{"id":2006,"date":"2016-10-16T09:41:13","date_gmt":"2016-10-16T07:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2006"},"modified":"2016-10-16T10:36:53","modified_gmt":"2016-10-16T08:36:53","slug":"die-anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/10\/16\/die-anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung-teil-2\/","title":{"rendered":"Die Anf\u00e4nge der Salzburger Arbeiter_innenbewegung Teil 2\/2"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><em><a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/10\/09\/die-anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung-teil-1\/\">(Hier gehts zu Teil 1)<\/a><\/em><\/p>\n<p>Der Einigungsparteitag 1888\/89 in Hainfeld trug auch im Bundesland Salzburg zu einer positiven Entwicklung der Arbeiter_innenbewegung bei. So wurden rasch neue Fachvereine gegr\u00fcndet, die sich allerdings noch nicht <em>\u201eGewerkschaft\u201c<\/em> nennen durften. Die nun j\u00e4hrlich stattfindenden Parteitage in Wien halfen zus\u00e4tzlich, den bisher losen Gedankenaustausch mit anderen GenossInnen zu intensivieren.<\/p>\n<p>Nach dem Parteitag 1891 formierte sich in Salzburg erstmals ein Landesparteikomitee, zu dessen Obmann Franz Egger gew\u00e4hlt wurde. Zeitgleich wurde von Jakob Pr\u00e4hauser in Hallein ein <em>&#8220;Arbeiter-Bildungsverein&#8221;<\/em> ins Leben gerufen. \u00dcber den Verein <em>\u201eZukunft\u201c<\/em> konnten zus\u00e4tzlich landesweite Vortr\u00e4ge organisiert werden.<br \/>\nDiese Vortr\u00e4ge mussten jedoch des \u00d6fteren in Privatwohnungen stattfinden, da sich kaum Gastwirte fanden, die ihre R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung stellten. Zudem wurde unter den Zuh\u00f6rer_innen h\u00e4ufig Geld gesammelt, um die Reisekosten der Vortragenden aufbringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Lend als Zentrum sozialer Auseinandersetzungen<\/h4>\n<p>Zu den ersten Vertrauensm\u00e4nnern (Funktion\u00e4r_innen) z\u00e4hlten Johann Gehwolf aus Werfen, Franz Brutar aus Lend, Georg Koller aus Taxenbach, Simon Abram aus Saalfelden und Jakob Viehauser aus Dienten. Die Entwicklung der Arbeiter_innenbewegung schritt \u00fcberall dort rasch voran, wo Industrie- und Bergbaubetriebe angesiedelt waren. Zentren dieser Entwicklung waren Lend, Bad Gastein (Goldbergbau) sowie M\u00fchlbach und Dienten (Kupferbergbau).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2010 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04.jpg\" alt=\"anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04\" width=\"1500\" height=\"829\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04.jpg 1500w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04-300x166.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04-768x424.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04-1024x566.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04-1170x647.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04-440x243.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung_04-585x323.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><em>Aluminiumfabrik in Lend, ca. 1904. [Quelle: Bauer Ingrid (Hg.), 100 Jahre Sozialdemokratie.<br \/>\nVon der alten Solidarit\u00e4t zur neuen sozialen Frage. Wien 1988, S. 49.]<\/em><\/p>\n<p>Von besonderer Bedeutung war die Gemeinde Lend, in der eine alte Goldw\u00e4scherei sowie eine Schmelzh\u00fctte angesiedelt waren. 