{"id":613,"date":"2016-06-17T13:23:27","date_gmt":"2016-06-17T11:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=613"},"modified":"2016-07-25T08:21:55","modified_gmt":"2016-07-25T06:21:55","slug":"wie-vor-25-jahren-das-rassistische-system-der-apartheid-in-suedafrika-endete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2016\/06\/17\/wie-vor-25-jahren-das-rassistische-system-der-apartheid-in-suedafrika-endete\/","title":{"rendered":"S\u00fcdafrika: Wie vor 25 Jahren das rassistische System der Apartheid endete"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<p>Der 17. Juni 1991 markiert eine Z\u00e4sur: Das Parlament in Kapstadt erkl\u00e4rte an diesem Tag vor 25 Jahren den <em>\u201e<\/em><em>Population Registration Act\u201d<\/em> f\u00fcr ung\u00fcltig. Das letzte noch geltende Gesetz der sogenannten Rassentrennung in S\u00fcdafrika war damit Geschichte.<\/p>\n<p>Zuvor wurde die schwarze Bev\u00f6lkerung jahrzehntelang unterdr\u00fcckt, diskriminiert und ausgebeutet. 1948, nach dem Wahlsieg der <em>\u201eNational Party\u201c<\/em>, wurde die Apartheid rechtlich verankert. Der <em>\u201ePopulation Registration Act\u201c<\/em> von 1950 bildete daf\u00fcr die Grundlage, rund 1.000 weitere Gesetze wurden erlassen. Die Geschichte der Rassentrennung begann aber schon wesentlich fr\u00fcher.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Neger lebt gedankenlos in den Tag hinein \u2026\u201c<strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>Encyklop\u00e4die [sic] der Naturwissenschaften 1880-1900<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit <em>\u201eBibel und Flinte\u201c<\/em> schritt zum Ende des 19. Jahrhunderts die Aufteilung Afrikas rasch voran. Die Expansionspl\u00e4ne der Europ\u00e4er_innen muteten zu dieser Zeit wie ein diplomatisches Spiel an, bewaffnete Auseinandersetzungen waren schon alleine wegen der technologischen \u00dcberlegenheit eher die Ausnahme.<\/p>\n<p>In S\u00fcdafrika erzielten Engl\u00e4nder_innen und Bur_innen durch zwei Konventionen in den Jahren 1881 und 1884 eine Art Ausgleich zwischen den britischen Besitzungen und den unabh\u00e4ngigen Bur_innen-Staaten. Doch die Bestrebungen des <em>\u201eBritish Empire\u201c<\/em>, ein zusammenh\u00e4ngendes Kolonialreich <em>\u201evom Kap bis Kairo\u201c<\/em> zu errichten, f\u00fchrten zwischen 1899 und 1902 zu kriegerischen Auseinandersetzungen.<\/p>\n<p>Acht Jahre nach diesem <em>\u201eZweiten Burenkrieg\u201c<\/em> vers\u00f6hnten sich die einstigen Gegner_innen weitgehend. In der neu entstandenen <em>\u201eS\u00fcdafrikanischen Union\u201c<\/em> blieb die schwarze Bev\u00f6lkerung auf der Strecke, da die Aufrechterhaltung der wei\u00dfen Vorherrschaft vorrangiges Ziel war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-622 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/zweiter-burenkrieg.jpg\" alt=\"zweiter-burenkrieg\" width=\"573\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/zweiter-burenkrieg.jpg 573w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/zweiter-burenkrieg-229x300.jpg 229w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/zweiter-burenkrieg-440x576.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 573px) 100vw, 573px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>K\u00e4mpfer im Zweiten Burenkrieg, 1899 bis 1902. [<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Afrikaner_Commandos2.JPG\" target=\"_blank\">Public Domain<\/a>]<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Der <em>\u201eNatives\u2019s Land Act\u201c<\/em> von 1913 schrieb gleich zu Beginn eine territoriale Segregation fest, lediglich ein kleiner Teil des s\u00fcdafrikanischen Bodens durfte demnach noch von der schwarzen Bev\u00f6lkerung in Anspruch genommen werden. Das Gesetz brachte eine Vielzahl an Wanderarbeiter_innen hervor, die sich unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen ausbeuten lassen mussten.