{"id":2816,"date":"2017-03-08T11:09:27","date_gmt":"2017-03-08T10:09:27","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=2816"},"modified":"2017-03-08T11:09:27","modified_gmt":"2017-03-08T10:09:27","slug":"in-der-theorie-sind-die-genossinnen-schon-gleichberechtigt-die-anfaenge-des-internationalen-frauentages","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/03\/08\/in-der-theorie-sind-die-genossinnen-schon-gleichberechtigt-die-anfaenge-des-internationalen-frauentages\/","title":{"rendered":"\u201eIn der Theorie sind die Genossinnen schon gleichberechtigt\u2026\u201c: Die Anf\u00e4nge des Internationalen Frauentages"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Von Beginn an war die H\u00f6he der Entlohnung abh\u00e4ngig vom Geschlecht. In den Arbeitsverh\u00e4ltnissen wurde diese Ungleichbehandlung gewollt herbeigef\u00fchrt und zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt. Vor allem Textilfabriken besch\u00e4ftigten Mitte des 19. Jahrhunderts Frauen (und Kinder) in gro\u00dfer Zahl. Bereits 1875 war die H\u00e4lfte aller Textilarbeiter_innen im deutschsprachigen Raum weiblich.<\/p>\n<p>Die Erwerbsarbeit von Frauen entstand jedoch schon fr\u00fcher und hatte ihren Ursprung in der Landwirtschaft und im Heimgewerbe. Ausbeuterische Verh\u00e4ltnisse waren so bereits vor der industriellen Arbeit zur Realit\u00e4t geworden. Neu hingegen waren die klare Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz und die Herausl\u00f6sung der Arbeit aus dem Familienverband.<\/p>\n<p>In den Fabriken selbst wurde die Ausbeutung dann z\u00fcgig vorangetrieben, richteten sich die L\u00f6hne doch nach dem Marktwert einer Arbeitskraft:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSchon weil Frauen [&#8230;] im Gewerbe und besonders in der Industrie viel weniger Arbeitsplatzalternativen besa\u00dfen, [\u2026] war das Angebot weiblicher [&#8230;] Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr textil-industrielle Verwendung sehr gro\u00df. [\u2026] \u00dcberdies richteten die L\u00f6hne sich nach Herk\u00f6mmlichkeiten, und sie unterstellten soziale Bed\u00fcrfnisse. Sie reflektierten die traditionelle Ungleichheit zwischen M\u00e4nnern und Frauen, wie zwischen den Lebensaltern.\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die massiven Ungerechtigkeiten beschr\u00e4nkten sich jedoch nicht nur auf den deutschsprachigen Raum. Am 8. M\u00e4rz 1857 kam es etwa in New York zu Protesten von Arbeiterinnen. Dabei wurden die unmenschlichen Arbeitsbedingungen angeprangert und gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit gefordert.<\/p>\n<p>51 Jahre sp\u00e4ter ereignete sich ebenfalls in New York eine gro\u00dfe Trag\u00f6die: Dort traten am 8. M\u00e4rz 1908 Arbeiterinnen der Textilfabrik <em>\u201eCotton\u201c<\/em> in den Streik. Um Solidarisierungen zu verhindern, wurden sie in der Fabrik eingeschlossen. Kurze Zeit sp\u00e4ter brach ein Brand aus \u2013 129 Frauen verloren ihr Leben. Die Hintergr\u00fcnde und Ursachen konnten nie offiziell gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Doch nicht nur bei den Arbeitsbedingungen waren Frauen stark benachteiligt. Die politische Mitbestimmung war zur damaligen Zeit ein ausschlie\u00dflich m\u00e4nnliches Privileg.<br \/>\nZu dieser Zeit tobte in Europa und \u00d6sterreich bereits ein jahrelanger erbitterter Kampf um ein gerechteres Wahlsystem. Erste Erfolge zeichneten sich ab: So wurde etwa im J\u00e4nner 1907 das allgemeine und gleiche M\u00e4nnerwahlrecht in \u00d6sterreich eingef\u00fchrt. Dieser Meilenstein konnte nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass Frauen vom Wahlrecht weiterhin g\u00e4nzlich ausgeschlossen blieben.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;In der Theorie sind die Genossinnen schon gleichberechtigt, in der Praxis aber h\u00e4ngt der Philisterzopf den m\u00e4nnlichen Genossen noch ebenso im Nacken wie dem ersten besten Spie\u00dfb\u00fcrger.&#8221; Clara Zetkin, 1900.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Kampf um das Frauenwahlrecht war schlie\u00dflich auch die Initialz\u00fcndung f\u00fcr einen ersten nationalen Frauentag, den nordamerikanische Sozialistinnen im Jahr 1909 durchf\u00fchrten.<br \/>\nEin Jahr sp\u00e4ter wurden in Kopenhagen auf Initiative der deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und K\u00e4te Duncker endg\u00fcltig die Weichen f\u00fcr einen Internationalen Frauentag gelegt, <em>\u201eum die Bewegung f\u00fcr Frauenrechte zu ehren und Hilfe bei der Erlangung des universellen Frauenwahlrechts zu leisten\u201c<\/em> <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Der Beschluss fiel auf dem 2. Kongress der Sozialistischen Internationale, zun\u00e4chst jedoch ohne festes Datum.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIm Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller L\u00e4nder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation f\u00fcr das Frauenwahlrecht dient. [\u2026] Der Frauentag mu\u00df einen internationalen Charakter tragen und ist sorgf\u00e4ltig vorzubereiten.\u201c <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Im Jahr 1912 gab es auch erstmals in Salzburg massive Bem\u00fchungen, die (sozialdemokratischen) Frauen besser zu organisieren. Dazu wurden im M\u00e4rz eine Landesfrauenkonferenz und im Mai der Internationale Frauentag abgehalten.<\/p>\n<p><strong>Erst 1921 wurde mit dem 8. M\u00e4rz ein fixes Datum gefunden. Die Streiks der Jahre 1857 und 1908 sollten so in Erinnerung gebracht werden. Seither wurde viel erreicht, dennoch sieht echte Gleichstellung in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft anders aus. Der Internationale Frauentag wird so auch in Zukunft nichts von seiner Wichtigkeit einb\u00fc\u00dfen.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Titelfoto:<\/em> Plakat der Frauenbewegung zum Frauentag am 8. M\u00e4rz 1914. [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Frauentag_1914_Heraus_mit_dem_Frauenwahlrecht.jpg\" target=\"_blank\">Public Domain<\/a>]<\/p>\n<p><em>Quellen:<\/em><br \/>\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Kocka, J\u00fcrgen (1990). Arbeitsverh\u00e4ltnisse und Arbeiterexistenzen. Grundlagen der Klassenbildung im 19. Jahrhundert, Bonn, S. 465.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. &#8220;Rot bewegt \u2013 Geschichte der Sozialdemokratie&#8221; [<a href=\"https:\/\/rotbewegt.at\/epoche\/1889-1918\/artikel\/internationaler-frauentag-8-marz\" target=\"_blank\">Link \u00f6ffnen<\/a>]<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Wurms, Renate (1980). Wir wollen Freiheit, Frieden, Recht. Der Internationale Frauentag. Zur Geschichte des 8. M\u00e4rz, Verlag Marxistische Bl\u00e4tter, S. 6.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Beginn an war die H\u00f6he der Entlohnung abh\u00e4ngig vom Geschlecht. In den Arbeitsverh\u00e4ltnissen wurde diese Ungleichbehandlung gewollt herbeigef\u00fchrt und zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt. Vor allem Textilfabriken besch\u00e4ftigten Mitte des 19. 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