{"id":423,"date":"2016-06-15T14:50:40","date_gmt":"2016-06-15T12:50:40","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=423"},"modified":"2016-06-15T15:44:51","modified_gmt":"2016-06-15T13:44:51","slug":"der-mensch-im-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/06\/15\/der-mensch-im-recht\/","title":{"rendered":"Auch Arschl\u00f6cher haben Anspruch auf Asyl."},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<h2>Der Mensch im Recht.<\/h2>\n<h6>Ein Kommentar.<\/h6>\n<p>Die Aufarbeitung unserer Geschichte passiert zwar nicht so gr\u00fcndlich, wie es in Anbetracht j\u00fcngster Wahlergebnisse notwendig w\u00e4re, aber sie passiert mittlerweile. Seinem Bildungsauftrag folgend strahlt der ORF in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Dokumentationen, Sendungen und Spielfilme zum zweiten Weltkrieg, der Vor- und Nachkriegszeit aus.\u00a0 Da sehen wir das Leid der \u201eUnsrigen\u201c in moving pictures. Die hungernden Kinder, sterbende Soldaten, aber auch Menschen am Heldenplatz, die jubeln. Dem V\u00f6lkermord entgegenjubeln.<\/p>\n<p>Wir, die Generation, die deutlich nach dem Ende des zweiten Weltkriegs geboren und von der Bildung erreicht wurde, greifen uns an den Kopf, k\u00f6nnen nicht begreifen; sind froh, dass wir diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte dank unseres Geburtsdatums entkommen sind&#8230; denken vielleicht an unsere Gro\u00dfeltern, die selbst fliehen oder k\u00e4mpfen mussten und zu einem betr\u00e4chtlichen Teil das auch wollten.<\/p>\n<h4>Dann aber schalten wir den Fernseher aus. Cut. Z\u00e4sur. Back in real life.<\/h4>\n<p>Im echten Leben n\u00e4mlich, darf man sich von Kinderaugen nicht erpressen lassen, wird einem gesagt. Im echten Leben gibt man einem Au\u00dfenminister und seiner Regierung Recht, die den Befehl zur Missachtung des V\u00f6lkerrechts geben. Im echten Leben ist die FP\u00d6 gar nicht so schlimm. Denn im echten Leben z\u00e4hlen oft Meinungsumfragen. Populismus, nicht Demokratie. Im echten Leben wehren sich diejenigen, die Fl\u00fcchtlingsheime in Brand stecken, nur gegen die &#8220;undemokratische&#8221; Politik der b\u00f6sen Bundesregierung. Merkel handelt ja gar nicht mehr nach dem Willen des Volkes! AfD und FP\u00d6 aber, wenigstens die trauen sich! Nicht so wie die anderen Parteien, die Menschenrechte tats\u00e4chlich vor ein paar Monaten noch ernst nahmen.<\/p>\n<p>Rechtspopulist_innen, Pegida und wie sie alle hei\u00dfen, behaupten so einiges: \u201eDie, die da kommen, geh\u00f6ren nicht zu uns!\u201c, sagen sie, und dass ihre Religion eine Gefahr f\u00fcr den Westen sei. Auch aus linken Kreisen wird kritisiert und teilweise sicher zu Recht, dass das Frauenbild einiger Fl\u00fcchtlinge, befremdlich und mitunter absto\u00dfend ist.<br \/>\nSchalten wir f\u00fcr einen Moment den Fernseher wieder ein. Die gr\u00f6\u00dften Gr\u00e4uel des Nationalsozialismus wurden damit \u201elegitimiert\u201c, dass die, die es da trifft, die Roma, die Sinti, die Kommunist_innen, die Juden und J\u00fcdinnen, die Priester und die Behinderten, und nicht zuletzt die &#8216;Asozialen&#8217; halt anders seien, nicht dazupassen. Sicher, in \u00d6sterreich werden keine Menschen vertrieben oder verfolgt. Menschen aber aufgrund ihrer Religion, ihrer Meinung oder nur, weil andere L\u00e4nder noch weniger helfen, die Hilfe zu versagen,\u00a0 ist nur der erste Schritt hin zu einer Gesellschaft, die sich gegen sich selbst richtet.<\/p>\n<h4>Wenn es ein Menschenrecht auf Flucht gibt, dann muss es reichen, dass jemand Mensch ist.<\/h4>\n<p>Er oder sie kann ein Arschloch sein und wird dennoch ein Recht darauf haben, einen Antrag auf Asyl zu stellen. Besteht ein Fluchtgrund, wird Asyl zu gew\u00e4hren sein.<\/p>\n<blockquote><p>Das Extrembeispiel ist nicht das Kind mit den gro\u00dfen braunen Augen, sondern der m\u00f6glicherweise sexistische gewaltbereite, weil traumatisierte Mann, der ebenfalls ein Mensch ist und als solcher sein Menschenrecht genie\u00dft. Ob M\u00e4nner, Frauen oder Kinder, sie sind MENSCHEN.