{"id":3141,"date":"2017-04-22T17:08:51","date_gmt":"2017-04-22T15:08:51","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=3141"},"modified":"2017-04-22T17:20:56","modified_gmt":"2017-04-22T15:20:56","slug":"15-minuten-um-zu-ueberzeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/04\/22\/15-minuten-um-zu-ueberzeugen\/","title":{"rendered":"15 Minuten, um zu \u00fcberzeugen"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<hr \/>\n<p><em><a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/author\/andreas\/\">Andreas Eisl<\/a>\u00a0berichtet f\u00fcr Hallo Salzburg vom (Vor)-Wahlkampf um die Pr\u00e4sidentschaft in Frankreich. In der bisherigen Beitragsserie hat er bereits folgende Themen beleuchtet:<br \/>\n1.\u00a0<a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/02\/01\/frexit-neo-konservative-kehrtwende-oder-doch-ein-linker-triumph\/\" target=\"_blank\">Die Zersplitterung des linken Lagers<\/a><br \/>\n2.\u00a0<a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/03\/01\/der-franzoesische-wahlkampf-und-die-sechste-republik\/\" target=\"_blank\">Das Politische System Frankreichs<\/a><br \/>\n3.\u00a0<a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/03\/21\/warum-ist-der-franzoesische-praesident-so-wichtig\/\" target=\"_blank\">Die Macht des Pr\u00e4sidenten in der 5. Republik<\/a><\/em><br \/>\n<em>4.\u00a0<a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/03\/25\/die-franzoesischen-praesidenten-seit-de-gaulles\/\" target=\"_blank\">Die franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten seit De Gaulles<\/a><\/em><br \/>\n5.\u00a0<em><a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/03\/29\/fast-alle-franzoesischen-praesidenten-bauen-sich-ein-denkmal\/\" target=\"_blank\">Die franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten und ihre Denkm\u00e4ler<\/a><br \/>\n6.\u00a0<a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/04\/14\/franzoesische-praesidentschaftswahlen-wird-aus-dem-zweikampf-noch-ein-vierkampf\/\" target=\"_blank\">Wird aus dem Zweikampf noch ein Vierkampf?<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h4>Keine Fernsehdebatte \u2013 Aber 15 Minuten, um zu \u00fcberzeugen<\/h4>\n<p>Donnerstagabend h\u00e4tte\u00a0die letzte TV-Debatte vor der ersten Runde der franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidentschaftswahl stattfinden sollen. Nachdem sich jedoch mehrere Kandidat_innen weigerten, an der vom \u00f6ffentlichen Fernsehsender France 2 geplanten Diskussionveranstaltung teilzunehmen, entschied der Sender kurzerhand, das Format zu \u00e4ndern und stattdessen alle elf Kandidat_innen in einer Marathonveranstaltung jeweils\u00a0f\u00fcnfzehn Minuten zu interviewen.<\/p>\n<p>Z\u00e4hneknirschend mussten vor allem die Au\u00dfenseiter_innen f\u00fcr das Pr\u00e4sidentschaftsamt dies hinnehmen. Gaullist Nicolas Dupont-Aignan echauffierte sich nach Bekanntwerden der Abwandlung des Debattenformats \u00fcber die Verachtung der \u201egro\u00dfen Kandidat_innen\u201c gegen\u00fcber dem franz\u00f6sischen Volk und einer demokratischen Diskussion. Seine Kritik wurde w\u00e4hrend der Interviewreihe von anderen Kandidat_innen fortgesetzt.<\/p>\n<p>Die von France 2 gew\u00e4hlte Notl\u00f6sung erwies sich schlussendlich zwar als \u00e4u\u00dferst lange (beinahe vier Stunden ohne jegliche Pause), gab jedoch einen interessanteren Einblick in das Programm und die Sichtweisen der einzelnen Kandidat_innen, als es eine weitere TV-Debatte vielleicht getan h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Es wurde detailliert auf die zentralen Punkte der einzelnen Kampagnen eingegangen. Seitenhiebe auf andere Kandidat_innen gab es dabei nur selten und auch dann nur auf subtile Art und Weise.