1887 wurde aus diesen Anlagen eine Asbestfabrik errichtet, die zu den schlimmsten Ausbeuterbetrieben der damaligen Zeit geh\u00f6rte. Daneben hatte \u2013 bis zur Errichtung der Tauernbahn im Jahr 1905 \u2013 der Fuhrwerksverkehr nach Gastein eine \u00fcberragende Bedeutung. Der dortige Arbeitstag dauerte zwischen vierzehn und sechzehn Stunden und war extrem kr\u00e4ftezehrend. All diese Faktoren zusammengenommen, machten aus der kleinen Gemeinde Lend ein Zentrum der sozialen Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>Eine neue Wendung ergab sich, als die <em>\u201eAluminium-Industrie-AG\u201c<\/em> in den Jahren 1898 und 1899 ihre Arbeit in Lend aufnahm. Franz Brutar gelang es nun, gemeinsam mit anderen Vertrauensm\u00e4nnern einen sozialdemokratischen Verein in der Gemeinde aufzubauen. Zeitgleich suchte man den Austausch mit anderen Genoss_innen in Bad Gastein und Dienten.<\/p>\n<h4>Die ersten tausend Sozialdemokrat_innen<\/h4>\n<p>Im Jahr 1892 fand in Wien der 3. Parteitag der Sozialdemokratie statt. Dort wurde offiziell beschlossen, ein weit verzweigtes Vertrauensm\u00e4nnersystem aufzubauen. Im selben Jahr wurden in Salzburg zwei weitere Arbeiter-Bildungsvereine geschaffen, und zwar in Saalfelden sowie in Bischofshofen. Ein weiterer Versuch in Thalgau blieb hingegen nur wenige Jahre lang bestehen.<\/p>\n<p>Im Jahr 1894 konnte man mit Stolz verk\u00fcnden, dass die sozialdemokratische Arbeiter_innenbewegung in Salzburg rund 1.000 Mitglieder umfasste. Insgesamt wurden f\u00fcnf Organisationsbezirke gegr\u00fcndet, deren Zentren je ein Arbeiter-Bildungsverein war. Diese Bildungsvereine verf\u00fcgten \u00fcber 492 Mitglieder. Weitere 452 Personen waren in sechs Fachvereinen organisiert. Gemeinsam mit 51 Mitgliedern des Arbeiter-S\u00e4ngerbundes waren damit 995 Genoss_innen in der sozialdemokratischen Bewegung organisiert.<\/p>\n<h4>1896: Das Geburtsjahr der Salzburger SP\u00d6<\/h4>\n<p>Das Jahr 1896 markiert f\u00fcr die Salzburger SP\u00d6 ein historisches Datum: Jakob Pr\u00e4hauser wurde gew\u00e4hlt, um als erster Landesparteivorsitzender offiziell die Gesch\u00e4fte der sozialdemokratischen Bewegung zu f\u00fchren \u2013 eine Funktion, die er bis 1904 innehatte. 1897 wurde Pr\u00e4hauser zudem in die Reichsparteileitung aufgenommen.<\/p>\n<p><em>\u201eDer rote Jakob\u201c<\/em>, wie er im Volksmund hie\u00df, wurde am 24. Mai 1849 in Hallein geboren und erlernte hier den Beruf des Steinmetzes. Pr\u00e4hauser galt als <em>\u201eklassenbewusster Pragmatiker\u201c<\/em>, der sich in gewerkschaftlicher Organisationsarbeit und in Lohnk\u00e4mpfen bew\u00e4hrte. Der <em>\u201eMarmorschleifer\u201c<\/em> stand noch ganz in der Tradition der von Handwerksgesellen gepr\u00e4gten Arbeiterbewegung.<\/p>\n<h4>Der Kampf um das Wahlrecht<\/h4>\n<p>Das Jahr 1896 markiert zudem einen weiteren Meilenstein, da erstmals auch Wahlen in der sogenannten f\u00fcnften Kurie erfolgen durften. Dort war jeder m\u00e4nnliche Staatsb\u00fcrger (24 Jahre Mindestalter) wahlberechtigt, der sechs Monate in einem Wahlkreis ans\u00e4ssig war.<\/p>\n<p>Trotz dieses ersten Erfolges war die Ungerechtigkeit des Systems enorm: So w\u00e4hlten rund 5.000 Gro\u00dfgrundbesitzer insgesamt 85 Abgeordnete, w\u00e4hrend 75.000 W\u00e4hler in der f\u00fcnften Kurie lediglich einen Abgeordneten stellen durften.<\/p>\n<p>Der Kampf um ein gerechtes Wahlsystem sollte demnach auch zu einem der wichtigsten Anliegen der SozialdemokratInnen in den kommenden Jahren werden.<\/p>\n<p><em>Titelfoto:<\/em> Gesamtparteitag 1899. [Public Domain]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Hier gehts zu Teil 1) Der Einigungsparteitag 1888\/89 in Hainfeld trug auch im Bundesland Salzburg zu einer positiven Entwicklung der Arbeiter_innenbewegung bei. 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