{"id":2021,"date":"2016-10-21T07:06:31","date_gmt":"2016-10-21T05:06:31","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2021"},"modified":"2016-10-21T07:18:01","modified_gmt":"2016-10-21T05:18:01","slug":"hildegart-oder-projekt-superwoman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/10\/21\/hildegart-oder-projekt-superwoman\/","title":{"rendered":"Hildegart oder: Projekt Superwoman"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><strong>Die Drei\u00dfiger des letzten Jahrhunderts sind wohl in den kollektiven Erinnerungen der wenigsten sonderlich positiv konnotiert. In <em>Hildegart oder: Projekt Superwoman<\/em> geht es ebenfalls um jene Zeit, nicht aber um die leidige Nazi-Thematik. Viel rosiger wird es dennoch nicht.<\/strong><\/p>\n<p><em>Hildegart oder Projekt Superwoman<\/em> ist ein eigentlich interessantes Filmprojekt. Es ist das Portr\u00e4t einer tragischen Mutter-Tochter-Beziehung. Es ist ein ungew\u00f6hnlicher Blickwinkel auf einen extremistischen Geist, der sich so weit in seiner Weltanschauung verliert, bis er schlie\u00dflich aus ideologischen Gr\u00fcnden und ohne Reue die eigene Tochter hinrichtet. Es ist eine gezeichnete Dokumentation \u00fcber Hildegart Rodriguez und ihre Mutter Aurora Rodriguez und es ist eine reale Dokumentation \u00fcber manche Positionen des modernen Feminismus und ein Spiegel \u00fcber den Stand der Frau in unserer Gesellschaft.<\/p>\n<blockquote><p>Es ist ein gewagtes Potpourri, das versucht, viel zu vereinen, dabei aber Zutaten mischt, die nicht harmonieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Zeichenstil und die reduziert-simplen Animationen der gezeichneten Hildegart-Geschichte wissen mit ihrer tragischen Atmosph\u00e4re zu \u00fcberzeugen. Hildegarts Mutter Aurora f\u00fchrt uns durch die Handlung, erkl\u00e4rt, warum die schreckliche Tat aus ihrer Perspektive die einzige Option war. Sie versucht mithilfe von Ideologie zu rechtfertigen, warum Mord der einzige Ausweg ist. Sie erkl\u00e4rt uns und dem gezeichneten Richter, dass sie nicht verr\u00fcckt und im Vollbesitz ihrer geistigen Kr\u00e4fte ist, woran wir als Publikum aber berechtigte Zweifel haben. Das alleine h\u00e4tte gen\u00fcgend Rahmen f\u00fcr einen tragischen Film gegeben, der vermutlich wirklich \u00fcberzeugt h\u00e4tte.<\/p>\n<div class=\"epyt-video-wrapper\"><iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_85901\"  width=\"1170\" height=\"658\"  data-origwidth=\"1170\" data-origheight=\"658\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/YhJ53B0JD1s?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;hl=de_DE&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/div>\n<p>Die Filmemacherin Barbara Caspar begn\u00fcgt sich aber nicht mit dem Erz\u00e4hlen jener dramatischen Mutter-Tochter-Beziehung, sie mischt in die animierte Interpretation historischer Begebenheiten reale Interviews mit Frauen, die nicht nur Hildegarts und Auroras Leben kommentieren, sondern generell \u00fcber modernen Feminismus sprechen. Da kommen junge, energische Femen-Aktivistinnen zu Wort, da meldet eine Astrologin ihre Sicht der Dinge. Die Interviews bleiben dabei v\u00f6llig unkommentiert und erm\u00f6glichen es den Zusehenden ihre eigene Weltsicht sowie jene der gezeigten Frauen zu reflektieren. Auch als Film \u00fcber moderne Auslegungen des Feminismus w\u00e4re <em>Hildegart oder: Projekt Superwoman<\/em> interessant. Als Gesamtpaket ist <em>Projekt Superwoman<\/em> aber weder das eine noch das andere und beide Teile erg\u00e4nzen sich mehr schlecht als recht.