{"id":2179,"date":"2016-11-13T11:09:48","date_gmt":"2016-11-13T10:09:48","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2179"},"modified":"2016-11-13T11:09:48","modified_gmt":"2016-11-13T10:09:48","slug":"der-kampf-um-das-wahlrecht-in-salzburg-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/11\/13\/der-kampf-um-das-wahlrecht-in-salzburg-teil-3\/","title":{"rendered":"Die ersten roten Abgeordneten: Der Kampf um das Wahlrecht in Salzburg Teil 3\/3"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><em>Aus der Serie \u201e120 Jahre SP\u00d6 Salzburg\u201c:<\/em><br \/>\nDie Anf\u00e4nge der Salzburger Arbeiter_innenbewegung [<a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/10\/09\/die-anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung-teil-1\/\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a> \/ <a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/10\/16\/die-anfaenge-der-salzburger-arbeiterbewegung-teil-2\/\" target=\"_blank\">Teil 2<\/a>]<br \/>\nDer Kampf um das Wahlrecht in Salzburg [<a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/10\/30\/der-kampf-um-das-wahlrecht-in-salzburg-teil-1\/\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a> \/ <a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/11\/06\/der-kampf-um-das-wahlrecht-in-salzburg-teil-2\/\" target=\"_blank\">Teil 2<\/a>]<\/p>\n<hr \/>\n<p>Die sozialdemokratische Partei erreichte bei der Reichsratswahl im Jahr 1907 mehr als eine Million Stimmen und stellte in weiterer Folge 87 Abgeordnete. Dieser Erfolg st\u00e4rkte auch die Genoss_innen in Salzburg, die sich nach wie vor mit einem ungerechten Wahlrecht auf Landesebene konfrontiert sahen. Daher wurde unmittelbar nach der Reichsratswahl abermals in Salzburg demonstriert. Bei einer gro\u00df angelegten Versammlung im Schanzlgarten forderte man erneut das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht f\u00fcr Salzburg.<\/p>\n<p>Robert Preu\u00dfler hielt an diesem 15. September 1907 das Hauptreferat und kritisierte dabei die Zusammensetzung des Landtages, der zur damaligen Zeit 28 Mitglieder z\u00e4hlte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEin Abgeordneter war der Erzbischof Dr. Katschtaler, der sich selber w\u00e4hlt. 18 W\u00e4hler der Handels- und Gewerbekammer entsandten zwei Abgeordnete, 235 W\u00e4hler des Gro\u00dfgrundbesitzes bestimmten f\u00fcnf Abgeordnete, die 5333 W\u00e4hler der St\u00e4dte entsandten sechs Abgeordnete, 2147 W\u00e4hler der M\u00e4rkte f\u00fcnf Abgeordnete und 13.420 W\u00e4hler der Landgemeinden neun Abgeordnete. [&#8230;] 22.000 Arbeiter aber hatten \u00fcberhaupt kein Wahlrecht.\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Es folgten weitere Veranstaltungen, die den hohen Organisationsgrad der Salzburger Sozialdemokrat_innen demonstrierten. Die <em>\u201eSalzburger Wacht\u201c<\/em>, das offizielle Zeitungsorgan der Partei, ver\u00f6ffentlichte dazu im Jahr 1907 eine Statistik, die dies ebenfalls untermauerte. Auf je 100 Besch\u00e4ftigte im Kronland Salzburg entfielen 33 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter. Im deutschsprachigen \u00d6sterreich stellte dies nach Wien (39 von 100 Besch\u00e4ftigten) den zweith\u00f6chsten Wert dar.