{"id":1145,"date":"2016-07-31T13:23:22","date_gmt":"2016-07-31T11:23:22","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=1145"},"modified":"2016-07-31T13:37:24","modified_gmt":"2016-07-31T11:37:24","slug":"von-der-ausgrenzung-zum-voelkermord-der-31-juli-1941","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/07\/31\/von-der-ausgrenzung-zum-voelkermord-der-31-juli-1941\/","title":{"rendered":"Von der Ausgrenzung zum V\u00f6lkermord: Der 31. Juli 1941"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, lebten eine halbe Million Juden im Deutschen Reich. Sie stellten weniger als ein Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung dar. Nach der Machtergreifung der Nazis wurde der Antisemitismus allgegenw\u00e4rtig: Die j\u00fcdische Minderheit wurde diskreditiert, diffamiert und diskriminiert \u2013 erste Boykottaktionen wurden bereits im Fr\u00fchjahr 1933 durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am <em>\u201eReichsparteitag der Freiheit\u201c<\/em> im Jahr 1935 kanalisierten die Nazis den Terror. Die <em>\u201eN\u00fcrnberger Gesetze\u201c<\/em> sollten das Verh\u00e4ltnis zwischen <em>\u201eArier_innen\u201c<\/em> und <em>\u201eNichtarier_innen\u201c<\/em> gesetzlich regeln. Mit dem <em>\u201eReichsb\u00fcrgergesetz\u201c<\/em> wurden j\u00fcdische Menschen zu B\u00fcrger_innen zweiter Klasse degradiert. Das <em>\u201eGesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre\u201c<\/em> verbot <em>\u201eEheschlie\u00dfungen zwischen Juden und Staatsangeh\u00f6rigen deutschen oder artverwandten Blutes\u201c<\/em>. Au\u00dferehelicher Geschlechtsverkehr wurde fortan als \u201eRassenschande\u201c unter Strafe gestellt.<\/p>\n<p>Der nationalsozialistische Rassenwahn brachte immer neue gesetzliche Schikanen hervor, wie der Historiker Wolfgang Benz <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> dokumentierte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAb M\u00e4rz 1936 gab es f\u00fcr kinderreiche j\u00fcdische Familien keine Beihilfe mehr, im Oktober 1936 wurde es j\u00fcdischen Lehrern verboten, Privatunterricht an Nichtjuden zu erteilen. [\u2026] Ab April 1937 durften Juden an Universit\u00e4ten nicht mehr den Doktortitel erwerben, im September 1937 verloren alle j\u00fcdischen \u00c4rzte die Krankenkassenzulassung, im Juli 1938 auch die Approbation [\u2026].\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Am 7. November 1938 ver\u00fcbte der 17-j\u00e4hrige deutsch-polnische Jude Herschel Gr\u00fcnspan ein Schussattentat auf einen Beamten der deutschen Botschaft in Paris. F\u00fcr die Nazis war dies eine willkommene Gelegenheit, um ihre Propagandamaschinerie in Gang zu setzen. Der Novemberpogrom \u2013 von den Nazis zynisch als <em>\u201eReichskristallnacht\u201c<\/em> betitelt \u2013 war keine Reaktion des <em>\u201espontanen Volkszorns\u201c<\/em> auf die Geschehnisse in Paris, sondern stellte vielmehr den Auftakt der systematischen Arisierung dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1147 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/boykott_gegen_juedische_geschaefte.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"528\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/boykott_gegen_juedische_geschaefte.jpg 800w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/boykott_gegen_juedische_geschaefte-300x198.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/boykott_gegen_juedische_geschaefte-768x507.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/boykott_gegen_juedische_geschaefte-440x290.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/boykott_gegen_juedische_geschaefte-585x386.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><em>An den Fenstern j\u00fcdischer Gesch\u00e4fte werden von Nationalsozialisten Plakate<br \/>\nmit der Aufforderung &#8220;Deutsche, wehrt euch, kauft nicht bei Juden&#8221; angebracht.