<\/p>\n<p>In den 1930er und 40er Jahren versch\u00e4rfte sich der Rassenkonflikt zusehends, nicht zuf\u00e4llig hegten zahlreiche Bur_innen Sympathien f\u00fcr Mussolini und Hitler. Als 1948 die rechtsgerichtete Bur_innen-Partei <em>\u201eNational Party\u201c<\/em> die Parlamentswahlen gewann, wurde die Rassentrennung endg\u00fcltig zur traurigen Realit\u00e4t.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;S\u00fcdafrika ist wieder unser, gebe Gott, dass es immer unser bleibe.&#8221;<strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>Daniel Malan, Premierminister von 1948 bis 1954<\/p><\/blockquote>\n<p>Schnell wurden weitere Gesetze erlassen: Der <em>\u201eGroup Areas Act\u201c<\/em> von 1950 hatte rund 3,5 Millionen Zwangsumsiedlungen zur Folge, indem ethnischen Gruppen eigene Wohngebiete zugewiesen wurden. Es folgten der Verlust des Wohn- und Arbeitsplatzes sowie der Bewegungsfreiheit.<\/p>\n<p>Der <em>\u201ePopulation Registration Act\u201c<\/em>, ein Gesetz \u00fcber die Einwohner_innen-Registrierung, erm\u00f6glichte den Machthaber_innen eine Klassifizierung der Bev\u00f6lkerung nach Rassenmerkmalen. Vorgesehen waren zun\u00e4chst drei \u2013 sp\u00e4ter vier \u2013 Personengruppen, im Originaltext <em>\u201e\u2026 white person, a coloured person or a native, \u2026\u201c<\/em>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-620 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/apartheid-sign.jpg\" alt=\"apartheid-sign\" width=\"665\" height=\"609\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/apartheid-sign.jpg 665w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/apartheid-sign-300x275.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/apartheid-sign-440x403.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/apartheid-sign-585x536.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 665px) 100vw, 665px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>&#8220;Diese \u00f6ffentlichen Grundst\u00fccke und die hierauf befindlichen Einrichtungen<br \/>\nsind zum ausschlie\u00dflichen Gebrauch durch Wei\u00dfe bestimmt.&#8221; [<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:ApartheidSignEnglishAfrikaans.jpg\" target=\"_blank\">Public Domain<\/a>]<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Zu dieser Zeit k\u00e4mpfte der <em>\u201eAfrican National Congress\u201c<\/em>, kurz ANC, bereits seit geraumer Zeit mit friedlichen Mitteln gegen Diskriminierung und Unterdr\u00fcckung. 1912 als <em>\u201e<\/em><em>South African Native National Congress\u201c<\/em> (SANNC) gegr\u00fcndet, wuchs die Organisation im Laufe der Jahre zu einer bedeutenden Befreiungsorganisation heran.<\/p>\n<p>Die <em>\u201eFreiheitscharta\u201c<\/em>, im Jahr 1955 beschlossen, wurde dabei zum wichtigsten programmatischen Dokument des ANC. Darin hie\u00df es: <em>&#8220;S\u00fcdafrika geh\u00f6rt allen, die darin leben, Schwarzen und Wei\u00dfen.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Das Regime reagierte jedoch mit Revanchismus und \u00fcberzog schwarze B\u00fcrgerrechtler_innen mit Prozessen. 1960 wurde der <em>\u201eAfrican National Congress\u201c<\/em> verboten. Die ANC-Untergrundorganisation <em>\u201eUmkhonto we Sizwe\u201c<\/em> (Speer der Nation) setzte mit Nelson Mandela an ihrer Spitze den ehemals friedlichen Kampf mit Gewalt fort. Anschl\u00e4ge wurden in erster Linie gegen Geb\u00e4ude ver\u00fcbt, die Gewalt gegen Menschen blieb stets umstritten. Mandela wurde 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt, 27 Jahre davon musste er auf der Gef\u00e4ngnisinsel <em>\u201eRobben Island\u201c<\/em> verbringen.