{"id":2232,"date":"2016-11-17T13:06:50","date_gmt":"2016-11-17T12:06:50","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2232"},"modified":"2016-11-17T14:00:04","modified_gmt":"2016-11-17T13:00:04","slug":"7-gruende-warum-trump-gewonnen-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/11\/17\/7-gruende-warum-trump-gewonnen-hat\/","title":{"rendered":"7 Gr\u00fcnde, warum Trump gewonnen hat"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<hr \/>\n<p><em>Dieser Beitrag wurde zuerst auf <a href=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/usa-wahl-warum-die-arbeiterinnen-trump-waehlten\/\">Kontrast-Blog<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>Das Entsetzen ist gro\u00df, auch in Europa. Donald Trump wird tats\u00e4chlich der 45. Pr\u00e4sident der USA sein. Trump zu w\u00e4hlen, hei\u00dfe vor allem rassistisch, frauenverachtend und gegen Homosexuelle zu sein. Dazu komme noch eine Portion Dummheit \u2013 so sehen es zumindest die meisten Gegner_innen von Trump.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hbr.org\/2016\/11\/what-so-many-people-dont-get-about-the-u-s-working-class\" target=\"_blank\">F\u00fcr die Juristin und Feministin Joan C. Williams ist diese Erkl\u00e4rung zu bequem<\/a>. F\u00fcr sie sind es vor allem Klassenkonflikte und wirtschaftliche Schieflagen, die Trumps Wahlsieg erkl\u00e4ren. Ihr zentrales Anliegen ist es, die (wei\u00dfe) Arbeiterklasse, ihre W\u00fcnsche, ihre materiellen Probleme und ihre Wertvorstellungen, zu verstehen, um Trumps Sieg zu begreifen. Und daraus lassen sich entsprechende politische Strategien entwickeln.<\/p>\n<p>Wir haben ihre <a href=\"https:\/\/hbr.org\/2016\/11\/what-so-many-people-dont-get-about-the-u-s-working-class\" target=\"_blank\">wichtigsten Aussagen<\/a> zusammengefasst:<\/p>\n<h3>1. Clinton steht f\u00fcr Verachtung, Trump f\u00fcr Sehns\u00fcchte<\/h3>\n<p>Die wei\u00dfe Arbeiter_innenklasse, die <em>Blue Collar Worker<\/em>, respektiert die wirklich Reichen eher als die VerwalterInnen, TechnokratInnen und ManagerInnen. Denn oft machen durchschnittliche ArbeiterInnen und Angestellte schlechte Erfahrungen mit gehoben Angestellten und Akademiker_innen, den <em>White Collar Workern<\/em>. Sie begegnen diesen in hierarchischen Arbeitsbeziehungen, wo diese als Vorgesetzte \u00fcber ihren Arbeitsalltag bestimmen. Dabei erscheinen sie ihnen oft als jene, <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Limbo-Blue-Collar-Roots-White-Collar-Dreams\/dp\/0471714399\" target=\"_blank\">\u201edie nichts dar\u00fcber wissen, wie man arbeitet, aber eine Unmenge an Ideen haben, wie ich meine Arbeit machen soll\u201c<\/a>. Hillary Clinton repr\u00e4sentiert mit ihren Hosenanz\u00fcgen und ihrer technokratischen Ausdrucksweise genau diese \u201eprofessionelle\u201c Elite, die auf die Arbeiterklasse herabblickt.<\/p>\n<p>Dem gegen\u00fcber stehen die wirklich Superreichen, die der t\u00e4gliche Frust kaum trifft. Da es mit diesen kaum Ber\u00fchrungspunkte gibt, fehlen auch die allt\u00e4glichen Konflikte. Stattdessen stehen Superreiche wie Trump, die man nur aus Zeitung und Fernsehen kennt, f\u00fcr die Sehnsucht nach dem Aufstieg. Dazu kommt der in der Arbeiter_innenklasse weit verbreitete Wunsch, in die Schicht der erfolgreichen Unternehmer_innen aufzusteigen: Ein eigenes Unternehmen zu haben, reich zu werden und sich im Alltag von niemandem in die Arbeit pfuschen zu lassen.<\/p>\n<h3>2. Soziale Lage ist f\u00fcr Frauen wichtiger als Geschlecht<\/h3>\n<p>Der Wahlausgang und der Verlauf der Wahl zeigt deutlich, dass Sexismus nach wie vor sehr tief in der amerikanischen Gesellschaft verankert ist. Er zeigt aber auch: Die soziale Lage ist wichtiger als das Geschlecht und bestimmt die amerikanische Politik. So hat Trump mit einem Riesenvorsprung von 28 Prozentpunkten bei wei\u00dfen Frauen der Arbeiter_innenklasse gewonnen: 62% von ihnen stimmten f\u00fcr Trump und nur 34% f\u00fcr Clinton. W\u00e4re das Verh\u00e4ltnis 50:50 gewesen, Clinton h\u00e4tte gewonnen.<\/p>\n<h3>3. Den Arbeitern geht es um ihre W\u00fcrde<\/h3>\n<p>Trump sprach eindeutig wei\u00dfe Arbeiter an: Seine Ablehnung von \u201ePolitical Correctness\u201c ist vor allem als eine R\u00fcckkehr zur sicheren Welt von fr\u00fcher zu verstehen. Dabei dockt er an die angekratzte m\u00e4nnliche W\u00fcrde vieler Arbeiter an, die sich als Verlierer f\u00fchlen. Nach wie vor wird die m\u00e4nnliche W\u00fcrde immer noch an der H\u00f6he des Gehaltsschecks gemessen. Und die L\u00f6hne der wei\u00dfen Arbeiterklasse sind in den 1970ern ins Trudeln geraten und haben w\u00e4hrend der Wirtschaftskrise erneut einen schweren Schlag bekommen.<\/p>\n<p>Die meisten Menschen \u2013 M\u00e4nner wie Frauen \u2013 versuchen, jene Ideale zu leben, mit denen sie aufgewachsen sind. Und M\u00e4nner der Arbeiterklasse schreien heute nach dieser W\u00fcrde m\u00e4nnlicher Pr\u00e4gung. Und die liefert ihnen Trump.