandbunds f\u00fcr \u00d6sterreich\u201c<\/em> schlossen sich den Putschisten an.<\/p>\n<p>Am 25. Juli errangen die illegalen Nazis gr\u00f6\u00dfere Erfolge in der S\u00fcdoststeiermark sowie im Raum Deutschlandsberg. Am darauffolgenden Tag verlagerten sich die K\u00e4mpfe in die Obersteiermark, die bis zum Abend andauerten. Gr\u00f6\u00dfere Kampfhandlungen gab es auch in K\u00e4rnten, dort erlangten die Nazis f\u00fcr mehrere Tage die Kontrolle \u00fcber das Lavanttal. Der Putsch konnte schlie\u00dflich am 30. Juli endg\u00fcltig niedergeschlagen werden.<\/p>\n<p>In den restlichen Bundesl\u00e4ndern kam es zuvor ebenfalls zu kleineren und gr\u00f6\u00dferen Kampfhandlungen. Der Historiker <a href=\"http:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/dlmms\/167.pdf\" target=\"_blank\">Winfried R. Garscha<\/a> schreib beispielsweise \u00fcber die Geschehnisse in Salzburg:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eErst am Nachmittag des 27. Juli gab die Salzburger SA-F\u00fchrung (von Freilassing aus) den Einsatzbefehl, der aber nur in der Stadt Salzburg und im Flachgau befolgt wurde. Am Abend \u00fcberfielen Nationalsozialisten den Gendarmerieposten von Seekirchen am Wallersee. Doch au\u00dfer in Lamprechtshausen wurde der Aufstandsversuch \u00fcberall unterbunden, bevor er begonnen hatte.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Offenkundig ist, dass der Juliputsch von Nazi-Deutschland aus orchestriert wurde. Hitler wollte den Umsturz in \u00d6sterreich m\u00f6glichst rasch erzwingen und sah sich vor allem durch die au\u00dfenpolitischen Aktivit\u00e4ten Frankreichs unter Druck gesetzt.<\/p>\n<p>Hat der deutsche Diktator also den Juliputsch pers\u00f6nlich angeordnet? Der Historiker <a href=\"http:\/\/sciencev2.orf.at\/stories\/1689435\" target=\"_blank\">Kurt Bauer<\/a> fand dazu in den Tageb\u00fcchern von Joseph Goebbels eindeutige Hinweise. So vermerkte der Propagandaminister am 22. Juli 1934 nach einem Treffen mit Hitler in Bayreuth in seinem Tagebuch: <em>&#8220;Sonntag: beim F\u00fchrer &#8230; \u00d6sterreichische Frage. Ob es gelingt? Ich bin sehr skeptisch.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Noch deutlicher wird Goebbels am 25. Juli, am Tag des Putsches selbst:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Beim F\u00fchrer: Alarm aus \u00d6sterreich. Bundeskanzleramt und Ravag besetzt. Gro\u00dfer Klamauk. Tolle Spannung. Entsetzliches Warten. Ich bleibe skeptisch &#8230; Abwarten!&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Der <em>\u201egro\u00dfe Klamauk\u201c<\/em> kostete mehr als 200 Menschen das Leben. Doch auch davor und danach gab es zahlreiche Anschl\u00e4ge und Gewaltakte der illegalen Nazis in \u00d6sterreich. Kurt Bauer meinte dazu, dass ungeachtet des R\u00fcckhalts, den die Nazi-Partei in Teilen der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung vorfand, diese wie eine ganz normale terroristische Organisation agierte. Doch der eigentliche Terror sollte erst mit der Machtergreifung im M\u00e4rz 1938 beginnen.<\/p>\n<p><em>Titelfoto:<\/em> Alexander Neunherz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es begann am 25. 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