{"id":2569,"date":"2017-02-12T11:57:01","date_gmt":"2017-02-12T10:57:01","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2569"},"modified":"2021-02-08T12:31:12","modified_gmt":"2021-02-08T11:31:12","slug":"der-12-februar-1934-aus-salzburger-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/02\/12\/der-12-februar-1934-aus-salzburger-sicht\/","title":{"rendered":"\u201eWir werden morgen an die Arbeit gehen&#8230;&#8221;: Der 12. Februar 1934 aus Salzburger Sicht"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Es waren \u00f6sterreichische Arbeiter, die dem Faschismus am 12. Februar 1934 mit Waffen entgegentraten. Knapp vier Jahre zuvor schwor die Heimwehr in Korneuburg ihren Eid und griff dabei <em>\u201enach der Macht im Staate\u201c<\/em>. Die Rechtsbr\u00fcche der Regierung Dollfu\u00df gipfelten im M\u00e4rz 1933 in der Ausschaltung des Parlaments \u2013 die systematische Zerst\u00f6rung der Demokratie hatte ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt erreicht.<\/p>\n<p>Doch die Provokationen und Schikanen nahmen auch in den kommenden Wochen weiter zu. Arbeiterheime und private Wohnungen wurden unter dem Vorwand, Waffen zu suchen, verw\u00fcstet. Es kam zu zahlreichen Verhaftungen. Dann folgte am 11. Februar 1934 die n\u00e4chste Provokation: Emil Fey, Heimwehrf\u00fchrer und Innenminister verk\u00fcndete unheilvoll: <em>\u201eWir werden morgen an die Arbeit gehen und wir werden ganze Arbeit leisten.\u201c<\/em> Am Morgen des 12. Februars fielen in Linz die ersten Sch\u00fcsse. Der Kampf hatte begonnen.<\/p>\n<p>In Salzburg kam es am 12. Februar zu einem Treffen des sozialdemokratischen Parteivorstandes mit den wichtigsten Mitgliedern des Republikanischen Schutzbundes. Die Polizei nutzte diese Gelegenheit aus und verhaftete dort s\u00e4mtliche Funktion\u00e4re. Doch man hatte vorgesorgt: Aus Angst vor Razzien wurden die Waffen des Schutzbundes zuvor aus den Parteiheimen entfernt und auf kleinere Lager aufgeteilt. Doch nun sollte sich diese Vorgehensweise r\u00e4chen. Da die privaten Verstecke nur wenige hochrangige Funktion\u00e4re kannten, war eine Waffenausgabe aufgrund der Inhaftierungen nicht mehr m\u00f6glich. Somit fielen am 12. Februar keine Sch\u00fcsse in der Salzburger Landeshauptstadt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn Salzburg begannen die eigentlichen Aktionen dann erst am 13. Februar mit Streiks der Arbeiter in der Brauerei Kaltenhausen, der Wasserbauarbeiter und der Arbeiter der Zellulosefabrik. Die rund 200 beteiligten Schutzb\u00fcndler wurden dabei von Landtagsvizepr\u00e4sident Anton Neumayr (SDAP) beschwichtigt. Der Aufstand sei aussichtslos, Gewalt das falsche Mittel. In der Folge wurden Neumayr und die gesamte Halleiner Streikleitung (rund 30 Personen) verhaftet.\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>In manchen Landgemeinden war es hingegen m\u00f6glich gewesen, Sprengstoff an einzelne Schutzb\u00fcndler auszugeben. Einer \u00dcbermacht von Exekutive und Heimwehr gelang es jedoch, die Arbeiter rasch zu stellen. \u00dcberall im Bundesland wurden sozialdemokratische Parteiheime und -lokale aufgebrochen und besetzt. Die Tiroler Heimwehr mischte aus Rache f\u00fcr den missgl\u00fcckten Aufstand ebenfalls mit. So w\u00fctete etwa die <em>\u201ePenz-Platte\u201c<\/em> in Schwarzach, ein gef\u00fcrchteter Heimwehr-Schl\u00e4gertrupp aus Innsbruck.<\/p>\n<p class=\" meta-field photo-desc \" style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2568 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/februarkaempfe-salzburg_02.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"911\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/februarkaempfe-salzburg_02.jpg 1500w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/februarkaempfe-salzburg_02-300x182.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/februarkaempfe-salzburg_02-768x466.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/februarkaempfe-salzburg_02-1024x622.