{"id":584,"date":"2016-06-17T11:50:50","date_gmt":"2016-06-17T09:50:50","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=584"},"modified":"2016-06-20T10:08:37","modified_gmt":"2016-06-20T08:08:37","slug":"andreas-huss-gesundheitsverhalten-immer-nur-vom-einzelnen-einzufordern-ist-mir-zu-wenig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/06\/17\/andreas-huss-gesundheitsverhalten-immer-nur-vom-einzelnen-einzufordern-ist-mir-zu-wenig\/","title":{"rendered":"Andreas Huss: &#8220;Gesundheitsverhalten immer nur vom Einzelnen einzufordern, ist mir zu wenig.&#8221;"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p><em>In diesem Interview spricht Andreas Huss MBA , der Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse \u00fcber Ern\u00e4hrung, Gesundheit und Pr\u00e4vention. F\u00fcr ihn h\u00e4ngt die Gesundheit unserer Gesellschaft in der Zukunft von vielen Faktoren ab, die unser gesamtes Lebensumfeld betreffen. Darunter fallen etwa auch Bereiche wie Verkehr oder Wohnbau. Die Idee, beim Schulessen anzusetzen, h\u00e4lt er f\u00fcr einen ersten wichtigen Schritt.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Ein Projekt der Universit\u00e4t Salzburg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversit\u00e4t (\u201eSALTO\u201c) hat ergeben, dass bereits jedes f\u00fcnfte Kindergartenkind in Salzburg \u00fcbergewichtig ist. Warum werden Salzburgs Kinder immer dicker? Sind Sie von den Zahlen \u00fcberrascht?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Das sind die bekannten Zahlen aus dem \u00f6sterreichischen Ern\u00e4hrungsbericht, insofern sind sie nicht \u00fcberraschend. Auch die Ursachen \u00fcberraschen nicht: Bewegungsmangel und ein \u00dcberangebot an S\u00fc\u00dfem und Knabbereien.<br \/>\nWir alle bewegen uns heute zu wenig. Fortbewegung hei\u00dft Autofahren. Und das \u00fcbertragen wir nat\u00fcrlich auf die Kinder. Gleichzeitig ist Essen immer und \u00fcberall verf\u00fcgbar \u2013 und nat\u00fcrlich nicht unbedingt die gesunden Dinge.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn wir gegensteuern wollen, m\u00fcssen wir auch unseren Lebensstil hinterfragen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir m\u00fcssen Bewegung verst\u00e4rkt in den Alltag auch von Kindern integrieren \u2013 zu Fu\u00df oder mit der Rad in die Schule fahren. Wir m\u00fcssen aber auch das Lebensumfeld von Kindern ges\u00fcnder gestalten. Da geh\u00f6rt die t\u00e4gliche Bewegungseinheit in der Schule genauso dazu wie eine gesunde gemeinsame Jause am Vormittag und ein hochwertiges Essensangebot zu Mittag.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\"> Wie versucht die SGKK \u00dcbergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern vorzubeugen? Wie wichtig ist Ern\u00e4hrung \u00fcberhaupt f\u00fcr die Gesundheit?<\/span><\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Ern\u00e4hrung ist ein Baustein f\u00fcr Gesundheit. Gerade bei Kindern werden Gewohnheiten f\u00fcr das sp\u00e4tere Leben gepr\u00e4gt. Zu Mittag die schnelle Pizzaschnitte oder die Pommes, die man im Gehen oder im Bus in sich hineinstopft \u2013 das sind die Grundlagen f\u00fcr \u00dcbergewicht und Fehlern\u00e4hrung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die SGKK hat deshalb seit fast 20 Jahren eine eigene Ern\u00e4hrungsberatung. Ein Schwerpunkt liegt auf Kindern. Neue Studien zeigen, dass durch falsche Ern\u00e4hrung in der Schwangerschaft bereits die Grundlage f\u00fcr das sp\u00e4tere \u00dcbergewicht des Kindes gelegt werden kann. Wir haben deshalb das Projekt <em>Baby-isst-mit<\/em> gestartet, bei dem\u00a0 Schwangere und junge Eltern ein kostenloser Workshop angeboten wird, in dem es um gutes und gesundes Essen f\u00fcr Kinder geht. Rund 5.000 M\u00fctter \u2013 und auch ein paar V\u00e4ter \u2013 haben in den letzten Jahren diesen Workshop bereits besucht. Das ist f\u00fcr mich ein Zeichen, dass den jungen Eltern die Wichtigkeit von Ern\u00e4hrung sehr wohl bewusst ist!