{"id":2699,"date":"2017-03-04T07:43:52","date_gmt":"2017-03-04T06:43:52","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2699"},"modified":"2017-03-02T09:23:47","modified_gmt":"2017-03-02T08:23:47","slug":"warum-das-reichste-prozent-weniger-steuern-zahlt-als-du","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/03\/04\/warum-das-reichste-prozent-weniger-steuern-zahlt-als-du\/","title":{"rendered":"Warum das reichste Prozent weniger Steuern zahlt als du"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><strong>Das reichste Prozent der \u00d6sterreicher besitzt so viel wie die untersten 80 Prozent zusammen. Ihr Verm\u00f6gen wird aber niedriger besteuert als das Arbeitseinkommen der allermeisten \u00d6sterreicher. W\u00e4hrend der Steuersatz auf Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen\u00a0zwischen 25 und\u00a027,5,\u00a0Prozent liegt, werden Arbeitseinkommen mit S\u00e4tzen zwischen 25 und 50 Prozent besteuert. Das tr\u00e4gt dazu bei, dass sich die Ungleichheit noch weiter versch\u00e4rfen wird, so der aktuelle Sozialbericht.<\/strong><\/p>\n<p>Der Sozialbericht des Sozialministeriums bildet ab, wo Ungleichheit in \u00d6sterreich festgeschrieben ist. Markante Faktoren, die Ungleichheit verst\u00e4rken, sind fehlende und zu niedrige Steuern \u2013 beispielsweise auf das hochkonzentrierte Kapitaleinkommen, von dem nur wenige Menschen profitieren und die noch dazu kaum Abgaben daf\u00fcr leisten.<\/p>\n<p>Drei Viertel der Haushalte in \u00d6sterreich haben ein Brutto-Jahreseinkommen, das weniger als 50.000 Euro betr\u00e4gt, 5 Prozent verdienen mehr als 100.000 Euro, das oberste Prozent verdient sogar mehr als 300.000 Euro pro Jahr. Woher stammt dieses Einkommen des obersten Prozents? H\u00e4ufig aus Kapitaleinkommen. Praktisch f\u00fcr das eine Prozent, dass f\u00fcr diese Einkommen de facto eine Flat Tax gilt.<\/p>\n<p>Denn: Einkommen aus Arbeit unterliegen einem progressiven Steuersatz, gestaffelt nach Gruppen. Kapitalertr\u00e4ge dagegen werden nur mit 27,5 Prozent besteuert \u2013 au\u00dfer bei Zinsen aus Sparb\u00fcchern und Girokonten, f\u00fcr die der Steuersatz 25 Prozent <a href=\"https:\/\/www.bmf.gv.at\/steuern\/Besteuerung-inl-sowie-im-Inland-bez-Kapitalertraege.html\" target=\"_blank\">betr\u00e4gt<\/a> \u2013 also gerade mal so viel wie die zweitniedrigste Einkommensgruppe.<\/p>\n<div id=\"attachment_1895\" class=\"wp-caption aligncenter\">\n<p><a href=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/2017-steuerstufen-oesterreich.jpg\" data-slb-active=\"1\" data-slb-asset=\"2130055713\" data-slb-internal=\"0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1895\" src=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/2017-steuerstufen-oesterreich-1024x677.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" srcset=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/2017-steuerstufen-oesterreich-1024x677.jpg 1024w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/2017-steuerstufen-oesterreich-300x198.jpg 300w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/2017-steuerstufen-oesterreich-768x508.jpg 768w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/2017-steuerstufen-oesterreich-600x397.jpg 600w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/2017-steuerstufen-oesterreich.jpg 1494w\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"661\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Quelle: <a href=\"https:\/\/klub.spoe.at\/steuerreform\/steuertabelle\" target=\"_blank\">klub.spoe.at<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"su-spacer\"><\/div>\n<p>Mathias Moser, \u00d6konom an der Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien mit Fokus auf die Beforschung von Ungleichheit, erkl\u00e4rt, dass sich die Einkommensungleichheit in unserer Gesellschaft verst\u00e4rkt, wenn man nicht nur Arbeitseinkommen, sondern auch Betriebs- und Kapitaleink\u00fcnfte ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDa die untere H\u00e4lfte der Haushalte kaum Verm\u00f6gen besitzt, k\u00f6nnen diese Personen auch keine Kapitaleinkommen erzielen. Die Konzentration von Kapitaleinkommen am oberen Rand ist enorm.