{"id":2037,"date":"2016-10-23T10:51:42","date_gmt":"2016-10-23T08:51:42","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2037"},"modified":"2016-10-23T11:12:31","modified_gmt":"2016-10-23T09:12:31","slug":"ungarn-1956-der-kurze-traum-von-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/10\/23\/ungarn-1956-der-kurze-traum-von-freiheit\/","title":{"rendered":"Ungarn 1956: Der kurze Traum von Freiheit"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><em>Volksaufstand: Budapest am 25. Oktober 1956.<\/em><br \/>\n[<em>Foto:<\/em> <a href=\"http:\/\/www.fortepan.hu\/_photo\/download\/fortepan_40060.jpg\" target=\"_blank\">FORTEPAN<\/a> \/ Nagy Gyula \/\/ <em>Quelle:<\/em> <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Kossuth_Lajos_utca_a_Ferenciek_tere_fel%C5%91l_n%C3%A9zve._1956._okt%C3%B3ber_25-e_d%C3%A9lut%C3%A1n,_-_Fortepan_24652.jpg\" target=\"_blank\">Wikimedia Commons<\/a> \/\/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\" target=\"_blank\">CC BY-SA 3.0<\/a>]<\/p>\n<hr \/>\n<p>Es begann harmlos mit einer friedlichen Demonstration in Budapest. Student_innen der Technischen Universit\u00e4t gingen auf die Stra\u00dfe, um f\u00fcr Pressefreiheit und vor allem f\u00fcr freie und geheime Wahlen zu k\u00e4mpfen. Die Aktion sollte Hoffnung auf eine baldige Demokratisierung des Landes machen. Und auf bessere Zeiten. Denn wie in den restlichen L\u00e4ndern hinter dem <em>\u201eEisernen Vorhang\u201c<\/em> hatte Josef Stalin auch in Ungarn eine brutale Diktatur errichten lassen.<br \/>\nIhm zur Seite standen moskautreue Hardliner wie M\u00e1ty\u00e1s R\u00e1kosi. Der selbst ernannte <em>&#8220;beste Sch\u00fcler Stalins&#8221;<\/em> hatte kurz zuvor erneut die Macht in Ungarn an sich gezogen und dabei den liberalen und unbelasteten Imre Nagy von der Spitze verdr\u00e4ngt. Tausende ungarische Staatsb\u00fcrger_innen wurden w\u00e4hrend seiner kurzen Herrschaft ermordet oder eingesperrt.<\/p>\n<p>Was nun an diesem 23. Oktober als Solidarit\u00e4tsaktion mit den polnischen Arbeiter_innen begann, wuchs rasch zur Massendemonstration gegen die Herrschaft der kommunistischen Partei an. R\u00e1kosi und seine Truppe reagierten mit gnadenloser H\u00e4rte. In den Abendstunden lie\u00dfen sie bereits den verhassten Staatssicherheitsdienst auf die Demonstrant_innen schie\u00dfen. Die so friedlich begonnene Kundgebung verwandelte sich daraufhin zum Stra\u00dfenkampf. Den Einheiten der Staatssicherheit standen Arbeiter_innen und Student_innen gegen\u00fcber, die bald von breiten gesellschaftlichen Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Auf blutige Weise war in Ungarn vorgef\u00fchrt worden, dass die Regime, welche die Sowjetunion nach 1945 in Ostmitteleuropa errichtet hatte, zu Unrecht f\u00fcr sich in Anspruch nahmen, im Auftrag der Proletarier zu herrschen.&#8221; <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Am Morgen des 24. Oktobers tauchten dann auch erste sowjetische Panzer in Budapest auf. Der Ausnahmezustand war zu diesem Zeitpunkt bereits verh\u00e4ngt worden. Am selben Tag wurde Imre Nagy \u2013 auf dem die Hoffnungen der Aufst\u00e4ndischen ruhte \u2013 zum Ministerpr\u00e4sidenten ernannt. Neben Nagy wurde Oberst P\u00e1l Mal\u00e9ter, Befehlshaber einer Panzerdivision, zur wichtigen Symbolfigur des noch fr\u00fchen Aufstandes. Als sich Mal\u00e9ter mit der Parole <em>&#8220;Ungarn schie\u00dfen nicht auf Ungarn&#8221;<\/em> gegen die Sowjets wandte, wurde er so zum milit\u00e4rischen F\u00fchrer des Widerstands.