{"id":4256,"date":"2017-09-23T14:15:06","date_gmt":"2017-09-23T12:15:06","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=4256"},"modified":"2017-09-23T14:15:06","modified_gmt":"2017-09-23T12:15:06","slug":"veranstaltungsrueckschau-zukunft-bedeutet-digitalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2017\/09\/23\/veranstaltungsrueckschau-zukunft-bedeutet-digitalisierung\/","title":{"rendered":"Veranstaltungsr\u00fcckschau: Zukunft bedeutet Digitalisierung"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>&#8220;Digitalisierung, Arbeit 4.0, digitaler Wandel&#8221; &#8211; kaum ein Tag vergeht ohne diese Begriffe in der \u00f6ffentlichen Debatte. Diese Woche fand daher eine gemeinsame Veranstaltung der FSG &#8211; und SP\u00d6 Frauen Salzburg zum Thema statt. Dabei wurde mit dem Experten Dr. Johannes Warter \u00fcber einen (scheinbar) v\u00f6llig neuen Gesch\u00e4ftszweig diskutiert und gemeinsam L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge in den Raum gestellt.<\/p>\n<h4>Digitalisierung bedeutet Chancen*<\/h4>\n<p>Digitalisierung ist nicht nur eine Chance, sie stellt uns in Zukunft vor eine gro\u00dfe Herausforderung. Fragen, die in diesem Kontext immer wieder auftauchen, sind:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Wie k\u00f6nnen wir Besch\u00e4ftigung, gute und faire Arbeit sicherstellen? Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass die arbeitenden Menschen profitieren und nicht nur die Wirtschaft? Und wie k\u00f6nnen wir vorantreiben, dass durch den technischen Fortschritt neue Arbeitspl\u00e4tze entstehen?&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>In Zeiten der Industrialisierung waren vor allem die technischen Zweige wie die Autoindustrie betroffen, speziell in Form von Automatisierung. Heute scheint sich diese Automatisierung zwar zu wiederholen, sie betrifft aber st\u00e4rker den Dienstleistungsbereich &#8211; in der Pflege, im Handel, in den B\u00fcros. Denn wir alle nutzen auch gerne die M\u00f6glichkeiten: Onlinehandel, Onlinebanking, Onlineverwaltung.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4263\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/WhatsApp-Image-2017-09-21-at-14.30.19.jpeg\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<h4>Digital, \u00a0prek\u00e4r, weiblich?<\/h4>\n<p>Betrachtet man die eben genannten Branchen, wird deutlich, wen die Digitalisierung im Arbeitsleben am st\u00e4rksten beeinflusst: Frauen. Wie sich die Berufsbilder von Frauen in Zukunft ver\u00e4ndern, ist nicht ganz klar. Fest steht jedoch, was bereits deutlich sp\u00fcrbar ist: Die Kommunikation ist schneller, dichter, \u00fcberall und zu jeder Zeit m\u00f6glich. Wir sind \u00fcber die ganze Welt vernetzt, wodurch Unmengen an Daten entstehen.<\/p>\n<p>In Pflege und Medizin ist diese Entwicklung deutlich sp\u00fcrbar: Im Vergleich zu fr\u00fcher sind mehr und anders strukturierte Medizindaten verf\u00fcgbar, so ist auch die medizinische \u00dcberwachung ein Thema, das so vorher nicht relevant war: &#8220;Intelligente&#8221;, digitale Pflaster oder die Dokumentation der eigenen Gesundheitsdaten via App sind nur einige Beispiele. Des Weiteren hat sich die Arbeitsorganisation grundlegend ver\u00e4ndert und stellt die Branche vor ethische und datenschutzrechtliche Herausforderungen. Die\u00a0Digitalisierung \u00a0f\u00fchrt in diesem Bereich auch verst\u00e4rkt zur &#8220;Kontrolle&#8221; der Arbeit, wodurch hoher Arbeitsdruck und Belastung entstehen &#8211; besonders bei der Arbeit mit Menschen.