{"id":1625,"date":"2016-09-11T11:40:39","date_gmt":"2016-09-11T09:40:39","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=1625"},"modified":"2016-09-11T11:40:39","modified_gmt":"2016-09-11T09:40:39","slug":"wassili-archipow-der-mann-der-die-welt-rettete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/09\/11\/wassili-archipow-der-mann-der-die-welt-rettete\/","title":{"rendered":"Wassili Archipow: Der Mann, der die Welt rettete"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Die Geheimoperation <em>&#8220;Anadyr&#8221;<\/em> begann am 26. Juli 1962. Die <em>&#8220;Marija Uljanow&#8221;<\/em> war der erste Frachter, der an diesem Tag Kuba erreichte. Neun weitere Transportschiffe mit Soldaten und Kriegsmaterial an Bord sollten noch folgen. Wenige Monate sp\u00e4ter stand die Welt dann am Abgrund. Die Kubakrise im Oktober 1962 markierte den traurigen H\u00f6hepunkt des Kalten Krieges.<\/p>\n<p>Die amerikanische Luftaufkl\u00e4rung lieferte am 15. Oktober 1962 unumst\u00f6\u00dfliche Beweise f\u00fcr die akute Bedrohung. Die entdeckten Startrampen f\u00fcr nukleare Mittelstreckenraketen l\u00f6sten eine seit 1945 beispiellose Mobilmachung der amerikanischen Streitkr\u00e4fte aus. Rund 1.500 Langstreckenbomber und alle 183 Interkontinentalraketen konnten nun innerhalb von 60 Minuten nach einem entsprechenden Befehl aus dem Wei\u00dfen Haus eingesetzt werden. Pr\u00e4sident John F. Kennedy verh\u00e4ngte eine Seeblockade gegen Kuba. Am 24. Oktober trat sie in Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1630 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/john-f-kennedy.jpg\" alt=\"john-f-kennedy\" width=\"1500\" height=\"1137\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/john-f-kennedy.jpg 1500w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/john-f-kennedy-300x227.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/john-f-kennedy-768x582.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/john-f-kennedy-1024x776.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/john-f-kennedy-1170x887.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/john-f-kennedy-440x334.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/john-f-kennedy-585x443.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><em>&#8220;We will not prematurely or unnecessarily risk the costs of a worldwide nuclear war in which even the fruits of victory would be ashes in our mouth \u2014 but neither shall we shrink from that risk any time it must be faced.&#8221;\u00a0<\/em>Pr\u00e4sident John F. Kennedy<br \/>\n[<a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/pr%C3%A4sident-john-f-kennedy-american-396982\/\" target=\"_blank\">Public Domain<\/a>]<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt stand <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/en\/f\/f4\/Vasili_Arkhipov.jpg\" target=\"_blank\">Wassili Archipow<\/a> auf dem sowjetischen U-Boot <em>&#8220;B-59&#8221;<\/em> unter gro\u00dfem Druck. Der Erste Offizier befand sich auf Geleitmission Richtung Kuba und eskortierte sowjetische Frachter mit Atomraketen an Bord. Doch US-Zerst\u00f6rer waren der B-59 in der Sargassosee im westlichen Atlantik auf den Fersen. Andere Schwesternschiffe wurden bereits mit \u00dcbungswasserbomben zum Auftauchen gezwungen.<\/p>\n<p>Am 27. Oktober spitzte sich die Situation dramatisch zu, als auch die B-59 ins Visier der US Navy geriet. Auf amerikanischer Seite wusste zu diesem Zeitpunkt niemand, dass das sowjetische U-Boot mit einem Nukleartorpedo best\u00fcckt war. Die \u00dcbungswasserbomben wurden wiederum von der sowjetischen Besatzung nicht als solche erkannt. Kapit\u00e4n Valentin Savitsky war sich vielmehr sicher, dass sein Schiff zerst\u00f6rt werden sollte. Kontakt mit Moskau bestand zu diesem Zeitpunkt keiner.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1634 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/sowjetischer-frachter.jpg\" alt=\"sowjetischer-frachter\" width=\"1500\" height=\"1084\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/sowjetischer-frachter.jpg 1500w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/sowjetischer-frachter-300x217.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/sowjetischer-frachter-768x555.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/sowjetischer-frachter-1024x740.