{"id":1489,"date":"2016-08-24T08:11:42","date_gmt":"2016-08-24T06:11:42","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=1489"},"modified":"2016-08-23T20:56:25","modified_gmt":"2016-08-23T18:56:25","slug":"gegen-die-misshandlung-aelterer-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/08\/24\/gegen-die-misshandlung-aelterer-menschen\/","title":{"rendered":"Gegen die Misshandlung \u00e4lterer Menschen"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Tagung in Salzburg widmete sich dem Tabuthema Gewalt in Pflege- und Betreuungseinrichtungen<\/h4>\n<p><strong>Ein Bericht von Hannah Wahl<\/strong><\/p>\n<p>Am 15. Juni 2016 organisierten <em>VertretungsNetz\u2013Bewohnvertretung <\/em>und das <em>\u00d6sterreichische Institut f\u00fcr Menschenrechte<\/em> im UNIPARK Nonntal eine Fachtagung anl\u00e4sslich des Welttages gegen Misshandlung \u00e4lterer Menschen. Thema war \u201eStrukturelle und personelle Gewalt in Pflege- und Betreuungseinrichtungen\u201c.<\/p>\n<p>Sechs Vortragende aus verschiedenen Fachrichtungen \u2013 von Expert_innen der Rechtswissenschaften, \u00fcber Erziehungswissenschaften, bis hin zur Forensischen Gerontologie \u2013 trugen mit ihren Referaten zu einer multiperspektivischen Auseinandersetzung mit dem Tabuthema Gewalt bei. Die 300 Teilnehmer_innen und die angeregte Diskussion nach den Vortr\u00e4gen zeigen deutlich, dass die breitere und \u00f6ffentliche Thematisierung auf gro\u00dfes Interesse st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eSchlechte Arbeitsbedingungen, Zeitdruck, mangelnde Ressourcen, st\u00e4ndige \u00dcberlastung, mangelhafte Ausbildung sind nur einige Kriterien die dazu beitragen k\u00f6nnen, dass sich dadurch auch die Bedingungen f\u00fcr die betreuten Menschen drastisch verschlechtern.\u201c\u00a0(Mag.a Alexandra\u00a0Niedermoser)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<div class=\"epyt-video-wrapper\"><iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_95260\"  width=\"1170\" height=\"658\"  data-origwidth=\"1170\" data-origheight=\"658\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/oLdnHPsHcoM?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;hl=de_DE&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/div>\n<p>Gewalt tritt in Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen in verschiedenen Formen auf. Zum einen als physische Gewalt: Grober Umgang mit den Bewohner_innen, zu warmes oder zu kaltes Duschen, mechanische Freiheitsbeschr\u00e4nkungen durch Bettgitter oder Gurtsysteme, Freiheitsbeschr\u00e4nkung durch Medikamenteneinsatz. Zum anderen als psychische Gewalt: Drohungen, Dem\u00fctigungen, Abwertung; aber auch die Freiheitsbeschr\u00e4nkung durch strukturelle Faktoren des Heimalltages, wie z.B. Schlafenszeiten am fr\u00fchen Abend sind als Gewalt zu sehen.<\/p>\n<blockquote><p>Bis 2005 hatten HeimbewohnerInnen keine gesetzliche Vertretung, es bestand eine Art rechtsfreier Raum.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Mag.<sup>a<\/sup> Alexandra Niedermoser<\/em> stellte in ihrem Beitrag fest, dass Gewalt an Bewohner_innen nicht ausschlie\u00dflich auf ein Fehlverhalten des Pflegepersonales zur\u00fcckzuf\u00fchren ist: <em>\u201eSchlechte Arbeitsbedingungen, Zeitdruck, mangelnde Ressourcen, st\u00e4ndige \u00dcberlastung, mangelhafte Ausbildung sind nur einige Kriterien die dazu beitragen k\u00f6nnen, dass sich dadurch auch die Bedingungen f\u00fcr die betreuten Menschen drastisch verschlechtern.