{"id":2553,"date":"2017-02-06T08:44:13","date_gmt":"2017-02-06T07:44:13","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2553"},"modified":"2017-02-06T08:46:17","modified_gmt":"2017-02-06T07:46:17","slug":"hacksaw-ridge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/02\/06\/hacksaw-ridge\/","title":{"rendered":"Hacksaw Ridge"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Ich unterhielt mich einmal mit jemandem, der den B\u00fcrgerkrieg erlebt hatte und davor geflohen war. Wir waren in einer friedlichen Ortschaft in der Steiermark und er kam nicht aus dem Nahen Osten wie die meisten Fl\u00fcchtlinge heutzutage, sondern aus jenem Krieg, der vor nicht allzu langer Zeit in unserer Nachbarschaft tobte. Eine Bekannte, die ebenfalls am Gespr\u00e4ch beteiligt war, fragte ungl\u00e4ubig und mit der Naivit\u00e4t der Wohlbeh\u00fcteten, wie man nur andere Menschen t\u00f6ten k\u00f6nne? Soweit eine berechtigte Frage, wie mir schien. \u201eIch habe Stra\u00dfen mit Fl\u00fcssen aus Blut gesehen. Ich habe zerfetzte Kinder im Dreck liegen gesehen. Wenn ich meinen Nachbarn sehe und ein Messer habe, steche ich ihn sofort ab.\u201c, war seine Antwort. Sein Gesichtsausdruck wurde dabei so ernst und seine Augen so kalt, dass ich noch heute G\u00e4nsehaut bekomme, wenn ich nur daran denke. Im \u00dcbrigen war er ein netter und lustiger Kerl, der in diesem kleinen und friedlichen Ort in einem Restaurant daf\u00fcr sorgte, dass wir, die wir den Krieg nur aus den Geschichten unserer Gro\u00dfeltern kennen, nach einem langen Wintersport-Tag unser \u201aSchnitzal mit Erd\u00f6pfisalot\u2019 auch auf einem sauberen Teller bekommen. Damals wurde mir klar, wie anma\u00dfend es ist, \u00fcber den Krieg zu sprechen, ohne ihn erlebt zu haben. Das gilt f\u00fcr mich und das gilt insbesondere f\u00fcr Mel Gibson, der auf seinem Regiestuhl \u00fcblicherweise ein paar Menschen mehr erreicht als ich mit meinen Texten.<\/p>\n<p><em>Hacksaw Ridge<\/em> hei\u00dft sein neuester Streich, der f\u00fcr sechs Oscars nominiert ist. Vorweg sei zu sagen: <em>Hacksaw Ridge<\/em> ist besser als bef\u00fcrchtet, hinterl\u00e4sst aber dennoch gemischte Gef\u00fchle. Der Film beruht auf der wahren Geschichte des Milit\u00e4rsanit\u00e4ters Desmond Thomas Doss (1919 \u2013 2006), der sich als \u00fcberzeugter Sieben Tage Adventist weigerte, zu t\u00f6ten. Seiner Ansicht nach war der Krieg n\u00e4mlich keine Ausrede, um gegen das f\u00fcnfte Gebot zu versto\u00dfen. In der Schlacht um Okinawa (1945) geriet seine Einheit unter schweren Beschuss. Am ersten Tag rettete Doss im Alleingang etwa 75 Soldaten das Leben. Er wurde als erster Soldat, der aus moralischen Gr\u00fcnden keinen einzigen Schuss abgefeuert hat, mit der Medal of Honor ausgezeichnet.<\/p>\n<div class=\"epyt-video-wrapper\"><iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_45780\"  width=\"1170\" height=\"658\"  data-origwidth=\"1170\" data-origheight=\"658\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/i3_itzpnQmQ?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;hl=de_DE&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/div>\n<p>Entgegen meiner Bef\u00fcrchtung hat Mel Gibson \u2013 der daf\u00fcr bekannt ist, das Christentum manchmal etwas zu \u00fcbereifrig zu vertreten \u2013 mit <em>Hacksaw Ridge<\/em> keinen filmischen Kreuzzug hingelegt. Religion ist ein wichtiges Thema im Film und schon die erste Szene, die das Ende des Films vorweg nimmt, legt Bibelzitate \u00fcber Rauch, Feuer und Explosionen und dennoch ist im ganzen Film klar, dass es sich nur um die \u00dcberzeugung von Desmond Doss (Andrew Garfield) handelt.