{"id":3370,"date":"2017-05-24T11:49:12","date_gmt":"2017-05-24T09:49:12","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=3370"},"modified":"2022-03-01T15:37:39","modified_gmt":"2022-03-01T14:37:39","slug":"die-landflucht-ist-weiblich-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/05\/24\/die-landflucht-ist-weiblich-geworden\/","title":{"rendered":"&#8220;Die Landflucht ist weiblich geworden&#8221;"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Zuerst gehen Post, Bahn, Volksschulen und Gerichte. Ohne eigenes Auto ist die Fahrt nach Salzburg eine kleine Weltreise. Dann findet der Hausarzt keine Nachfolgerin mehr, der Notarzt ben\u00f6tigt 40 Minuten. Regionale Spit\u00e4ler geraten unter Druck und m\u00fcssen ihre Leistungen einschr\u00e4nken. Ein Kreislauf, der nur schwer zu stoppen ist.<\/p>\n<p>Seit Jahren ist die Ausd\u00fcnnung auf dem Land Realit\u00e4t. Doch wie ungerecht ist die Verteilung von Infrastruktur und Ressourcen eigentlich in unserem Bundesland? Sind gleiche Chancen f\u00fcr alle Salzburger_innen m\u00f6glich? &nbsp;Im Rahmen der vom Renner-Institut Salzburg organisierten Veranstaltung \u201eAusged\u00fcnntes Land. Gleiche Chancen f\u00fcr alle?\u201c versuchte eine hochkar\u00e4tige Diskussionsrunde, bestehend aus Franz Fischler (EU-Kommissar a. D.), Walter Steidl (SP\u00d6-Landesparteivorsitzender), Gabi Burgstaller (Landeshauptfrau a. D.) und Christian Dirninger (Wirtschaftshistoriker der Universit\u00e4t Salzburg) Antworten auf die aufgeworfenen Fragen zu geben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-3377\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler3-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler3-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler3-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler3-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler3-1-1170x780.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler3-1-585x390.jpg 585w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler3-1-440x293.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler3-1.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<blockquote><p>Die Landflucht ist weiblich geworden<br \/>\n(Gabi Burgstaller, Landeshauptfrau a. D.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Motive der Landflucht, bei der immer mehr Menschen den Wohnraum in l\u00e4ndlichen Gegenden verlassen, sind dabei keineswegs neu, wie Franz Fischler zu Beginn der Veranstaltung im vollen Saal im Gwandhaus Salzburg erkl\u00e4rte<em>: <\/em>&#8220;So sch\u00f6n das Landleben auch sein mag. Gerade junge Menschen mit hoher Qualifikation haben einen gro\u00dfen Anreiz, wegzuziehen. Es fehlt an entsprechenden Arbeitspl\u00e4tzen, weshalb wir dringend in den Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich investieren m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p>Zustimmung f\u00fcr diesen Ansatz kam von Gabi Burgstaller, die vor allem die Bedeutung der Frauen f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum hervorhob: &#8220;Fr\u00fcher haben die M\u00e4nner ihre Heimat verlassen, um als Pendler in der Stadt zu arbeiten. Heute verlassen vor allem die Frauen den l\u00e4ndlichen Raum. Die Landflucht ist also weiblich geworden.\u201c Eine Tendenz, die auch Walter Steidl Sorgen bereitet: \u201eF\u00fcr den Zusammenhalt der l\u00e4ndlichen Gesellschaft ist diese Entwicklung nat\u00fcrlich ein Albtraum. Gerade junge Familien sind f\u00fcr das Sozialleben einer jeden Gemeinde \u00fcberlebenswichtig. Denn ohne sie, geht die n\u00e4chste Generation verloren.&#8221;<\/p>\n<h5>Thema Gesundheit als Dauerbrenner<\/h5>\n<p>Emotional diskutiert wurde auch das Thema der Gesundheitsversorgung im l\u00e4ndlichen Raum. So sollen in \u00d6sterreich bis zum Jahr 2026 rund 60 Prozent der Haus\u00e4rzt_innen in Pension gehen. Betrachtet man die j\u00fcngsten Entwicklungen rund um das <a href=\"http:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/03\/22\/700-menschen-kamen-um-das-krankenhaus-mittersill-zu-retten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Krankenhaus Mittersill<\/a>, kann man jedoch bereits jetzt erahnen, welche folgenschwere Auswirkungen die Abwanderung qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte auf die regionale Gesundheitsversorgung haben wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-3378\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler4-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler4-300x200.