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/sowjetischer-frachter-1170x846.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/sowjetischer-frachter-440x318.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/sowjetischer-frachter-585x423.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><em>US-Aufkl\u00e4rungsflug \u00fcber einen sowjetischen Frachter. [<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:P-2H_Neptune_over_Soviet_ship_Oct_1962.jpg\" target=\"_blank\">Public Domain<\/a>]<\/em><\/p>\n<p>Savitskys Verzweiflung wuchs rasant an. Die Temperatur im U-Boot lag zu diesem Zeitpunkt bereits \u00fcber 45 Grad und der Luftvorrat ging zu Ende. Doch das rettende Auftauchen h\u00e4tte auch die Enttarnung zur Folge gehabt. Der Kapit\u00e4n traf eine folgenschwere Entscheidung \u2013 der Nukleartorpedo sollte zum Einsatz kommen. F\u00fcr die Ausf\u00fchrung musste er sich aber noch die Zustimmung seiner beiden Offiziere holen, unter ihnen Wassili Archipow.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Wir werden sterben, aber wir nehmen sie mit! Kapit\u00e4n Valentin Savitsky<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend Politoffizier Iwan Maslennikow sein OK gab, widersetzte sich Archipow und redete stattdessen auf die beiden ein. Er war der festen \u00dcberzeugung, dass es sich hierbei nicht um einen Angriff der US Navy handelte. Das mutige Auftreten Archipows wurde belohnt \u2013 er konnte sowohl den Kapit\u00e4n als auch den Politoffizier von seiner Sicht der Dinge \u00fcberzeugen. Als das U-Boot schlie\u00dflich auftauchte, blieb eine Konfrontation aus. Erst Jahrzehnte sp\u00e4ter erfuhr die Welt von diesem Zwischenfall. H\u00e4tte die B-59 den Torpedo gez\u00fcndet, w\u00e4re ein lokal-begrenzter nuklearer Gegenangriff auf russische Frachter und Kriegsschiffe wohl unvermeidbar gewesen. Aus dem Kalten Krieg w\u00e4re ein hei\u00dfer geworden. Wassili Archipow verhinderte die fatale Kettenreaktion.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1637 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga.jpg\" alt=\"wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga\" width=\"1500\" height=\"1058\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga.jpg 1500w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga-300x212.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga-768x542.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga-1024x722.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga-1170x825.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga-440x310.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/wassili-archipow-mit-seiner-frau-olga-585x413.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/>Wassili Archipow mit seiner Frau Olga. [<a href=\"http:\/\/www.pbs.org\/wnet\/secrets\/the-man-who-saved-the-world-image-gallery\/874\/#8\" target=\"_blank\">Screenshot<\/a>]<\/p>\n<p><strong>Wie dankt man jemanden, der im Alleingang die ganze Welt rettet?<\/strong> In der sowjetischen Heimat wurde die Besatzung mit Schimpf und Schande als Verr\u00e4ter empfangen. Auch Archipow, der sich mit den beiden anderen Kommandanten vor einem Tribunal in Moskau verantworten musste. Dennoch brachte er es sp\u00e4ter zum Vizeadmiral.<\/p>\n<p>Wassili Archipow wusste bereits vor der Kuba-Krise um die atomare Gefahr. 1961 erlebte er an Bord der <em>&#8220;K-19&#8221;<\/em> selbst ein schweres Reaktorungl\u00fcck und starb im Jahr 1998 an den Sp\u00e4tfolgen. Seine Frau wird ihn sp\u00e4ter als bescheidenen und zur\u00fcckhaltenden Mensch beschreiben. <em>&#8220;Er war ein Mann leiser T\u00f6ne&#8221;<\/em>, erz\u00e4hlte sie. Zu hoffen bleibt, dass Wassili Archipow seinen Platz in der Geschichte als derjenige bekommen wird, der im richtigen Moment <em>&#8220;Nein&#8221;<\/em> sagte.<\/p>\n<p><em>Titelfoto:<\/em> Die B-59 beim Auftauchen vor Kuba. [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Soviet_b-59_submarine.jpg\" target=\"_blank\">Public Domain<\/a>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geheimoperation &#8220;Anadyr&#8221; begann am 26. Juli 1962. Die &#8220;Marija Uljanow&#8221; war der erste Frachter, der an diesem Tag Kuba erreichte. 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