<\/em><br \/>\n<em>Quelle:<\/em> <span class=\"licensetpl_attr\">Bundesarchiv, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Bundesarchiv_Bild_102-14468,_Berlin,_NS-Boykott_gegen_j%C3%BCdische_Gesch%C3%A4fte.jpg\" target=\"_blank\">Bild<\/a> 102-14468 \/ Georg Pahl \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\" target=\"_blank\">CC-BY-SA 3.0<\/a><\/span><\/p>\n<p>Rund 1.2000 Synagogen wurden ebenso wie 7.500 j\u00fcdische Gesch\u00e4fte in Brand gesteckt und zerst\u00f6rt. Die Zahl der Todesopfer ging in die Hunderte. Der Novemberpogrom stellte <em>\u201edas entscheidende Bindeglied von der auf Verdr\u00e4ngung und Vertreibung, dann Enteignung und Vernichtung ausgerichteten Judenpolitik des NS-Regimes dar\u201c<\/em>. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Im Januar 1939 drohte Hitler im Reichstag dann auch unverhohlen mit der Ausrottung des europ\u00e4ischen Judentums:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd eines m\u00f6chte ich an diesem vielleicht nicht nur f\u00fcr uns Deutsche denkw\u00fcrdigen Tag nun aussprechen. Ich bin in meinem Leben sehr oft Prophet gewesen und wurde meistens ausgelacht&#8230; Ich will heute wieder ein Prophet sein: Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und au\u00dferhalb Europas gelingen sollte, die V\u00f6lker noch einmal in einen Weltkrieg zu st\u00fcrzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der j\u00fcdischen Rasse in Europa.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die b\u00fcrokratische Tarnsprache der Nazis bezeichnete dieses Vorhaben als <em>\u201eEndl\u00f6sung der Judenfrage\u201c<\/em>. Sp\u00e4testens im Fr\u00fchsommer 1941 diente dieser Begriff auch offiziell der Umschreibung f\u00fcr die Ausrottung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. Die Durchf\u00fchrung des V\u00f6lkermords wurde wenig sp\u00e4ter am 20. Januar 1942 beschlossen. Die <em>\u201eBesprechung mit anschlie\u00dfendem Fr\u00fchst\u00fcck\u201c<\/em>, wie Reinhard Heydrich in der Einladung schrieb, ist heute als <em>\u201eWannseekonferenz\u201c<\/em> bekannt.<\/p>\n<p>Weniger bekannt ist hingegen das <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Carta_G%C3%B6ring.JPG\" target=\"_blank\">Erm\u00e4chtigungsschreiben<\/a> Hermann G\u00f6rings, welches er am 31. Juli 1941 an Reinhard Heydrich \u00fcbermittelte. Darin hie\u00df es:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn Erg\u00e4nzung der Ihnen bereits mit Erla\u00df vom 24.1.39 \u00fcbertragenen Aufgabe, die Judenfrage in Form der Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitverh\u00e4ltnissen entsprechend m\u00f6glichst g\u00fcnstigen L\u00f6sung zuzuf\u00fchren, beauftrage ich Sie hiermit, alle erforderlichen Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen f\u00fcr eine Gesamtl\u00f6sung der Judenfrage im deutschen Einflu\u00dfgebiet in Europa. Sofern hierbei die Zust\u00e4ndigkeiten anderer Zentralinstanzen ber\u00fchrt werden, sind diese zu beteiligen. Ich beauftrage Sie weiter, mir in B\u00e4lde einen Gesamtentwurf \u00fcber die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausma\u00dfnahmen zur Durchf\u00fchrung der angestrebten Endl\u00f6sung der Judenfrage vorzulegen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Erm\u00e4chtigungsschreiben ist ein einfaches Blatt Papier ohne Briefkopf mit insgesamt drei S\u00e4tzen. Und doch geh\u00f6rt es zu den <em>\u201eSchl\u00fcsseldokumenten\u201c<\/em> des 20. Jahrhunderts, denn die Radikalisierung \u2013 bis hin zur systematischen Ausl\u00f6schung der europ\u00e4ischen Juden \u2013 war damit nicht mehr aufzuhalten. Sechs Millionen Juden sollten durch das W\u00fcten der Nazis ihr Leben verlieren.<\/p>\n<p><em>Titelfoto:<\/em> Warschauer Ghetto [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Stroop_Report_-_Warsaw_Ghetto_Uprising_06b.jpg\" target=\"_blank\">Public Domain<\/a>]<\/p>\n<p><em>Quellen:<\/em><br \/>\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Benz, Wolfgang (2001). Der Holocaust, C. H. Beck, S. 23f.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Demokratiezentrum Wien [<a href=\"http:\/\/www.demokratiezentrum.org\/fileadmin\/media\/img\/Gedenktage\/GO_7.3_AshkenazHouse.pdf\" target=\"_blank\">Link \u00f6ffnen<\/a>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, lebten eine halbe Million Juden im Deutschen Reich. Sie stellten weniger als ein Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung dar. 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