\u201c (Falter 5\/17, S. 25)<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum das relevant ist, zeigt ein Blick auf die Lohnquote, also dem Anteil des Lohneinkommens am Volkseinkommen. Sinkt die Lohnquote, weil L\u00f6hne und Geh\u00e4lter niedriger werden, nimmt die Bedeutung von Einkommen aus Kapital zu. Wer von Zinsen aus Verm\u00f6gen (auch aus Erbschaften) leben kann, bleibt von sinkenden L\u00f6hnen unber\u00fchrt. Wollen wir mehr Einkommensgleichheit, braucht es eine gerechtere Besteuerung von Kapitaleinkommen, denen ja keine Arbeitsleistung im eigentlichen Sinn zugrunde liegt. In einer gerechten Gesellschaft tragen alle \u2013 gem\u00e4\u00df ihren finanziellen M\u00f6glichkeiten \u2013 zum Gemeinwohl bei. Wer also mehr M\u00f6glichkeiten hat, soll auch mehr beitragen.<\/p>\n<div class=\"su-spacer\"><\/div>\n<h2>\u00d6sterreich als Steuerparadies f\u00fcr Verm\u00f6gende und Erben?<\/h2>\n<p>Nicht nur Kapitaleinkommen vergr\u00f6\u00dfern gesellschaftliche Ungleichheit, wichtig ist auch gro\u00dfes Verm\u00f6gen, das auf nur wenige konzentriert ist und wie dieses\u00a0Verm\u00f6gen \u00fcbertragen wird. Steuern auf Verm\u00f6gen machten 2014 nur <a href=\"http:\/\/orf.at\/stories\/2377561\/\" target=\"_blank\">1,4 Prozent des gesamten Steueraufkommens in \u00d6sterreich aus<\/a>. Zum Vergleich: im EU-Schnitt betr\u00e4gt der Anteil 6 Prozent.<\/p>\n<p>Seit 2008 gibt es keine Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer mehr. Bei Erbschaften oder bei unentgeltlichen \u00dcbertragungen (Schenkungen) von Grundst\u00fccken ist lediglich die Grunderwerbsteuer zu entrichten. Die Wiedereinf\u00fchrung der Erbschaftssteuer f\u00fcr Verm\u00f6gen w\u00fcrde mehr Gerechtigkeit bedeuten \u2013 damit nicht nur jene in den Abgabentopf einzahlen, die f\u00fcr ihr Einkommen arbeiten\u00a0und nicht das Gl\u00fcck haben, Kinder aus wohlhabenden Familien zu sein. Dabei geht es nicht um Peanuts: Die \u00d6NB sch\u00e4tzt, dass die Summe vererbten Verm\u00f6gens innerhalb der n\u00e4chsten 20 Jahre von j\u00e4hrlich zw\u00f6lf Mrd. Euro (2015) auf \u00fcber 20 Mrd. Euro (2035) ansteigen wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/erben_macht_reich.png\" data-slb-active=\"1\" data-slb-asset=\"2070783856\" data-slb-internal=\"0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1216 aligncenter\" src=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/erben_macht_reich.png\" sizes=\"auto, (max-width: 502px) 100vw, 502px\" srcset=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/erben_macht_reich.png 502w, https:\/\/kontrast-blog.at\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/erben_macht_reich-300x221.png 300w\" alt=\"\" width=\"502\" height=\"369\" \/><\/a><\/p>\n<div class=\"su-spacer\"><\/div>\n<h2>Was ist der Sozialbericht \u00fcberhaupt?<\/h2>\n<p>Der Sozialbericht wird vom Sozialministerium erarbeitet und fasst einerseits die T\u00e4tigkeiten des Ministeriums zusammen, andererseits umfasst er Analysen zu Einkommensfragen, Demografie, Verteilung von Verm\u00f6gen oder auch den Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen in \u00d6sterreich. Es ist also eine umfassende Momentaufnahme der sozio\u00f6konomischen Situation der Bev\u00f6lkerung in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fkontrastblog.at%2Fposts%2F1289805251088292%3A0&amp;width=500\" width=\"500\" height=\"673\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" data-mce-fragment=\"1\"><\/iframe><\/center><\/p>\n<div class=\"su-spacer\"><\/div>\n<h3>Zum Weiterlesen:<\/h3>\n<ul>\n<li>Den Sozialbericht gibt es auf der Homepage des Sozialministeriums zum Nachlesen: <a href=\"https:\/\/www.sozialministerium.at\/site\/Service_Medien\/News_Veranstaltungen\/News\/Neuer_Sozialbericht_erschienen\" target=\"_blank\">sozialministerium.at<\/a><\/li>\n<li>Eine Analyse zum Sozialbericht gibt es auf Arbeit &amp; Wirtschaft: <a href=\"http:\/\/blog.arbeit-wirtschaft.at\/sozialbericht-2016\/\" target=\"_blank\">Sozialbericht 2016: \u201eReichtum, Armut und der Sozialstaat\u201c<\/a><\/li>\n<li>Kontrast-Blog: <a href=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/mit-diesen-5-vorschlaegen-koennte-die-weltweite-ungleichheit-beseitigt-werden\/\">Ungleiche Verteilung von Verm\u00f6gen \u2013 In 5 Schritten zu mehr globaler Gerechtigkeit<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p><em>Zuerst auf <a href=\"https:\/\/kontrast-blog.at\/warum-das-reichste-prozent-weniger-steuern-zahlt-als-du\/\" target=\"_blank\">Kontrast-Blog<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das reichste Prozent der \u00d6sterreicher besitzt so viel wie die untersten 80 Prozent zusammen. 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