{"id":255,"date":"2016-05-30T22:41:24","date_gmt":"2016-05-30T20:41:24","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=255"},"modified":"2016-05-31T14:57:10","modified_gmt":"2016-05-31T12:57:10","slug":"the-neon-demon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/05\/30\/the-neon-demon\/","title":{"rendered":"The Neon Demon"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><strong>Eines vorweg: Es empfiehlt sich, nichts \u00fcber diesen Film vorab zu lesen, um sich mit voller Wucht von diesem dr\u00f6hnenden Meisterwerk \u00fcberrollen zu lassen. Es wartet eines der au\u00dfergew\u00f6hnlichsten Kinoerlebnisse des Jahres.<\/strong><\/p>\n<p>Nicolas Winding Refn, der uns bereits mit umstrittenen Meisterwerken wie <em>Valhalla Rising, Drive<\/em> und <em>Only God Forgives<\/em> begeistert und vor den Kopf gesto\u00dfen hat, bearbeitet in seinem neuesten Film <em>The Neon Demon<\/em> die Schattenseiten der glamour\u00f6sen Model-Welt. Schon das Intro f\u00fchrt uns, untermalt von den d\u00fcsteren und dennoch meditativen Kl\u00e4ngen des gro\u00dfartigen Soundtracks von Cliff Martinez, in die unheilvolle Stimmung des Films.<\/p>\n<div class=\"epyt-video-wrapper\"><iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_84325\"  width=\"1170\" height=\"658\"  data-origwidth=\"1170\" data-origheight=\"658\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/mEn45vWAVPg?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;hl=de_DE&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/div>\n<p>Die junge und bildh\u00fcbsche Jesse (Elle Fanning) ist das neue M\u00e4dl in der Modewelt von Los Angeles. Mit ihrer nat\u00fcrlichen, fast naiv kindlichen Art erregt sie schnell das Interesse bekannter Fotografen und Designer. So verwundert es auch nicht, dass sie, als sie von der Visagistin Ruby (Jena Melone) auf eine Szeneparty eingeladen wird, von einer Model-Kollegin gefragt wird, wen sie f\u00fcr diesen rasanten Aufstieg denn v\u00f6geln w\u00fcrde. Aus dieser anf\u00e4nglichen Provokation entwickelt sich schnell gef\u00e4hrlicher Neid, als Jesse anderen Models immer wichtigere Jobs wegnimmt. <em>The Neon Demon<\/em> w\u00e4re nicht von Nicolas Winding Refn, wenn diese Konkurrenz im Verlauf des zweist\u00fcndigen Films nicht zu einigen magenumdrehenden Ereignissen f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Refns letzter Film <em>Only God Forgives<\/em> fast durchg\u00e4ngig eine Gewaltorgie abbildete, \u00fcberwiegen in <em>Neon Demon<\/em> in der ersten H\u00e4lfte des Films Glanz und Glamour. Typisch f\u00fcr Refns Kinematografie wirken bis ins Detail durchkomponierte, ruhige Einstellungen, die zu jeder Zeit perfekt vom Soundtrack mitgetragen werden. \u00dcberzeichnet und dennoch glaubw\u00fcrdig taucht der Film in die \u00fcberk\u00fcnstelte Anmut der Modewelt und des n\u00e4chtlichen Los Angeles.<\/p>\n<blockquote><p>Eines der Hauptthemen des Films ist das Verst\u00e4ndnis von Sch\u00f6nheit. Ein Verst\u00e4ndnis, das vom Film nach und nach symbolisch dekonstruiert wird, bis es sich zu Unverst\u00e4ndnis wandelt \u2013 dabei bleibt sich die Inszenierung immer treu und zeigt auch die h\u00e4sslichsten Geschehnisse in dekadent sch\u00f6nen Bildern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer sich nach <em>Only God Forgives<\/em> noch mehr Gewalt erwartet, wird entt\u00e4uscht. Auch die Bezeichnung Horror verfehlt dieses Meisterwerk zur G\u00e4nze. Es ergeben sich zwar, wie k\u00f6nnte es bei Refn anders sein, kurze Gewaltausbr\u00fcche, diese sind aber weit weniger schmerzvoll inszeniert als etwa in <em>Drive<\/em> oder <em>Only God Forgives<\/em>. Weniger intensiv sind sie, vor allem, weil sie im eigenwilligen Kontrast zum Rest der schimmernden Modewelt stehen, deswegen nicht.