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie haben eine Vergangenheit, sie haben Familie, sie haben M\u00fctter und V\u00e4ter, vielleicht Geschwister oder selbst Kinder. Sie haben Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse. Nehmen wir die Labels \u2013 Herkunft (Syrer_innen, Afghan_innen, Deutsche, Iraker_innen, \u00d6sterreicher_innen), Religion \u2013 weg,\u00a0 bleibt der MENSCH. Diese Tatsache allein gibt jeder fl\u00fcchtenden Person das Recht, einen Asylantrag stellen zu d\u00fcrfen. Sie hat das Recht, einen Antrag zu stellen, unabh\u00e4ngig davon, ob sie siebenunddrei\u00dfigtausendste oder siebenunddrei\u00dfigtausenderste ist. Ebenso hat der Staat, in dem der Antrag gestellt wurde, das Recht, diesen zu pr\u00fcfen und negativ zu beurteilen. \u00a0Freilich nur dann, wenn kein Fluchtgrund besteht.<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit zur Sprache unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen. Ebenso seine F\u00e4higkeit zur Empathie und Menschlichkeit. Sprache erm\u00f6glicht uns, mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Sprache l\u00e4sst sich aber auch missbrauchen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir unsere Empathie und Menschlichkeit ausblenden, ausschalten, negieren, unterdr\u00fccken, nicht zulassen. Wie schon Hannah Arendt festhielt, hilft uns dabei unsere Sprache. Gewalt in den Worten f\u00fchrt zu gewaltvollen Taten. Die Gewalt beginnt aber bereits dann, wenn wir versuchen, Begriffe von dem, was sie beschreiben, loszul\u00f6sen. Die Beamtensprache der Nazis erleichterte den Holocaust. Die technische Sprache nahm den J\u00fcdinnen und Juden, politischen Gegner_innen, Homosexuellen und Angeh\u00f6rigen der Roma und Sinti &#8211; \u00a0allen Opfern der Nazis &#8211; ihre Menschlichkeit. Diejenigen, die Teil dieser grausamen Maschinerie waren, mussten sich mit den Menschen, die sie zu Tausenden ermordeten, nicht besch\u00e4ftigen. F\u00fcr sie waren es keine Menschen. Es waren St\u00fcckzahlen. \u00a0Zerst\u00fcckelt waren ebenfalls die Verantwortungsketten. Von Refugees in St\u00fcckzahlen zu sprechen, erleichtert es uns heute, von der Internierung auf Inseln zu phantasieren. Von baulichen Ma\u00dfnahmen mit Seitenteilen zu sprechen erlaubt es uns, nicht von Z\u00e4unen sprechen zu m\u00fcssen. Das alles\u00a0 f\u00fchrt dazu, dass die Politik keine befriedigende Antwort geben kann, wenn wir fragen, was mit der 37 501. Person passiert. Wird gar auf sie geschossen, wenn sie nach \u00d6sterreich will?<\/p>\n<p><em>Auch\u00a0 Bundeskanzler Christian Kern sprach heute im Nationalrat \u00fcber die Gewalt der Worte und ihre Folgen.<\/em><\/p>\n<div class=\"fb-video\" data-href=\"https:\/\/www.facebook.com\/bundeskanzler.christian.kern\/videos\/617669771721669\/\" data-width=\"500\" data-show-text=\"false\">\n<blockquote class=\"fb-xfbml-parse-ignore\" cite=\"https:\/\/www.facebook.com\/bundeskanzler.christian.kern\/videos\/617669771721669\/\"><p>Auch\u00a0 Bundeskanzler Christian Kern sprach heute im Nationalrat \u00fcber die Gewalt der Worte und ihre Folgen.<\/p>\n<p>Posted by <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/bundeskanzler.christian.kern\/\">Christian Kern<\/a> on Wednesday, June 15, 2016<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manche behaupten, Politik sollte von Gef\u00fchlen befreit werden. Tut mir den Gefallen: Lasst uns nicht nur unsere Gehirne, sondern auch unsere Herzen benutzen. Nehmen wir Angst ernst, wo wir dieser begegnen und fl\u00fcchten wir nicht in die Herzlosigkeit, die Sprache der B\u00fcrokratie und die Ma\u00dfnahmen, die das Menschrecht negieren.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mensch im Recht. Ein Kommentar. Die Aufarbeitung unserer Geschichte passiert zwar nicht so gr\u00fcndlich, wie es in Anbetracht j\u00fcngster Wahlergebnisse notwendig w\u00e4re, aber sie passiert mittlerweile. 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