<\/p>\n<p>Aber auch der Handel ist stark vom Wandel betroffen: Dabei ist nicht nur der immer st\u00e4rker werdende Online-Handel ein zentraler Treiber, sondern auch die Automatisierung der Kassensysteme, Zentralisierte Warenlager oder die Lagerautomatisierung. Sowohl in der Pflege, als auch im Handel sind Frauen besonders stark betroffen. Zus\u00e4tzlich sind M\u00e4dchen und junge Frauen seltener in technischen Schulzweigen und Berufszweigen verankert.<\/p>\n<h4>Crowdworking &#8211; die neue Form der Heimarbeit?<\/h4>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den genannten Branchen hat sich eine scheinbar ganz neue Form der Arbeit gebildet: das sogenannte Crowdworking. Dr. Johannes Warter hat <a href=\"http:\/\/blog.arbeit-wirtschaft.at\/crowdwork-eineder-heimarbeit\/\">dar\u00fcber seine Dissertation<\/a> verfasst und vergangenen Mittwochabend in der Arbeiterkammer einen Input dazu gegeben.<\/p>\n<blockquote><p>Dabei werden\u00a0Arbeitsleistungen in den virtuellen Raum ausgelagert, die traditionellerweise von im Betrieb angestellten MitarbeiterInnen erledigt werden. Dadurch ist eine neuartige Form von Arbeitsorganisation entstanden, bei der es gleichg\u00fcltig ist, wo sich die arbeitende Person befindet, solange sie nur online ist. Abgewickelt werden diese Prozesse \u00fcber verschiedenen Internetplattformen, wie z. B.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.clickworker.com\/\"><em>clickworker<\/em><\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mturk.com\/mturk\/welcome\"><em>amazon mechanical turk<\/em><\/a>\u00a0oder\u00a0<a href=\"http:\/\/99designs.at\/\"><em>99designs<\/em><\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Plattform handelt dabei lediglich als Vermittlerin zwischen Unternehmen bzw. Auftraggeber_in und Auftragnehmer_in. So bietet die Online-Plattform <a href=\"https:\/\/www.bookatiger.com\/at-de\">book a tiger<\/a>\u00a0die M\u00f6glichkeit, eine Reinigungskraft online zu buchen. Diese Plattformen sind in der Regel alle gleich aufgebaut: Jene Personen, die &#8220;gebucht&#8221; werden m\u00f6chten, m\u00fcssen sich nur online registrieren, ein Konto anlegen und werden dann gebucht bzw. m\u00fcssen sich durch verschiedene, verf\u00fcgbare Arbeitsauftr\u00e4ge klicken, die sie dann ausw\u00e4hlen k\u00f6nnen. Dies kann zum Beispiel die Aufgabe beinhalten, ein Bild von einer Zutatenliste einer Tomatenso\u00dfe zu betrachten und eben jene Zutaten in ein Textfeld abzutippen. Daf\u00fcr erhalten die Crowdworker_innen dann einen geringen Fixbetrag von 0,06- 0,20\u20ac pro Bild. Dabei erh\u00e4lt die Plattform, die diesen Austausch von (Arbeits-)leistung zustande bringt, 20-30% Provision.<\/p>\n<p>Die Crowdworker_innen bauen sich neben einem Guthaben auch eine digitale Reputation auf, die durch ein Bewertungssystem zustande kommt: Sie werden nach Verrichtung ihrer Arbeitst\u00e4tigkeit vom Auftraggebenden bewertet. Durch diese Bewertung erfolgt eine Bindung an die Online-Plattform: die Reputation ist nicht \u00fcbertragbar. Hat man sich erst einmal eine gute Bewertung aufgebaut, wird diese logischerweise nur ungern wieder aufgegeben. Besonders stark betroffen seien in Zukunft die Berufsfelder im Handel und \u00dcbersetzungsarbeiten.