<\/p>\n<p>Ein Novum in Refns \u0152uvre ist die Geschlechterverteilung der Hauptrollen. M\u00e4nner, etwa Keanu Reeves als gierigiger Motel-Besitzer, tauchen in <em>The Neon Demon<\/em> als unsympathische Randerscheinungen auf, die dem perfiden Machtspiel und gnadenlosen Konkurrenzkampf der Models Jesse, Sarah (Abbey Lee) und Gigi (Bella Heathcote) aber nicht weiter im Wege stehen. W\u00e4hrend Sarah und Gigi, die im Neonlicht unheimlich unnat\u00fcrlich und puppenhaft erstrahlen, als klare Antagonistinnen vorgef\u00fchrt werden, ist Jesses Rolle r\u00e4tselhafter. Einerseits wirkt sie leichtgl\u00e4ubig und manipulierbar, schnell stellt sich aber heraus, dass sie mehr als der unerfahrene Spielball ihres Umfelds zu sein scheint. \u201e<em>I am a dangerous girl!<\/em>\u201c, prophezeit sie ihren Konkurrentinnen. Dabei schafft es Fanning auch noch unter Tonnen von Make-Up ein Spektrum an verschiedenen Charakterz\u00fcgen zu pr\u00e4sentieren, die uns als Zusehende immer weiter von ihrer h\u00fcbschen \u00e4u\u00dferen Fassade zur Ergr\u00fcndung ihres wahren Charakters dr\u00e4ngen, der sich mit zunehmenden Verlauf des Films \u00e4ndert. Was am Ende bleibt, ist eine expressionistische Skizzierung und Dekonstruktion der menschenunw\u00fcrdigen Modewelt.<\/p>\n<p>Es ist ausgesprochen erfreulich, wenn es aus dem Meer belangloser Blockbuster und CGI-Feuerwerke ein Film wie <em>The Neon Demon<\/em> bis ans Mainstream-Festland schafft. Eine pessimistische Handlung, die in einer verst\u00f6renden wie symboltr\u00e4chtigen Klimax endet, durchgehend \u00fcberzeugende Schauspielerinnen und Schauspieler, eine Bildkomposition wie man sie in Hollywood selten genie\u00dfen kann und ein Score, der die Zusehenden geradezu an die \u00e4sthetische Inszenierung kettet: Dieser Film wird die Besucherinnen und Besucher vor den Kopf sto\u00dfen, begeistern und teilen. Vor allem wirkt er noch lange nach dem Kinobesuch und l\u00e4dt zum Diskutieren, Interpretieren und Hinterfragen ein. Ich hatte bef\u00fcrchtet, Refn w\u00fcrde mich entt\u00e4uschen und meine Erwartungen seien zu hoch, doch Refn ist es gelungen, seinem Stil treu zu bleiben und sich dennoch nicht zu wiederholen. So soll Film sein!<\/p>\n<p><em>The Neon Demon<\/em><br \/>\n<strong>Regie:<\/strong> Nicolas Winding Refn<br \/>\n<strong>Drehbuch:<\/strong> Nicolas Winding Refn, Mary Laws, Polly Stenham<br \/>\n<strong>Soundtrack:<\/strong> Cliff Martinez<br \/>\n<strong>Cast:<\/strong> Elle Fanning, Jena Malone, Abbey Lee, Bella Heathcote, Keanu Reeves, Christina Hendricks &#8230;<br \/>\n<strong>Laufzeit:<\/strong> 110 Minuten<br \/>\n<strong>FSK:<\/strong> ausst\u00e4ndig<br \/>\n<strong>Kinostart:<\/strong> 23.06.16 (AT)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines vorweg: Es empfiehlt sich, nichts \u00fcber diesen Film vorab zu lesen, um sich mit voller Wucht von diesem dr\u00f6hnenden Meisterwerk \u00fcberrollen zu lassen. 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