<\/p>\n<p>Am 27. Oktober flauten dann die Kampfhandlungen zusehends ab. Die neue Regierung unter Nagy trug wesentlich dazu bei, schlie\u00dflich erf\u00fcllte sie wichtige Forderungen der Aufst\u00e4ndischen. Drei Tage sp\u00e4ter verk\u00fcndete Mal\u00e9ter \u2013 inzwischen zum Verteidigungsminister aufgestiegen \u2013 den baldigen Abzug der sowjetischen Truppen aus dem Stadtgebiet von Budapest.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2036 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/budapest-1956_02.jpg\" alt=\"budapest-1956_02\" width=\"1500\" height=\"1032\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/budapest-1956_02.jpg 1500w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/budapest-1956_02-300x206.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/budapest-1956_02-768x528.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/budapest-1956_02-1024x705.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/budapest-1956_02-1170x805.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/budapest-1956_02-440x303.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/budapest-1956_02-585x402.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><em>Vor\u00fcbergehender R\u00fcckzug der sowjetischen Truppen am 31. Oktober 1956.<\/em><br \/>\n[<em>Foto:<\/em> <a href=\"http:\/\/www.fortepan.hu\/_photo\/download\/fortepan_40195.jpg\" target=\"_blank\">FORTEPAN<\/a> \/ Nagy Gyula \/\/ <em>Quelle:<\/em> <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Szent_Istv%C3%A1n_k%C3%B6r%C3%BAt_a_Falk_Miksa_(N%C3%A9phadsereg)_utca_fel%C5%91l_a_Honv%C3%A9d_utca_fel%C3%A9_n%C3%A9zve._A_szovjet_csapatok_ideiglenes_kivonul%C3%A1sa_1956._okt%C3%B3ber_31-%C3%A9n._Fortepan_24787.jpg\" target=\"_blank\">Wikimedia Commons<\/a> \/\/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/deed.en\" target=\"_blank\">CC BY-SA 3.0<\/a>]<\/p>\n<p>Innerhalb weniger Tage wurde so die kommunistische Einparteiendiktatur durch eine Mehrparteienregierung abgel\u00f6st. Politische H\u00e4ftlinge, die Jahre zuvor in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren, kamen frei. Doch die Hoffnung w\u00e4hrt nur kurz. Bereits am 31. Oktober beschloss die Sowjetf\u00fchrung eine neuerliche Milit\u00e4raktion, welche einen Tag sp\u00e4ter bereits begann. Imre Nagy k\u00fcndigte daraufhin den Austritt aus dem <em>\u201eWarschauer Pakt\u201c<\/em> an und forderte erneut den Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht.<\/p>\n<p>Doch gegen die fremde\u00a0\u00dcbermacht war nicht anzukommen. Am 4. November wurde der Befehl zum Generalangriff erteilt und Budapest dadurch erneut Schauplatz heftiger Gefechte und Auseinandersetzungen. Die Aufst\u00e4ndischen wehren sich mit Molotowcocktails gegen Panzer und mussten letztendlich doch ihre Chancenlosigkeit einr\u00e4umen. Tage sp\u00e4ter war alle Hoffnung im Keim erstickt.<br \/>\nDie Revolutionsf\u00fchrer, darunter auch Nagy, wurden verhaftet und exekutiert. Weitere Hinrichtungen folgten. Am 15. November war dann alles vorbei. Aus der ungarischen Bev\u00f6lkerung waren 4.000 Todesopfer zu beklagen \u2013 180.000 flohen nach \u00d6sterreich. Vor seiner Hinrichtung wurde noch ein letzter Satz von Imre Nagy protokolliert: <em>\u201eIch bitte nicht um Gnade.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle:<\/em><br \/>\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Neue Z\u00fcrcher Zeitung [<a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/articleEJDS3-1.68887\" target=\"_blank\">Link \u00f6ffnen<\/a>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volksaufstand: Budapest am 25. Oktober 1956. [Foto: FORTEPAN \/ Nagy Gyula \/\/ Quelle: Wikimedia Commons \/\/ CC BY-SA 3.0] Es begann harmlos mit einer friedlichen Demonstration in Budapest. 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