\u201c<\/em> Eine besonders stark von Freiheitsbeschr\u00e4nkungen betroffene Bewohner- und Patientengruppe ist diejenige mit der Diagnose Demenz. Laut dem Beitrag von <em>Dr. Volker Sch\u00f6nwiese<\/em> w\u00fcrden Formen von struktureller und personaler Gewalt vor allem existieren, wenn \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz von Personen mit Unterst\u00fctzungsbedarf nicht Teil sozialer Kultur ist und diese keine akzeptable Wahlm\u00f6glichkeit f\u00fcr ihre Lebensformen haben. Er kritisiert die \u00d6konomisierung der Pflege und den fehlenden Willen zur Neugestaltung und Umsetzung von gewaltpr\u00e4ventiven Konzepten und stellt folgende These auf: <em>\u201eIm Mittelpunkt der \u00f6ffentlichen Strukturpolitik steht in der Tendenz die Bewahrung, Erweiterung und Erg\u00e4nzung des jetzigen Systems, aber keine Umstrukturierung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bis 2005 hatten HeimbewohnerInnen keine gesetzliche Vertretung, es bestand eine Art rechtsfreier Raum. Seit dem Heimaufenthaltsgesetz (HeimAufG) m\u00fcssen jegliche Arten von Freiheitsbeschr\u00e4nkungen der gesetzlichen Bewohnervertretung gemeldet werden und werden von ihr auf ihre Zul\u00e4ssigkeit \u00fcberpr\u00fcft. Freiheitsbeschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen unter gewissen Bedingungen notwendig und auch legitim sein. Im HeimAufG ist eindeutig geregelt, dass Freiheitsbeschr\u00e4nkungen erst als letzte m\u00f6gliche Ma\u00dfnahme get\u00e4tigt werden d\u00fcrfen: <em>\u201eEine Freiheitsbeschr\u00e4nkung darf nur vorgenommen werden, wenn 1. der Bewohner psychisch krank oder geistig behindert ist und im Zusammenhang damit sein Leben oder seine Gesundheit oder das Leben oder die Gesundheit anderer ernstlich und erheblich gef\u00e4hrdet, 2. sie zur Abwehr dieser Gefahr unerl\u00e4sslich und geeignet sowie in ihrer Dauer und Intensit\u00e4t im Verh\u00e4ltnis zur Gefahr angemessen ist sowie 3. diese Gefahr nicht durch andere Ma\u00dfnahmen, insbesondere schonendere Betreuungs- oder Pflegema\u00dfnahmen, abgewendet werden kann. \u201c (\u00a74 HeimAufG )<\/em><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich ist auch die Volksanwaltschaft f\u00fcr die Interessen der BewohnerInnen zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Besonders oft kommt es zu Freiheitsbeschr\u00e4nkungen mittels Psychopharmaka. <em>Dr. Erich Wahl<\/em> erl\u00e4utert dazu in der \u00d6sterreichischen Zeitschrift f\u00fcr Pflegerecht (2\/2016): <em>\u201eDie Verordnung von Psychopharmaka im Heim ist eher die Regel als die Ausnahme und stellt eine Routineangelegenheit dar, ebenso wie die unreflektierte Einnahme der Medikamente durch die PatientInnen.\u201c<\/em> Behandelt w\u00fcrden mit Psychopharmaka vor allem sogenannte \u201eUnruhesymptome\u201c, wie Schlafprobleme oder Traurigkeit &#8211; schwere psychische Erkrankungen l\u00e4gen in den meisten F\u00e4llen nicht vor. <em>Dr. Stephan Kirste<\/em> stellt in seinem Beitrag auf der Fachtagung fest: <em>\u201eDie W\u00fcrde verlangt, dass nicht jede m\u00f6gliche Behandlung vorgenommen wird, sondern nur diejenige, die der Patient m\u00f6chte, die seinem mutma\u00dflichen Willen entspricht und nur hilfsweise, die in seinem Wohl liegt.