<br \/>\nNach der einleitenden Schlachtszene springt der Film zur\u00fcck in Desmonds Jugend. Wir sehen ihn als Jungen mit seiner Familie. Wir sehen seinen Vater (Hugo Weaving), einen gewaltt\u00e4tigen Trinker, dessen Psyche am ersten Weltkrieg zerbrach. Wir sehen seine erste gro\u00dfe Liebe (Teresa Palmer) und nat\u00fcrlich sehen wir auch den Ehering vor der ersten angedeuteten Sexszene, bevor Desmond in den Krieg muss. Ges\u00fcndigt wird in Virginia n\u00e4mlich (unter Mel Gibsons Regie) nicht. Die erste H\u00e4lfte des Films zeigt das sch\u00f6ne, friedliche und manchmal auch etwas traurige Landleben in Virginia und die milit\u00e4rische Grundausbildung, w\u00e4hrend der Desmond f\u00fcr seinen Glauben und seine \u00dcberzeugung oft angefeindet wird. Die Inszenierung mag dabei etwas kitschig und verkl\u00e4rend geraten sein, sie ist jedoch niemals langweilig.<\/p>\n<p>Auch aus dramaturgischer Sicht ist die erste H\u00e4lfte \u00e4u\u00dferst wichtig, denn durch das vertr\u00e4umte Leben in Virginia trifft uns der Krieg sp\u00e4ter mit umso heftigerer Wucht. Gerade noch spazieren die Soldaten den Strand entlang und erfreuen sich daran, die amerikanische Heimat bald (in Japan?) verteidigen zu d\u00fcrfen, als der erste Schuss f\u00e4llt. Ein Soldat wird in den Kopf getroffen, kurz darauf zersiebt eine weitere Salve seinen K\u00f6rper. <em>Hacksaw Ridge<\/em> setzt in diesen Momenten gl\u00fccklicherweise nicht auf die oftmals \u00fcberstrapazierte Zeitlupe. Dieser erste Tote ist mit einer solchen zeitlichen Pr\u00e4zision inszeniert, dass uns innerhalb von Sekunden die gesamte Brutalit\u00e4t des Krieges einholt. Generell beweist Mel Gibson in <em>Hacksaw Ridge<\/em> erneut, dass er sein Handwerk hinter der Kamera versteht. <em>Hacksaw Ridge<\/em> bietet brillante Schauspieler (Schauspielerinnen sind eher nebens\u00e4chlich), eine gelungene Inszenierung, eine tolle musikalische Untermalung und ein Drehbuch, das den eigentlich positiven Gesamteindruck leider tr\u00fcbt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2554 size-large\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hacksaw-ridge-01-1024x640.jpeg\" width=\"1024\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hacksaw-ridge-01-1024x640.jpeg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hacksaw-ridge-01-300x188.jpeg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hacksaw-ridge-01-768x480.jpeg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hacksaw-ridge-01-1170x731.jpeg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hacksaw-ridge-01-440x275.jpeg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hacksaw-ridge-01-585x366.jpeg 585w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/hacksaw-ridge-01.jpeg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich dem Drehbuch die plumpe Darstellung der Japaner als homogene Monstermasse verzeihe, da ich es durchaus legitim finde, einen Kriegsfilm aus einer bestimmten Perspektive zu inszenieren, \u00e4rgert es mich ziemlich, dass mich der