{"id":157,"date":"2016-05-04T14:11:21","date_gmt":"2016-05-04T12:11:21","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=157"},"modified":"2016-06-02T16:20:28","modified_gmt":"2016-06-02T14:20:28","slug":"interview-mit-fluechtling-ahmed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/05\/04\/interview-mit-fluechtling-ahmed\/","title":{"rendered":"Interview mit Fl\u00fcchtling Ahmed."},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ein Fl\u00fcchtling, nennen wir ihn Ahmed. Ein Interviewer.<br \/>\n<\/strong><em>Beide wollen anonym bleiben.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wo kommst du her?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u00a0Irak, Bagdad<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie bist du hergekommen und wie ist es dir dabei gegangen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u00a0Dezember 2014, 7 Monate. Ich bin \u00fcber die Balkanroute gekommen. Von der T\u00fcrkei nach Griechenland mit dem Schiff.\u00a0 In Griechenland und Ungarn waren die Bedingungen nicht gut. In Griechenland habe ich auf der Stra\u00dfe gelebt. Die Polizei in diesen L\u00e4ndern hat sich auch einen Dreck um uns geschert. Die Menschen in \u00d6sterreich sind toll. Auf meiner Flucht wollte ich nicht unbedingt in \u00d6sterreich bleiben. Ich wollte nach London. Aber am ersten Tag, an dem ich die Menschen in \u00d6sterreich angeschaut habe, gefiel es mir. Die Leute haben mir hier sehr viel geholfen. Sie haben mir Essen gegeben. Die Polizei hat mir geholfen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ist deine Familie mit dir hier?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Meine Familie ist noch im Irak. Vielleicht kommen sie nach. Ich habe aber keine Frau und keine Kinder<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0Warum bist du geflohen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u00a0Im Irak hatte ich viele Probleme. Der Irak hat viele Probleme. \u00dcberall gibt es Milit\u00e4r, der Krieg ist \u00fcberall. Ich konnte dort nicht mehr leben. Ich habe sogar einen Anschlag erlebt, bei dem ich schwer verletzt wurde. Die n\u00e4chsten sechs Monate habe ich im Krankenhaus verbracht (er zeigt auf seine Narben). Meine Haut hat immer noch Sch\u00e4den. Hier kann ich wieder schlafen. Ich bin hier wieder relaxed.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was ist hier anders als im Irak?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Hier wird man nicht ausgeraubt (lacht). Oder die Polizei k\u00fcmmert sich zumindest darum. Stell dir vor, du gehst im Irak in die Disko. Normal ist, dass du dabei ausgeraubt wirst. Und die Z\u00fcge fahren p\u00fcnktlich. Wenn da steht 17 Uhr, dann komme ich um 17 Uhr nach Hause. Im Irak wei\u00df ich nicht, wann und ob ich nach Hause komme. Der religi\u00f6se Extremismus bestimmt den Alltag im Irak. Keine Disko, kein Alkohol, kein Schweinefleisch. Im Irak sagen viele Leute, dass Frauen nicht Autofahren d\u00fcrfen. Viele Frauen arbeiten zuhause [sind Hausfrauen]. Die Frauen, die arbeiten, arbeiten als Lehrerin, Verk\u00e4uferin, ansonsten gibt es sehr wenig Arbeit. Die Frauen an der Uni m\u00fcssen ein Kopftuch tragen. Als ich eine Freundin hatte, wusste ihr Vater nichts davon. Es war besser, dass der Vater nichts davon gewusst hat. Der hat mich nicht gemocht. Der Vater muss aber eine Hochzeit erlauben. Sp\u00e4ter ist meine Freundin dann auch verstorben. Das war auch einer der Gr\u00fcnde, warum ich geflohen bin.<\/em><\/p>\n<p><strong>Gibt es auch Dinge, die \u00e4hnlich oder sogar gleich sind in \u00d6sterreich und im Irak?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Das Essen im Supermarkt. Sonst sehr wenig.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was ist dein Lieblingsessen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em> Alles [lacht], Gem\u00fcse. Fleisch mag ich nicht wirklich. Es gibt auch kein Halal Fleisch.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was fehlt dir hier am meisten (aus deiner Heimat)?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Meine Familie.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was magst du an \u00d6sterreich?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Das mir alle Leute helfen hier. Ich mag diese Gemeinschaft.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was magst du nicht an \u00d6sterreich?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Darauf achte ich nicht. Ich habe noch nichts gefunden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Hast du auch mit Vorurteilen deiner Person gegen\u00fcber zu k\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>In einer n\u00e4heren Stadt wollte ich einmal in einen Bus steigen. Der Busfahrer wollte mich nicht mitfahren lassen, weil er den 100 Euro Schein nicht wechseln konnte. Daraufhin ist eine Mitfahrerin nach vorne gegangen und wollte bezahlen. Der Busfahrer meinte nur: Wenn Sie so schon abcashen, k\u00f6nnen Sie wenigstens selber zahlen. Schlussendlich konnten wir aber mitfahren. Ein anderes mal bin ich zum Einkaufen gegangen. Ich bin an der Ampel stehen geblieben und drei Leute haben mir den Stinkefinger gezeigt. Ich habe mich bei ihnen bedankt (grinst).<\/em><\/p>\n<p><strong>Danke f\u00fcr das Interview.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Bitte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Fl\u00fcchtling, nennen wir ihn Ahmed. Ein Interviewer. Beide wollen anonym bleiben. 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