<\/p>\n<h3>4. Die amerikanische Arbeiterklasse ist nicht arm, sie ist die Mittelschicht<\/h3>\n<p>Wenn wir von der Arbeiterklasse sprechen, sollten wir uns im Klaren sein, wor\u00fcber wir genau sprechen. Die Arbeiterklasse sind nicht die wirklich Armen, was die Demokraten oft \u00fcbersehen. Forderungen wie die Erh\u00f6hung des Mindestlohns auf 15 Dollar sind f\u00fcr durchschnittliche Arbeiter_innen uninteressant, weil sie nicht um 9,50 Dollar bei McDonald\u00b4s arbeiten. Was sie wollen, sind sichere Vollzeitarbeitspl\u00e4tze, die ein solides Mittelstands-Leben erm\u00f6glichen. Und zwar auch jene 75 Prozent der US-AmerikanerInnen, die keinen Studienabschluss haben. Trump hat genau das versprochen, auch wenn er dieses Versprechen wohl nicht halten wird. Aber zumindest kennt er die Sehns\u00fcchte dieser Menschen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem l\u00f6sen Programme, die den Armen helfen und von der Mittelschicht finanziert werden, immer wieder Unmut aus. So zum Beispiel Obamacare: 20 Millionen Arme erhalten eine kostenlose Krankenversicherung, w\u00e4hrend viele Amerikaner, die nur etwas mehr verdienen, h\u00f6here Beitr\u00e4gen leisten m\u00fcssen. Im Gegenzug wird der Mittelschicht nur wenig geboten \u2013 und sie f\u00fchlt sich ausgenutzt und im Stich gelassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1.png\" data-slb-active=\"1\" data-slb-asset=\"1214297730\" data-slb-internal=\"0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1224 size-full\" src=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1.png\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" srcset=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1.png 1200w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1-150x150.png 150w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1-300x300.png 300w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1-768x768.png 768w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1-1024x1024.png 1024w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1-600x600.png 600w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/einkommensentwicklung-1-80x80.png 80w\" width=\"1200\" height=\"1200\" \/><\/a><\/p>\n<h3>5. Land gegen Stadt<\/h3>\n<p>Klassenkonflikte dr\u00fccken sich auch in einer Kluft zwischen Stadt und Land aus. In einigen l\u00e4ndlichen Gegenden sind schockierend viele M\u00e4nner aus der Arbeiter_innenklasse arbeitslos oder arbeitsunf\u00e4hig. Diese Gebiete brechen weg und verwelken. Dies hinterl\u00e4sst eine Spur von Schmerz und Verzweiflung. Wann sprechen US-Politiker_innen dar\u00fcber? Nie.<\/p>\n<h3>6. Wirtschaft in den Mittelpunkt r\u00fccken<\/h3>\n<p>In der Zeit, in der die ArbeiterInnen die Demokraten gew\u00e4hlt haben (1930-1970), war es deren Hauptziel, gute Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen. Heute sind sowohl die Demokraten als auch die Republikaner mehrheitlich f\u00fcr Freihandelsabkommen. Durch diese Abkommen haben die Arbeiter in den Swingstates wie Ohio, Michigan und Pennsylvania ihre Jobs verloren, die Arbeitspl\u00e4tze sind jetzt in Mexiko oder Vietnam. Donald Trump hat sich vehement gegen solche Abkommen ausgesprochen, w\u00e4hrend die Demokraten vor allem auf Toleranzthemen gesetzt haben. \u201eIch verstehe, warum Transgender-Toiletten wichtig sind, aber ich verstehe auch, dass die Besessenheit vieler ,Progressiver\u2018 von kulturellen Themen viele US-Amerikaner_innen ver\u00e4rgert, deren Hauptanliegen die Wirtschaft ist\u201c, so Williams.<\/p>\n<h3>7. Nicht auf Rassismus reduzieren<\/h3>\n<p>\u00d6konomische Ressentiments haben auch rassistische \u00c4ngste verst\u00e4rkt, was einige Trump-Anh\u00e4nger und Trump selbst in den offenen Rassismus getrieben hat. Aber die Wut und Unzufriedenheit der wei\u00dfen Arbeiter_innenklasse schlicht auf den Rassismus zu reduzieren, ist bequem und falsch. Man sollte sich mit den Anliegen, den W\u00fcnschen und Werten der Arbeiter_innenklasse auseinandersetzen. W\u00e4hrend die gesellschaftliche Elite sexuelle und rassistische Beleidigungen stets kritisiert, werden etwa Klassen-Vorurteile kaum thematisiert.<\/p>\n<p><strong>Weiterlesen:<br \/>\n<\/strong>Der Originaltext von Joan C. Williams ist unter dem Titel <a href=\"https:\/\/hbr.org\/2016\/11\/what-so-many-people-dont-get-about-the-u-s-working-class\" target=\"_blank\">\u201eWhat So Many People Don\u2019t Get About the U.S. Working Class\u201c<\/a> im Online-Magazin <a href=\"https:\/\/hbr.org\/\" target=\"_blank\">Harvard Business\u00a0Review<\/a> erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag wurde zuerst auf Kontrast-Blog ver\u00f6ffentlicht. Das Entsetzen ist gro\u00df, auch in Europa. Donald Trump wird tats\u00e4chlich der 45. Pr\u00e4sident der USA sein. 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