<\/p>\n<p>Dennoch konnte die Vormachtstellung der B\u00fcrgerlichen und Klerikalen zun\u00e4chst nicht gebrochen werden. So scheiterten im Jahr 1907 die sozialdemokratischen Kandidaten abermals bei der Neuwahl von sechs Gemeinder\u00e4ten in der Stadt Salzburg. Auch bei der darauffolgenden Nachwahl sollte sich dieses Bild nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<h4>Die ersten beiden Landtagsmandate<\/h4>\n<p>Der 3. Mai 1909 stellte dann einen bemerkenswerten Etappensieg der Salzburger Genoss_innen dar. Bei der abgehaltenen Landtagswahl gelang es in zwei Stadtwahlbezirken stimmenst\u00e4rkste Partei zu werden. Die sozialdemokratische Partei Salzburgs stelle nun mit Robert Preu\u00dfler und Josef Proksch erstmals zwei Landtagsabgeordnete. Der Erfolg wurde \u00fcberschw\u00e4nglich gefeiert, zumal es am Wahltag zu massiven Behinderungen gekommen war. Die Dienstherren nutzten den Umstand aus, dass die Wahl an einem Montag stattfand. Vielerorts wurde daher versucht, die Arbeiter an der Aus\u00fcbung ihres Wahlrechts zu hindern.<\/p>\n<p>Am 16. September 1909 trat der Landtag \u2013 nun 39 Mitglieder umfassend \u2013 zu seiner ersten Sitzung zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eRobert Preu\u00dfler und Josef Proksch trugen rote Nelken im Knopfloch. Sie nahmen ihre Pl\u00e4tze auf der \u00e4u\u00dfersten Linken des Landtages ein. Da auf der rechten Seite bei den Klerikalen ein Platz fehlte, mu\u00dfte Pr\u00e4lat Alois Winkler neben den Sozialisten Platz nehmen. Josef Proksch wurde in den Finanzausschu\u00df, Robert Preu\u00dfler in den Verwaltungs- und in den Verkehrsausschu\u00df gew\u00e4hlt. Dem Verlangen der beiden Sozialdemokraten, einen von ihnen auch in den Schulausschu\u00df zu w\u00e4hlen, wurde nicht stattgegeben.\u201c <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Trotz dieses Wahltriumphs im Kronland blieben die Fronten in der Stadt Salzburg weiterhin verh\u00e4rtet. Eine Diskussion \u00fcber eine m\u00f6gliche Wahlreform blieb auch 1910 ohne Erfolg. So w\u00e4hlten weiterhin 3.110 W\u00e4hler im ersten, zweiten und dritten Wahlk\u00f6rper 30 Gemeinder\u00e4te, w\u00e4hrend 4.000 W\u00e4hler in der vierten Kurie lediglich zehn Gemeinder\u00e4te w\u00e4hlen durften.<\/p>\n<p>Im Jahr 1912 gab es in Salzburg massive Bem\u00fchungen, die sozialdemokratischen Frauen besser zu organisieren. Dazu wurden im M\u00e4rz eine Landesfrauenkonferenz und im Mai der <em>\u201eInternationale Frauentag\u201c<\/em> abgehalten. Die Durchf\u00fchrung eines solchen Frauentags wurde zwei Jahre zuvor auf der <em>\u201eZweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz\u201c<\/em> in Kopenhagen beschlossen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIm Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller L\u00e4nder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation f\u00fcr das Frauenwahlrecht dient. [\u2026] Der Frauentag mu\u00df einen internationalen Charakter tragen und ist sorgf\u00e4ltig vorzubereiten.\u201c <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Sozialdemokrat_innen waren demnach auch die Ersten, die das allgemeine und gleiche Wahlrecht f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner in ihr Parteiprogramm aufnahmen. Dennoch mussten sich die Frauen der Parteidisziplin zun\u00e4chst unterordnen, da die Einf\u00fchrung des Frauenwahlrechts zugunsten der Durchsetzung des allgemeinen und gleichen M\u00e4nnerwahlrechts hintangestellt wurde. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<h4>Der erste rote Salzburger Gemeinderat<\/h4>\n<p>Im Jahr 1914 konnte endlich auch in der Stadt Salzburg ein gro\u00dfer Wahlerfolg verbucht werden. Obwohl sich die b\u00fcrgerliche Mehrheit nach wie vor weigerte, das undemokratische Wahlrecht f\u00fcr den Salzburger Gemeinderat zu \u00e4ndern, konnte ein sozialdemokratischer Kandidat erstmals die Stichwahl f\u00fcr sich entscheiden. Mit 34 Stimmen Vorsprung wurde Robert Preu\u00dfler in den Gemeinderat gew\u00e4hlt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDa sich die b\u00fcrgerliche Mehrheit weigerte, Preu\u00dfler in verschiedene Kommissionen zu entsenden, erkl\u00e4rte er, da\u00df er leider gezwungen w\u00e4re, unter diesen Umst\u00e4nden \u00f6fters im Plenum des Gemeinderates zu sprechen [\u2026]. B\u00fcrgermeister Ott sagte daraufhin, da\u00df es gesch\u00e4ftsordnungsm\u00e4\u00dfige Mittel gebe, falls die Sitzungen allzu lange w\u00fcrden. \u00dcberdies sei bekannt, da\u00df die Herren Gemeinder\u00e4te nach sieben Uhr abends nicht mehr gerne an Sitzungen teilnehmen. Unter gro\u00dfer Heiterkeit rief Preu\u00dfler aus: \u201aDann bleib&#8217; ich eben mit dem B\u00fcrgermeister allein da.\u2018\u201c <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Aber 1914 wurden alle Zukunftspl\u00e4ne zerst\u00f6rt. Der Erste Weltkrieg brach aus. Vier Jahre sp\u00e4ter konnte nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie das allgemeine und gleiche Wahlrecht f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner endlich durchgesetzt werden. Die neu errungene Mitbestimmung sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein. Nach der Ausschaltung des Parlaments durch die Dollfu\u00df-Regierung im Jahr 1933 gab es bundesweit keine Wahlen mehr. Diese sollten erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder abgehalten werden.<\/p>\n<p><em>Titelfoto:<\/em> Neue Gl\u00fchlichter, Ausgabe vom 22. April 1908 (Seite 1), Steinocher-Archiv des Renner-Instituts Salzburg.<\/p>\n<p><em>Quellen:<\/em><br \/>\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Kaut, Josef (1982). Der steinige Weg. Geschichte der sozialistischen Bewegung im Lande Salzburg, Salzburg, S. 64-65.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Kaut, Josef (1982). Der steinige Weg. Geschichte der sozialistischen Bewegung im Lande Salzburg, Salzburg, S. 67.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Wurms, Renate (1980). Wir wollen Freiheit, Frieden, Recht. Der Internationale Frauentag. Zur Geschichte des 8. M\u00e4rz, Verlag Marxistische Bl\u00e4tter, S. 6.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Demokratiezentrum Wien [<a href=\"http:\/\/www.demokratiezentrum.org\/themen\/demokratieentwicklung\/frauenwahlrecht\/maenner-und-frauenwahlrecht.html\" target=\"_blank\">Link \u00f6ffnen<\/a>]<br \/>\n<a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Kaut, Josef (1982). Der steinige Weg. Geschichte der sozialistischen Bewegung im Lande Salzburg, Salzburg, S. 76.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Serie \u201e120 Jahre SP\u00d6 Salzburg\u201c: Die Anf\u00e4nge der Salzburger Arbeiter_innenbewegung [Teil 1 \/ Teil 2] Der Kampf um das Wahlrecht in Salzburg [Teil 1 \/ Teil 2] Die&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":2178,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[14],"tags":[911,872,913,869,870,912,50,868,849],"coauthors":[],"class_list":["post-2179","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-erster-weltkrieg","tag-gemeinderatswahl","tag-josef-proksch","tag-landtagswahl","tag-reichsratswahl","tag-robert-preussler","tag-salzburg","tag-sdap","tag-wahlrecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2179"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2179\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2190,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2179\/revisions\/2190"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2179"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=2179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}