Film immer wieder f\u00fcr dumm verkaufen m\u00f6chte. Wie wir alle wissen, sind neben Anton Tschechow auch viele Drehbuchschreiberinnen und Schreiber (im Falle von <em>Hacksaw Ridge<\/em> sind es die Herren Robert Schenkkan und Andrew Knight) der Ansicht, dass ein Element, beispielsweise ein Gewehr, das in einem St\u00fcck gezeigt wird, sp\u00e4ter wieder aufgegriffen und benutzt werden muss. <em>Hacksaw Ridge<\/em> \u00fcbertreibt die Verwendung vom Tschechow Gewehr. Ohne viel \u00fcber den Schluss des Films zu verraten, sei gesagt: Wenn im ersten Akt von <em>Hacksaw Ridge<\/em> etwas passiert oder gezeigt wird, wird es mit Sicherheit sp\u00e4ter nochmal aufgegriffen. Dadurch wirkt der gesamte Film letzten Endes \u00fcbertrieben k\u00fcnstlich und konstruiert. Auch h\u00e4tte es dem Film nicht geschadet, wenn zwei oder drei Szenen, die unseren Helden Doss zu heroisch zeigen, geschnitten worden w\u00e4ren. Zu guter Letzt zitiert das Drehbuch mehrmals auch andere bekannte Filme, von <em>Fury<\/em> \u00fcber <em>Full Metal Jacket<\/em> bis zum <em>Hobbit<\/em> (!!!).<\/p>\n<blockquote><p>Die Schw\u00e4chen im Drehbuch f\u00fchren dazu, dass am Ende der Eindruck bleibt, man h\u00e4tte gerade <em>Pearl Harbor<\/em> mit besseren Schauspielerinnen und Schauspielern gesehen.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>Hacksaw Ridge<\/em> erz\u00e4hlt die Geschichte eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Kriegshelden und es scheint mir v\u00f6llig legitim, diesem ein filmisches Denkmal zu setzen. <em>Hacksaw Ridge<\/em> ist trotz ziemlich brutaler Szenen kein Antikriegsfilm. Kameradschaft und Heldentum stehen im Vordergrund, der Krieg wird nicht hinterfragt, sondern als Notwendigkeit erachtet. F\u00fcr die Freiheit der USA muss Japan in Grund und Boden gebombt werden. <em>Hacksaw Ridge <\/em>\u00fcberzeugt vor allem technisch und schauspielerisch auf ganzer Linie. Die Schw\u00e4chen im Drehbuch f\u00fchren aber dazu, dass am Ende der Eindruck bleibt, man h\u00e4tte gerade <em>Pearl Harbor<\/em> mit besseren Schauspielerinnen und Schauspielern gesehen. <em>Hacksaw Ridge<\/em> h\u00e4tte mit seiner religi\u00f6sen Hauptfigur und seinem religi\u00f6sem Regisseur viel schlimmer ausfallen k\u00f6nnen. Das mittelm\u00e4\u00dfige Drehbuch verschenkt jedoch viel Potential. Hacksaw Ridge droht \u2013 wie so viele amerikanische Kriegsfilme \u2013 in seinem eigenen Pathos zu ertrinken. Egal, die Amis werden daf\u00fcr sicherlich den einen oder anderen Goldjungen springen lassen.<\/p>\n<p><em>Hacksaw Ridge<br \/>\n<strong>Dt. Titel:<\/strong><\/em><em> Hacksaw Ridge \u2013 Die Entscheidung<\/em><br \/>\n<strong>Regie:<\/strong> Mel Gibson<br \/>\n<strong>Drehbuch:<\/strong> Robert Schenkkan, Andrew Knight<br \/>\n<strong>Soundtrack:<\/strong> J\u00f3hann J\u00f3hannsson<br \/>\n<strong>Cast:<\/strong> Andrew Garfield, Sam Worthington, Luke Bracey, Vince Vaughn, Teresa Palmer<strong>Laufzeit:<\/strong> 139 Minuten<br \/>\n<strong>FSK:<\/strong> ab 16<br \/>\n<strong>Kinostart:<\/strong> 26.01.17 (AT)<\/p>\n<p>Die Bilder stammen von der offiziellen Homepage des Films.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich unterhielt mich einmal mit jemandem, der den B\u00fcrgerkrieg erlebt hatte und davor geflohen war. 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