\u201c<\/em> Laut dem Artikel \u201ePsychopharmaka im Seniorenheim\u201c in der oben genannten Fachzeitschrift von <em>Dr. Erich Wahl<\/em> werde die Verweigerung der Medikamenteneinnahme oft als Unvernunft oder Renitenz beurteilt. Oftmals erfolge die Medikation trotzdem, beispielsweise gem\u00f6rsert im Essen.<\/p>\n<p>Ein Schritt in die richtige Richtung stellt zweifelsfrei die Enttabuisierung des Themas Gewalt in Pflege- und Betreuungseinrichtungen dar. Die Tagung am 15. Juni zu diesem Thema hat damit einen wichtigen Beitrag f\u00fcr eine breitere \u00d6ffentlichkeit geleistet. Zus\u00e4tzlich kann eine intensivere Sensibilisierung f\u00fcr dieses Thema f\u00fcr einen selbstkritischeren Umgang mit Heimbewohnern sorgen. Die Bereitschaft, alternative Methoden in der Behandlung auszuprobieren (z.B. heilp\u00e4dagogische Ma\u00dfnahmen), k\u00f6nnte damit ansteigen. Zudem bedarf es einer Ent\u00f6konomisierung der institutionellen Pflege und einer Neuausrichtung auf individuelle Bed\u00fcrfnisse. Vorurteile gegen\u00fcber \u00e4lteren und beeintr\u00e4chtigten Menschen m\u00fcssen abgebaut werden und BewohnerInnen darf ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht pr\u00e4ventiv abgesprochen werden. Die in der UN-Behindertenrechtskonvention verankerten Rechte m\u00fcssen konsequent durchgesetzt werden. Auch die soziale und finanzielle Aufwertung des Pflegeberufes ist eine Notwendigkeit, um der Problematik aktiv entgegenzutreten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Referent_innen<br \/>\n<\/strong><em>Mag.<sup>a<\/sup> Alexandra Niedermoser<br \/>\n<\/em>VertretungsNetz-Bewohnervertretung, Stv. Bereichsleiterin Salzburg\/Tirol<br \/>\n<em>Ao. Univ.-Prof.i.R. Dr. Volker Sch\u00f6nwiese<br \/>\n<\/em>Universit\u00e4t Innsbruck, Institut f\u00fcr Erziehungswissenschaft<br \/>\n<em>Univ.-Prof. Dr. Stephan Kirste<br \/>\n<\/em>Universit\u00e4t Salzburg-Fachbereich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der RW Fakult\u00e4t<br \/>\n<em>Az. Prof. Dr. Reinhard Klaushofer<br \/>\n<\/em>\u00d6IM, Universit\u00e4t Salzburg-Fachbereich \u00d6ffentliches Recht, Leiter der Kommission 2 der Volksanwaltschaft, Organisation der Tagung<br \/>\n<em>Dr. G\u00fcnther Kr\u00e4uter<br \/>\n<\/em>Volksanwaltschaft<br \/>\n<em>Ao. Univ.-Prof.<sup>in<\/sup> Dr.<sup>in <\/sup>med. univ. Andrea Berzlanovich<br \/>\n<\/em>Fachbereich Forensische Gerontologie, Medizinische Universit\u00e4t Wien<br \/>\n<em>Mag.<sup>a<\/sup> Dr.<sup>in<\/sup> Esther Kirchberger, Bakk<br \/>\n<\/em>Pflegewissenschaftlerin, Mitglied der Kommission 2 der Volksanwaltschaft<\/p>\n<p><strong>Organisation der Tagung<br \/>\n<\/strong><em>Dr. Erich Wahl, VertretungsNetz-Bewohnervertretung, <\/em>Bereichsleiter Salzburg\/Tirol<br \/>\n<em>Az. Prof. Mag. Dr. Reinhard Klaushofer. <\/em>\u00d6IM, Universit\u00e4t Salzburg-Fachbereich \u00d6ffentliches Recht, Leiter der Kommission 2 der Volksanwaltschaft<\/p>\n<p><em><br \/>\n<strong>Fotos:<\/strong> Hannah Wahl<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Tagung in Salzburg widmete sich dem Tabuthema Gewalt in Pflege- und Betreuungseinrichtungen Ein Bericht von Hannah Wahl Am 15. 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