<\/p>\n<p>Das Los entschied \u00fcber die Reihenfolge der Gespr\u00e4che, die um 20 Uhr mit Jean-Luc M\u00e9lenchon begannen und gegen 23 Uhr mit Fran\u00e7ois Fillon ihren Abschluss fanden. Den besten Platz bekam der Sozialist Beno\u00eet Hamon zugelost, der um 21 Uhr seinen Auftritt hatte, was der franz\u00f6sischen Prime Time im Fernsehen entspricht.<\/p>\n<p>Die Gespr\u00e4che wurden von David Pujadas (France 2) und L\u00e9a Salam\u00e9 (Radiosender France Inter) moderiert. Alle Interviews enthielten ein Set aus festgelegten und offenen Elementen, die teilweise f\u00fcr \u00fcberraschende Einblicke sorgten, die in den stark durchchoreographierten TV-Debatten zumeist ausbleiben. Nat\u00fcrlich nutzten auch hier einige Kandidat_innen die M\u00f6glichkeit, die von ihnen prominent diskutierten Themen auf der emotionalen Ebene anzusprechen.<\/p>\n<h4>Dekoration f\u00fcr das Pr\u00e4sidentschaftsb\u00fcro \u2013 Die Gespr\u00e4che im \u00dcberblick.<\/h4>\n<p>Alle Pr\u00e4sidentschaftskandidat_innen waren aufgerufen, einen Gegenstand in die Sendung mitzunehmen, den sie in den Elysee-Palast mitnehmen w\u00fcrden, falls sie die Wahl f\u00fcr sich entscheiden sollten.<\/p>\n<p>Die Mitbringsel reichten von einer Uhr (M\u00e9lenchon: Es ist Zeit f\u00fcr einen Wandel in Frankreich), einem Foto des \u201eblack pride\u201c Protests bei den Olympischen Spielen 1968 (Artaud: Der Kampf f\u00fcr eine bessere Welt h\u00f6rt nie auf), einem Schl\u00fcssel (Le Pen: Ein Symbol daf\u00fcr, den Franzosen den Schl\u00fcssel zum \u201eHaus Frankreich\u201c zur\u00fcckzugeben, einem Olivenzweig (Asselineau: Als Friedenssymbol), die franz\u00f6sische Version der e-Card (Hamon: Als Symbol f\u00fcr den gef\u00e4hrdeten franz\u00f6sischen Sozialstaat, eine Skulptur (Dupont-Aignan: Ein Geschenk, das mir zeigt, dass es sich lohnt, f\u00fcr eine bessere Welt zu k\u00e4mpfen), eine Flagge von Franz\u00f6sisch-Guyana (Poutou: Ein Symbol f\u00fcr den Kampf der Arbeiter_innen f\u00fcr bessere Bedingungen), ein \u201egrammaire\u201c (Macron: Mit diesem Buch habe ich die franz\u00f6sische Sprache und Kultur erlernt), Faustkeilen (Cheminade: Als Zeichen f\u00fcr den Beginn der menschlichen Kultur), \u00fcber zwei parlamentarische Berichte (Lassalle: Die sollte man gelesen haben), bis hin zu Nichts (Fillon: Ich bin kein Fetischist).<\/p>\n<p>Nach den Eingangsstatements der Kandidat_innen stellten die beiden Moderator_innen Fragen zu zentralen Wahlversprechen. Sie versuchten dabei, m\u00f6gliche Ungereimtheiten oder Schwachstellen in den Wahlprogrammen aufzudecken. Danach gab es eine sogenannte \u201ecarte blanche\u201c f\u00fcr die Kandidat_innen, sie durften also f\u00fcr ein paar Minuten \u00fcber ein selbstgew\u00e4hltes Thema sprechen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend gab es weitere Fragen zur Wirtschafts-, Innen-, Sicherheits- und Au\u00dfenpolitik (je nach bereits behandelten Themen). Kurz vor Ende wurde den Kandidat_innen ein Foto aus deren Jugend pr\u00e4sentiert, die von einer pers\u00f6nlichen Frage begleitet wurde. Zumeist ging es dabei um den pers\u00f6nlichen Werdegang der Pr\u00e4sidentschaftsanw\u00e4rter_innen. Die Antworten fielen in diesem Gespr\u00e4chsblock deutlich weniger geskriptet aus, als in den anderen Bl\u00f6cken und konnte von den Meisten f\u00fcr Sympathiepunkte genutzt werden.<\/p>\n<p>Die letzte Frage: \u201eGibt es etwas, was Sie an ihrer Wahlkampagne bereuen?\u201c wirkte hingegen im Kontext der Gespr\u00e4che etwas deplatziert und wurde von den meisten Kandidat_innen nur dazu genutzt, die Zufriedenheit \u00fcber ihren Wahlkampf auszudr\u00fccken.