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/februarkaempfe-salzburg_02-1170x711.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/februarkaempfe-salzburg_02-440x267.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/februarkaempfe-salzburg_02-585x355.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><em>Halleiner Schutzb\u00fcndler zu Beginn der 1930er Jahre (Steinocher-Archiv).<\/em><\/p>\n<p>Dennoch gelang es immer wieder, kleinere Widerstandsaktivit\u00e4ten durchzuf\u00fchren. In Uttendorf wurden beispielsweise Gleise der Pinzgauer Lokalbahn verlegt. In der Landeshauptstadt blockierte ein gesprengter Leitungsmast die Eisenbahnstrecke. Auch die Tageszeitung <em>\u201eSalzburger Chronik\u201c<\/em> berichtete am 16. Februar \u00fcber solche Sabotageakte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWie von der Direktion der Salzkammergut-Lokalbahn mitgeteilt wird, wurde in der vergangenen Nacht auf der Bahnlinie, und zwar bei Kilometer 57.7 beim Hallwanger Bogen ein verbrecherischer Anschlag ver\u00fcbt. Es wurde eine Schiene gesprengt, wodurch der Zugsverkehr f\u00fcr einige Zeit unterbrochen war. Der Fr\u00fchzug kam mit eineinhalbst\u00fcndiger Unterbrechung in Salzburg an.\u201c <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Vor allem die sozialdemokratischen Eisenbahner leisteten verbissenen Widerstand, allerdings war es ihnen aufgrund ihres reduzierten Personalstandes nicht m\u00f6glich gewesen, den Generalstreik zu befolgen. Alle Dienststellen der Bundesbahn in Salzburg konnten so von Heimwehrleuten und den sogenannten Freiheitsb\u00fcndlern rasch besetzt werden.<\/p>\n<p>Dennoch gelang es ihnen, die Drehscheibe der Remise II in Gnigl mit einer quergestellten Lok zu blockieren. So verhinderte man das Ausfahren der \u00fcbrigen Lokomotiven aus dem Rundschuppen. Das eilig herbeigerufene Bundesheer konnte jedoch die Situation unter Kontrolle bringen. Am 16. Februar wurde dann der letzte Sabotageakt in der Stadt Salzburg registriert \u2013 im Nonntal wurde ein Bombenanschlag auf die Lokalbahnbr\u00fccke ver\u00fcbt.<\/p>\n<p>Nach den Kampfhandlungen stellte die Polizei umfangreiche Untersuchungen zu den Vorkommnissen in Gnigl an, die jedoch weitestgehend erfolglos blieben. Ein Eisenbahner, der neun Monate in Untersuchungshaft gehalten wurde, musste schlie\u00dflich freigelassen werden. Seine Schuld am Sabotageakt war nicht nachweisbar.<\/p>\n<p>Das Salzburger Polizeigef\u00e4ngnis war bis Mai 1934 mit sozialdemokratischen Funktion\u00e4ren \u00fcberf\u00fcllt. Mit Ausnahme mancher Schikanen des Wachpersonals wurden die H\u00e4ftlinge hier jedoch deutlich besser behandelt als in den restlichen Bundesl\u00e4ndern. Dies mag auch an Landeshauptmann Franz Rehrl gelegen haben, der als konsensbereiter Politiker galt und somit kein Interesse an derartigen Repressionen hatte.<\/p>\n<p>Der austrofaschistische St\u00e4ndestaat ging hingegen mit ungeminderter H\u00e4rte vor und legte nach den Kampfhandlungen die \u00f6sterreichische Arbeiter_innenbewegung lahm. Die Partei, die Gewerkschaften und alle befreundeten Organisationen wurden verboten. Rund 18.000 Personen wurden im Zuge der Februark\u00e4mpfe verhaftet. \u00d6sterreich verlor damit die einzige Kraft, die vier Jahre sp\u00e4ter den Nationalsozialist_innen wirkungsvoll h\u00e4tte Widerstand leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr>\n<p><em>Titelfoto:<\/em> Bahnhof Salzburg-Gnigl, Remise II (Steinocher-Archiv).<\/p>\n<p><em>Quellen:<\/em><br \/>\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft [<a href=\"http:\/\/www.klahrgesellschaft.at\/Mitteilungen\/Maerz_1_14.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link \u00f6ffnen<\/a>]<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Salzburger Chronik, Ausgabe vom 16. Februar 1934.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es waren \u00f6sterreichische Arbeiter, die dem Faschismus am 12. Februar 1934 mit Waffen entgegentraten. 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