<\/p>\n<p>Weitere Schwerpunkte setzen wir dort, wo die Kinder einen guten Teil des Tages verbringen: in Kinderg\u00e4rten und Schulen. Mit <em>Tiger Kids<\/em> haben wir ein Angebot, bei dem Kinderg\u00e4rten ein Projekt bekommen, das spielerisch Kindern \u2013 und ihren Eltern \u2013 gesundes Essen n\u00e4herbringt. 40 Kinderg\u00e4rten in Salzburg setzen das bereits um.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Die Salzburger SP\u00d6 fordert, dass an m\u00f6glichst allen Schulen frisch gekocht wird. Ist diese Forderung aus Ihrer Sicht sinnvoll?<\/span><\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Auf alle F\u00e4lle! Frisch gekochtes Essen pr\u00e4gt die Gewohnheiten der Kinder und das ist sehr wichtig! Ich w\u00fcrde die Forderung aber ausweiten: Auch die Vormittagsjause kann eine gemeinsame sein, die von der Schule zur Verf\u00fcgung gestellt wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da geht es mir nicht darum, dass die Kinder nur mehr M\u00fcsli und Vollkornbrot bekommen sollen. Aber Jausen, die aus Chips, Milchschnitten und Extrawurstsemmerln bestehen, sind auf Dauer nicht gesund. Und mir w\u00e4re auch wichtig, die Softdrinks wie Cola, Eistee und Energy Drinks aus den Schulen zu verbannen. Es geht nicht um generelle Verbote \u2013 in der Freizeit kann jeder konsumieren, was er will. Aber diese Getr\u00e4nke wirken sich negativ auf die Konzentration und das Lernverm\u00f6gen der Kinder aus. Und da kann man aus meiner Sicht schon sagen, dass das in der Schule nichts zu suchen hat.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Laut einer Studie der \u00c4rztekammer und der WU Wien von 2010 werden die zus\u00e4tzlichen Kosten aufgrund einer Verschlechterung des Gesundheitszustand von Jugendlichen \u00f6sterreichweit bis 2030 auf 1,6 Milliarden Euro ansteigen. Bis 2050 sogar auf 3,7 Milliarden Euro. Wie sollte die Politik darauf reagieren?<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Gesundheitspolitik selbst kann hier nur wenig machen. Wir sind in anderen Politikbereichen gefordert. Im Bildungssystem muss etwas getan werden. Gesundes Essen muss an Schulen und in Kinderg\u00e4rten selbstverst\u00e4ndlich sein. Bewegung ist aber genauso wichtig. Die t\u00e4gliche Sportstunde ist eine gute Forderung. Sie wird kurzfristig nicht umzusetzen sein. Ich pl\u00e4diere deshalb f\u00fcr die t\u00e4gliche Bewegungseinheit. Hinausgehen, Fangen spielen, Stiegenhausl\u00e4ufe machen, Kraft- und Beweglichkeits\u00fcbungen \u2013 das alles l\u00e4sst sich auch ohne zus\u00e4tzliche Turns\u00e4le umsetzen. Nat\u00fcrlich brauchen LehrerInnen und Schulen daf\u00fcr Unterst\u00fctzung. Und die m\u00fcssen wir gemeinsam einfordern.<\/p>\n<p>Wir sehen aber in allen Untersuchungen auch, dass \u00dcbergewicht und damit verbundene Gesundheitsprobleme nicht pauschal ansteigen. Sie sind auch milieubedingt. Kinder mit Migrationshintergrund oder aus den sogenannten bildungsfernen Schichten sind h\u00e4ufiger \u00fcbergewichtig. Wir m\u00fcssen Programme entwickeln, um diese Kinder zu erreichen. Da sehe ich auch uns als SGKK stark gefordert.<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">Offensichtlich leben die \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreicher immer unges\u00fcnder. Kann man mit gesundheitlichen Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen diese Entwicklung aufhalten? \u00a0Lassen sich \u00fcberhaupt Anreize f\u00fcr eine ges\u00fcndere Lebensweise setzen. Wenn ja, wie?