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler4-768x512.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler4-1170x780.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler4-585x390.jpg 585w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler4-440x293.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler4.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<blockquote><p>Die Menschen im l\u00e4ndlichen Raum bezahlen den gleichen Steuereuro<br \/>\n(Walter Steidl, Salzburger SP\u00d6-Chef)<\/p><\/blockquote>\n<p>Einig waren sich alle Diskutannt_innen bei der Forderung nach einer grunds\u00e4tzlichen Reform der Gesundheitsversorgung im l\u00e4ndlichen Raum. So wurden sowohl die Einf\u00fchrung eines \u201eCommunity-Nurse\u201c-Modells nach skandinavischem Vorbild, als auch die Etablierung von Zubringerdiensten, die die Patienten direkt zu den jeweiligen Fach\u00e4rzten bringen, diskutiert. Die Gew\u00e4hrleistung einer fl\u00e4chendeckende Gesundheitsversorgung im Land Salzburg ist f\u00fcr Walter Steidl von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung: \u201eDie Menschen im l\u00e4ndlichen Raum bezahlen den gleichen Steuereuro, wie diejenigen, die in der Stadt Salzburg leben. Es kann nicht sein, dass die Leistungen, die sie im medizinischen Bereich&nbsp; daf\u00fcr erhalten, einem Vergleich mit dem Zentralraum nicht standhalten. Das hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-3376\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler2-300x200.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler2-768x512.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler2-1170x780.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler2-585x390.jpg 585w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler2-440x293.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Fischler2.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<blockquote><p><em>&nbsp;Politisches Klein-Klein bringt keinen weiter<br \/>\n(Franz Fischler, ehemaliger&nbsp; EU-Kommissar f\u00fcr Landwirtschaft)<br \/>\n<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Professor Dirninger sah dabei vor allem die gegenw\u00e4rtigen politischen Verantwortlichen in der Pflicht: \u201eDer Blick in die Geschichte zeigt \u2013 nur wenn Zivilgesellschaft, die regionale Kreditwirtschaft und vor allem die Kommunalpolitik Hand in Hand arbeiten, ist es m\u00f6glich den gegenw\u00e4rtigen Trend der Landflucht Einhalt zu gebieten.\u201c Dementsprechend forderte der Wirtschaftshistoriker der Universit\u00e4t Salzburg, eine deutliche Besserstellung der Gemeinden im Finanzausgleich sowie eine Modernisierung des Vereinsrechts. Laut Dirninger w\u00e4ren diese Ma\u00dfnahmen ein erster Schritt in die richtige Richtung, um die Chancen der l\u00e4ndlichen Gemeinden wieder zu verbessern.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sah dies auch Franz Fischler, der zum Abschluss der Veranstaltung eindringlich davor warnte, sich mit einfachen Scheinl\u00f6sungen zufrieden zu geben. \u201eWir brauchen nun endlich spezifische L\u00f6sungen f\u00fcr die jeweiligen l\u00e4ndlichen Regionen. Politisches Klein-Klein auf Kosten der Familien bringt keinen weiter.\u201c &#8211;&nbsp; Eine Aussage, die bei allen Anwesenden f\u00fcr breite Zustimmung sorgte.<\/p>\n<hr>\n<p><em>Fotos: <a href=\"http:\/\/www.neumayr.cc\/\">Neumayr<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst gehen Post, Bahn, Volksschulen und Gerichte. Ohne eigenes Auto ist die Fahrt nach Salzburg eine kleine Weltreise. 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