<\/p>\n<p>Speziell f\u00fcr jene Personengruppen, die im regul\u00e4ren Arbeitsleben au\u00dfen vor bleiben, ist diese Arbeitsform attraktiv: Menschen mit Beeintr\u00e4chtigung oder ehemalige H\u00e4ftlinge. Aber auch f\u00fcr Frauen scheint Crowdworking vielversprechend zu sein &#8211; damit l\u00e4sst sich unkompliziert von Zuhause aus Geld verdienen, w\u00e4hrend Kinderbetreuung und Haushalt erledigt werden m\u00fcssen. Die Parallelen zur fr\u00fcheren Form der Heimarbeit sind deutlich: die dezentrale Arbeitsweise, niedrige L\u00f6hne und enorme Flexibilit\u00e4t sind nur einige der Schnittpunkte.<\/p>\n<p>Die Probleme und rechtlichen Fragen unterscheiden sich nicht allzu sehr von jenen von vor ein paar Jahrzehnten:<\/p>\n<ul>\n<li>Welche rechtliche Grundlage eignet sich besser zur Einstufung der Crowdwoker_innen? Das Heimarbeitsgesetz oder das Arbeitnehmer\u00fcberlassungsgesetz?<\/li>\n<li>Sind Crowdworker_innen wirklich als Selbstst\u00e4ndige einzustufen? Oder doch als Arbeitnehmer_innen?<\/li>\n<li>Wer hat hier die Beweislast der Art des Arbeitsverh\u00e4ltnisses?<\/li>\n<li>Unter welchen Bedingungen kommt \u00a0ein Arbeits- bzw. Dienstverh\u00e4ltnis zustande?<\/li>\n<li>Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?<\/li>\n<\/ul>\n<h4>\u00d6sterreichische Standards in Europa sichern<\/h4>\n<p>Nach dieser Gespr\u00e4chsrunde ist also deutlich: Es ist noch viel zu tun. Christian Kern <a href=\"https:\/\/spoe.at\/story\/anpacken-und-anfangen-der-plan-fuer-oesterreich\">betont in seinem<\/a> Wahlprogramm den hohen Stellenwert der Digitalisierung und hat daf\u00fcr mehrere konkrete Vorschl\u00e4ge:<\/p>\n<ul>\n<li>Digitalisierungskompetenzen ab dem Kindergartenalter<\/li>\n<li>Schaffung und F\u00f6rderung von f\u00fcnf regionalen Start-up-Clustern<\/li>\n<li>Mehr Mittel f\u00fcr Forschung und Innovation<\/li>\n<li>Exzellenzinitiative f\u00fcr Spitzenuniversit\u00e4ten<\/li>\n<li>Digitalisierung der Netze in allen Bereichen (z.B. Energie und Verkehr)<\/li>\n<li>Systemreform zur effizienteren Forschungsf\u00f6rderung<\/li>\n<li>Digitale Ausstattung unserer Schulen und unserer Sch\u00fclerInnen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zus\u00e4tzlich ist zur Sicherung des \u00f6sterreichischen Standards im Arbeitsrecht eine gesamteurop\u00e4ische L\u00f6sung notwendig. Die Digitalisierung muss dabei als das betrachtet werden, was sie ist: ein unvermeidlicher Fortschritt, der bew\u00e4ltigt werden muss. Dieser Fortschritt darf nicht nur negativ betrachtet werden und ist nicht unbedingt eine Gefahr f\u00fcr Arbeitnehmerinnen. Er wird nur dann zur Gefahr, wenn Politik f\u00fcr die wenigen Gro\u00dfunternehmen gemacht wird und nicht f\u00fcr die vielen Personen, die uns das t\u00e4gliche Leben erleichtern &#8211; egal, ob in der Pflege, im Handel oder in B\u00fcros.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>*: Die Grundlage dieses Abschnitts wurde freundlicherweise von Mag.<sup>a<\/sup>\u00a0Dagmar Andree, MBA zur Verf\u00fcgung gestellt. Sie ist Referentin f\u00fcr die Grundlagenarbeit zu Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmer\/-innen in \u00d6sterreich in der Arbeiterkammer O\u00d6.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Digitalisierung, Arbeit 4.0, digitaler Wandel&#8221; &#8211; kaum ein Tag vergeht ohne diese Begriffe in der \u00f6ffentlichen Debatte. 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