<\/p>\n<p>Am 16. Juni 1976 eskalierte die Gewalt v\u00f6llig: Sch\u00fcler_innen rebellierten in Soweto gegen das Regime, 23 davon starben am selben Tag. Es folgten wochenlange Unruhen, die insgesamt 600 Todesopfer forderten. Der Soweto-Aufstand war dennoch ein Wendepunkt. Nachdem man das wei\u00dfe Regime bereits 1974 aus der Weltgemeinschaft ausschloss, wurden die internationalen Sanktionen nach dem Massaker weiter versch\u00e4rft.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-617 aligncenter\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/frederik-de-klerk_nelson-mandela.jpg\" alt=\"frederik-de-klerk_nelson-mandela\" width=\"800\" height=\"625\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/frederik-de-klerk_nelson-mandela.jpg 800w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/frederik-de-klerk_nelson-mandela-300x234.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/frederik-de-klerk_nelson-mandela-768x600.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/frederik-de-klerk_nelson-mandela-440x344.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/frederik-de-klerk_nelson-mandela-585x457.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>J\u00e4nner 1992: Frederik de Klerk und Nelson Mandela beim &#8220;World Economic Forum&#8221; in Davos. [<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Frederik_de_Klerk_with_Nelson_Mandela_-_World_Economic_Forum_Annual_Meeting_Davos_1992.jpg\" target=\"_blank\">This work is free.<\/a>]<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Es sollte aber noch weitere 20 Jahre dauern, bis der ANC schlie\u00dflich bei den ersten freien Wahlen im April 1994 die absolute Mehrheit erringen konnte und Nelson Mandela als erster schwarzer Pr\u00e4sident S\u00fcdafrikas angelobt wurde.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Niemals wieder soll in diesem wunderbaren Land der Geist der Unterdr\u00fcckung herrschen, in dem sich einer \u00fcber den anderen erhebt.&#8221;<strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong>Nelson Mandela, am 10. Mai 1994<\/p><\/blockquote>\n<p>Das heutige S\u00fcdafrika hat seither alles, was f\u00fcr eine Demokratie notwendig ist: Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit, eine moderne Verfassung sowie unabh\u00e4ngige Gerichte; Mandelas Vers\u00f6hnungspolitik wurde dar\u00fcber hinaus zum internationalen Vorbild.<\/p>\n<p>Doch die Hoffnung, die Wohlstandsunterschiede durch Umverteilung beseitigen zu k\u00f6nnen, blieb bis heute eine Illusion. Die wei\u00dfe Minderheit lebt zur\u00fcckgezogen auf ihren Wohlstandsinseln. Der Alltag in den schwarzen Armenvierteln ist noch immer gepr\u00e4gt durch Arbeitslosigkeit, Krankheit und Gewalt. Besonders schmerzlich dabei: Der ANC stand in den vergangenen Jahren zusehends in der Kritik, eine durch und durch korrupte Regierungspartei geworden zu sein.<\/p>\n<p>Als Nelson Mandela im Jahr 2013 starb, titelte der Spiegel daher sinngem\u00e4\u00df: <em>\u201eAm Ende des Regenbogens.\u201c<\/em> Es bleibt aber zu hoffen, dass das Land jene moralische Autorit\u00e4t wieder zur\u00fcckgewinnen kann, die es vor rund zweieinhalb Jahrzehnten erhielt.<\/p>\n<p><em>Titelfoto:<\/em> Hector-Pieterson-Museum<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 17. Juni 1991 markiert eine Z\u00e4sur: Das Parlament in Kapstadt erkl\u00e4rte an diesem Tag vor 25 Jahren den \u201ePopulation Registration Act\u201d f\u00fcr ung\u00fcltig. 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