<\/span><\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Dass die \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreicher immer unges\u00fcnder leben, sehe ich so nicht. So steigt z.B. die Anzahl der Raucher und Raucherinnen schon lange nicht mehr an.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber es stimmt nat\u00fcrlich, dass die meisten von uns vom Idealzustand weit weg sind. Die w\u00f6chentliche Bewegungsempfehlung w\u00fcrde 3 Stunden Ausdauertraining und 2mal 30 Minuten Krafttraining pro Woche vorsehen. Die Ern\u00e4hrungsempfehlungen sagen, dass wir t\u00e4glich 5 Gem\u00fcseportionen, daf\u00fcr aber nur 2mal die Woche Fleisch essen sollten. Psychologen meinen, wir sollten mehr Entspannungs\u00fcbungen machen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-591\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/laufen-888016-1024x252.jpg\" alt=\"laufen\" width=\"1024\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/laufen-888016-1024x252.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/laufen-888016-300x74.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/laufen-888016-768x189.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/laufen-888016-1170x288.jpg 1170w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/laufen-888016-440x108.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/laufen-888016-585x144.jpg 585w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/laufen-888016.jpg 1962w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Hat die durchschnittliche Person f\u00fcr all das \u00fcberhaupt Zeit?<br \/>\n<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Das alles schaffen die wenigsten von uns. Ich glaube, dass all diese Empfehlungen auch Druck auf den Einzelnen erzeugen, permanent noch perfekter sein zu m\u00fcssen. Wir \u00fcbertragen hier den Druck aus der Arbeitswelt auf unsere private Lebensweise. Mir ist es aber wichtiger, dass die Lebensbedingungen der Menschen gesund gestaltet werden und sie Anreize und M\u00f6glichkeiten haben, sich gesund zu verhalten.<\/p>\n<blockquote><p>Bleiben wir konkret bei den Kindern: Ich kann Appelle an Eltern setzen, dass die gesund kochen sollen. Wenn die Kinder zu Mittag in der Schule sind und dort gibt es Aufgew\u00e4rmtes aus der Mikrowelle und als Alternative Burger mit Pommes \u2013 dann helfen diese Apelle nichts. Sie erzeugen nur Druck. Wir m\u00fcssen die Kinderg\u00e4rten, die Schulen \u2013 und nat\u00fcrlich auch die Betriebe \u2013 in Richtung Gesundheit ver\u00e4ndern.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das geht f\u00fcr mich aber \u00fcber den Schulbereich hinaus. Wenn ich z.B. m\u00f6chte, dass die Kinder wieder mit dem Rad oder zu Fu\u00df zur Schule kommen, werden wir f\u00fcr sichere Verkehrsbedingungen sorgen m\u00fcssen.<\/p>\n<blockquote><p>Gesundheitsverhalten immer nur vom Einzelnen einzufordern, ist mir zu wenig.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir m\u00fcssen unser gesamtes\u00a0 Lebensumfeld gesund gestalten \u2013 und das betrifft auch Bereiche wie Wohnbau oder Verkehr, die auf den ersten Blick mit Gesundheit nichts zu tun haben.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Essen Sie manchmal bei McDonalds?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Nein, weil es mir nicht schmeckt. Aber ein Leberk\u00e4ssemmerl g\u00f6nne ich mir schon ab und zu.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview!<\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Interview spricht Andreas Huss MBA , der Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse \u00fcber Ern\u00e4hrung, Gesundheit und Pr\u00e4vention. 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