<\/p>\n<h4>Frankreich und der Terror \u2013 ein Anschlag \u00fcberschattet das Fernsehprogramm<\/h4>\n<p>Gegen 21 Uhr, w\u00e4hrend sich die Interviewreihe in vollem Gange befand, attackierte ein \u201efiche S\u201c (der franz\u00f6sische Begriff f\u00fcr amtsbekannte potentielle Terroristen) Polizist_innen auf dem bekannten Boulevard Champs-Elysee. Ein Polizist wird get\u00f6tet, zwei weitere und \u00a0ein Tourist werden verletzt. Ein Angreifer wird get\u00f6tet, ein m\u00f6glicher weiterer wird weiter gesucht.<\/p>\n<p>Die Informationen \u00fcber die Ereignisse sickerten in das Fernsehstudio durch und wurden dann zu einem bestimmenden Thema des Abends. Alle der Kandidat_innen sprachen ihr Beileid aus und riefen Frankreich zur Einigkeit auf. Die Eingangsstatements wurden zu staatsm\u00e4nnischen Reden der Pr\u00e4sidentschaftsanw\u00e4rter_innen. Speziell der Konservative Fillon nutzte den Vorfall dazu, fast seine gesamte Redezeit auf die Sicherheitsthematik zu fokussieren.<\/p>\n<p>Nach Abschluss der Einzelgespr\u00e4che durften sich alle elf Kandidat_innen noch einmal nacheinander f\u00fcr jeweils zwei\u00a0Minuten 30 Sekunden dem franz\u00f6sischen Wahlvolk pr\u00e4sentieren. Die wichtigen Abschlussworte, die von den Wahlkampfteams akribisch geplant und einge\u00fcbt werden, wurden von den meisten der Pr\u00e4sidentschaftsanw\u00e4rter_innen \u00fcber Bord geworfen und durch gro\u00dfteils improvisierte Worte ersetzt. So t\u00fcftelte Marine Le Pen, die als Letzte an die Reihe kommen sollte (es gab einen erneuten Losentscheid \u00fcber die Reihenfolge), w\u00e4hrend den Diskursen der anderen noch sichtlich an ihren Notizen. Dramaturgisch passte der Anschlag perfekt zur Wahlkampagne der Rechtspopulistin, die ihre Linie geschlossener Grenzen ein weiteres Mal best\u00e4tigt sah.<\/p>\n<h4>Fazit des Abends \u2013 Fazit des Pr\u00e4sidentschaftswahlkampfs<\/h4>\n<p>Die Gespr\u00e4chsreihe blieb inhaltlich ohne gro\u00dfe \u00dcberraschungen. Dies war auch einer der Gr\u00fcnde gewesen, warum speziell die aussichtsreicheren Pr\u00e4sidentschaftsanw\u00e4rter_innen wenig Lust hatten, sich einer direkten Debatte zu stellen. Der Anschlag in Paris sorgte jedoch f\u00fcr einen Wendepunkt des Abends, der gro\u00dfe Teile der Gespr\u00e4che dominierte. Linksau\u00dfen-Politiker M\u00e9lenchon, der w\u00e4hrend des Wahlkampfs und den beiden TV-Debatten durch markige Spr\u00fcche und eine klare Linie rasch wachsenden Zuspruch finden konnte, zeigte sich auch im Interviewformat \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p>Hamon, der Kandidat der Sozialist_innen, konnte im direkten Gespr\u00e4ch seine Positionen besser zur Geltung bringen als in den Debatten. Dort blieb er zumeist blass und im Hintergrund. Letzten Umfragen zu Folge wird es jedoch wahrscheinlich trotzdem ein Debakel im einstelligen Bereich werden.<\/p>\n<p>Le Pen und Macron lieferten \u00fcblich souver\u00e4ne Vorstellungen ab, die jedoch nicht besonders hervorragten (beide wollten nicht mehr \u00fcberm\u00e4\u00dfig anecken). Fillon schlie\u00dflich sprach kaum \u00fcber sein Wirtschaftsprogramm, sondern setzte alles auf die Sicherheitskarte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Abst\u00e4nde zwischen Macron, Le Pen, M\u00e9lenchon und Fillon w\u00e4hrend der letzten Wochen deutlich geschrumpft sind und es f\u00fcr jede_n m\u00f6glich erscheint, in die Stichwahl einzuziehen, gehe ich in meiner pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzung dennoch davon aus, dass in zwei Wochen der liberale Macron und die protektionistische Le Pen einander gegen\u00fcberstehen werden.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Foto: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/French_presidential_election,_2017#\/media\/File:Affiches_presidentielles_2017.jpg\" target=\"_blank\">VPE<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas Eisl\u00a0berichtet f\u00fcr Hallo Salzburg vom (Vor)-Wahlkampf um die Pr\u00e4sidentschaft in Frankreich. 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