<\/p>\n<p>Meines Erachtens schadet es dem modernen Feminismus eher, diese Verbindung zwischen Aurora Rodriguez\u2019 Wahn und Tat und den jungen Aktivistinnen herzustellen, die sich mit ihren Mitteln bem\u00fchen, f\u00fcr Frauenrechte zu k\u00e4mpfen. Aurora Rodriguez war, wie es der Film darstellt, aber weniger Feministin als generell Misanthropin. Sie hasst M\u00e4nner und sie verachtet Frauen f\u00fcr ihr emotionales Handeln und ihre Triebe. (M\u00e4nner haben selbige ihrer Ansicht nach scheinbar nicht!) Sie will durch ihre Tochter eine Prophetin f\u00fcr alle Frauen dieser Welt schaffen, ja geradezu z\u00fcchten. Sie will Sch\u00f6pferin einer Superwoman sein. Ihr Plan und ihre Herangehensweise haben mehr mit Eugenik als mit Feminismus zu tun. W\u00e4hrend die einzelnen Elemente von <em>Hildegart oder: Projekt Superwoman<\/em> in sich genommen spannend und interessant umgesetzt sind, wirkt die Zusammenf\u00fchrung der Biografie und der Kommentare aufgesetzt und plump. So verl\u00e4sst man das Kino mit dem Gef\u00fchl, Einblicke in das Leben einer wahnsinnigen Extremistin bekommen zu haben und dazu Zitate junger Feministinnen, die im besten Fall nichts mit Aurora Rodriguez zu tun haben und im schlechtesten Fall im fadenscheinigen Kontext zu ihr stehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2022 size-full\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/hildegart-oder-projekt-superwoman-01.jpg\" alt=\"hildegart-oder-projekt-superwoman-01\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/hildegart-oder-projekt-superwoman-01.jpg 1000w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/hildegart-oder-projekt-superwoman-01-300x169.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/hildegart-oder-projekt-superwoman-01-768x432.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/hildegart-oder-projekt-superwoman-01-440x248.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/hildegart-oder-projekt-superwoman-01-585x329.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p>Feminismus ist ein enorm wichtiges Thema in unserer Gesellschaft. Das findet nicht nur Noch-Pr\u00e4sident Obama. Wer anderer Meinung ist, sollte sich vielleicht Strategien \u00fcberlegen, um doch noch den Sprung ins 21. Jahrhundert zu schaffen. <em>Bei Hildegart oder: Projekt Superwoman <\/em>wei\u00df ich nur nicht, worauf der Film hinaus will. Die gezeichnete Geschichte ist zu extrem, um Aktivismus f\u00fcr Frauenrechte zu spiegeln und die Interviews wirken teils einfach zu naiv.<\/p>\n<blockquote><p>Dennoch hat <em>Hildegart oder: Projekt Superwoman<\/em> meines Erachtens seine Daseinsberechtigung: als Denkansto\u00df sowie als Diskussionsgrundlage; um die eigene Weltsicht zu reflektieren und um neue Perspektiven kennenzulernen, auch wenn man sie in dieser Form nicht teilen muss.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Hildegart oder: Projekt Superwoman<\/em><br \/>\nRegie: Barbara Caspar<br \/>\nDrehbuch: Barbara Caspar<br \/>\nSoundtrack: Roland Hackl<br \/>\nMit: Pippa Galli, Jascka L\u00e4mmert, Mischou Friesz, Markus Raab, Josephine Witt, Lara Alc\u00e1zar Miranda, Irina Kkanova, Carlotta C\u00e1novas, Carmen Est\u00e9banezCamarena, Bego Martinez Gugel,<br \/>\nCarmen Domingo, Leslie Atkison, Ingrid Zinnel u.a.<br \/>\nLaufzeit: 82 Minuten<br \/>\nFSK: unbekannt<br \/>\nKinostart: 23.9.16 (AT)<\/p>\n<p>Die Bilder stammen von der Seite des Filmf\u00f6rderfonds Wien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Drei\u00dfiger des letzten Jahrhunderts sind wohl in den kollektiven Erinnerungen der wenigsten sonderlich positiv konnotiert. 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