{"id":303,"date":"2016-04-29T16:19:32","date_gmt":"2016-04-29T14:19:32","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=303"},"modified":"2016-05-31T16:56:23","modified_gmt":"2016-05-31T14:56:23","slug":"der-erste-mai-und-seine-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/04\/29\/der-erste-mai-und-seine-geschichte\/","title":{"rendered":"&#8220;Man kann nicht ewig wie ein St\u00fcck Vieh leben!&#8221;: Der 1. Mai und seine Geschichte"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Bereits 1881 schlossen sich die amerikanischen Gewerkschaften zu einem Gewerkschaftsbund, zur &#8220;Federation of Organized Trades und Labor Unions of the United States and Canada&#8221;, zusammen. Der neue Bund begann bald mit einer starken Agitation f\u00fcr den achtst\u00fcndigen Arbeitstag.<\/p>\n<p>In den Jahren 1883 bis 1885 herrschte in den Vereinigten Staaten eine Wirtschaftskrise, die viele Arbeiter_innen arbeitslos machte. Der Kampf um die Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit wurde darum mit dem Argument gef\u00fchrt, dass dadurch mehr Arbeitspl\u00e4tze geschaffen w\u00fcrden. <em>&#8220;Solange noch ein einziger Arbeitsuchender keine Arbeit finden kann&#8221;<\/em>, erkl\u00e4rte Samuel Gompers, der Pr\u00e4sident des neuen Gewerkschaftsbundes, <em>&#8220;ist damit bewiesen, da\u00df die Arbeitszeit zu lang ist.&#8221;<\/em> Der amerikanische Gewerkschaftskongress von 1884 beschloss, am 1. Mai 1886 einen Generalstreik durchzuf\u00fchren und damit die Einf\u00fchrung des Achtstundentages zu erzwingen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-307\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/der-erste-mai_saalfelden.jpg\" alt=\"der-erste-mai_saalfelden\" width=\"960\" height=\"579\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/der-erste-mai_saalfelden.jpg 960w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/der-erste-mai_saalfelden-300x181.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/der-erste-mai_saalfelden-768x463.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/der-erste-mai_saalfelden-440x265.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/der-erste-mai_saalfelden-585x353.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><em>Ein Blick nach Salzburg: 1.-Mai-Feier in Saalfelden in den 1930er Jahren<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>In Chicago kam es daraufhin zu einer der gr\u00f6\u00dften Kundgebungen mit rund 90.000 Teilnehmer_innen, die mehrere Tage anhalten sollte. Die Polizei versuchte zwei Tage sp\u00e4ter, die Versammlung gewaltsam aufzul\u00f6sen. Dabei wurden sechs Arbeiter erschossen und zahlreiche weitere verletzt. Am 4. Mai eskalierte die Lage v\u00f6llig, als eine Bombe in die Menschenmenge geworfen wurde: Die Polizei er\u00f6ffnete das Feuer und t\u00f6tete bzw. verletzte eine unbekannte Anzahl von Protestierenden.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Man kann nicht ewig wie ein St\u00fcck Vieh leben!&#8221; *<\/strong><\/p>\n<p>Es folgten Verurteilungen und Todesurteile, die zu weltweiten Protesten f\u00fchrten. Auf dem Gr\u00fcndungskongress der Zweiten Internationale 1889 wurde zum Gedenken an die Opfer des Haymarket Riots der 1. Mai als &#8220;Kampftag der Arbeiterbewegung&#8221; ausgerufen. Im darauffolgenden Jahr wurde dieser Protesttag mit Massenstreiks und Demonstrationen weltweit begangenen \u2013 auch in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Victor Adler, dem es kurz zuvor gelungen war, auf dem Hainfelder Parteitag die zerstrittene Arbeiter_innenbewegung zu einigen, schrieb dazu am 18. April 1890 einen vielbeachteten Artikel in der &#8220;Arbeiter-Zeitung&#8221;. Darin besch\u00e4ftigte er sich mit den zahlreichen Drohungen, die im Vorfeld des Protesttages ausgerufen wurden:<\/p>\n<p><em>&#8220;Keine Macht kann uns verbieten, am 1. Mai nicht zu arbeiten. Nicht Polizei und nicht Milit\u00e4r kann uns zur Arbeit schleppen. Und wenn wir auf Versammlungen verzichten m\u00fcssten, ja, wenn man uns, was eigentlich ganz unm\u00f6glich ist, am Nachmittagsspaziergang hindern sollte, wenn man vor jedes Haustor Soldaten hinstellt und die Arbeiter zwingt, daheim zu bleiben, und die Gassen mit Kanonen absperrt, so ist die Tatsache, dass in ganz \u00d6sterreich die Maschinen stillstehen, auf den Willen des Arbeitsmannes hin stillstehen, eine so erhebende und imposante, dass wir, wenn&#8217;s nicht anders geht, damit zufrieden sein k\u00f6nnen. [\u2026] Unsere Losung bleibt aber nach wie vor: Wir lassen uns nicht einsch\u00fcchtern und nicht provozieren.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichischen Arbeiter_innen sind diesem Aufruf von Victor Adler gefolgt \u2013 sie lie\u00dfen am 1. Mai 1890 die Arbeit ruhen und feierten ihren selbst gew\u00e4hlten Feiertag. Die &#8220;Arbeiter-Zeitung&#8221; meinte dazu:<\/p>\n<p><em>&#8220;Die Arbeiter haben sich durch nichts, weder durch die Wutausbr\u00fcche der gesamten Bourgeoispresse aller L\u00e4nder noch durch die Verf\u00fcgungen der Beh\u00f6rden, weder durch Androhung von Entlassung noch durch ungeheure Milit\u00e4raufgebote abhalten lassen, den 1. Mai zu feiern. Sie feierten ihn \u00fcberall; eine solche internationale Feier hat die Welt noch nicht erlebt; die ganze zivilisierte Welt war ein gro\u00dfes Maifeld, auf dem Millionen und aber Millionen von Proletariern zusammenkamen, um ihre f\u00fcr die Weiterentwicklung der Gesellschaft notwendigen Forderungen gemeinsam aufzustellen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>* August Spies, Chefredakteur und Herausgeber der sozialistischen &#8220;Arbeiter-Zeitung&#8221;, wurde nach den Haymarket Riots im November 1887 hingerichtet.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits 1881 schlossen sich die amerikanischen Gewerkschaften zu einem Gewerkschaftsbund, zur &#8220;Federation of Organized Trades und Labor Unions of the United States and Canada&#8221;, zusammen. 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