{"id":6572,"date":"2020-09-14T17:54:20","date_gmt":"2020-09-14T15:54:20","guid":{"rendered":"http:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=6572"},"modified":"2020-09-14T17:54:21","modified_gmt":"2020-09-14T15:54:21","slug":"die-ungleichen-staaten-von-amerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2020\/09\/14\/die-ungleichen-staaten-von-amerika\/","title":{"rendered":"Die ungleichen Staaten von Amerika"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n\n<p><strong>Die n\u00e4chste US-Pr\u00e4sidentschaftswahl findet am 3. November 2020 statt. Dazu werden wir die Vereinigten Staaten aus unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Blickwinkeln betrachten. Den Anfang macht ein Beitrag zum Stadt-Land-Gef\u00e4lle: Eine gr\u00f6\u00dfer werdende Ungleichheit wurde seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 zur ungewollten Triebfeder einer ganzen Nation.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die USA gelten als das Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten. Doch f\u00fcr immer mehr Menschen ist der damit im Zusammenhang stehende \u201eAmerican Dream\u201c ausgetr\u00e4umt. Eine gr\u00f6\u00dfer werdende Ungleichheit \u2013 sei es beim Verm\u00f6gen oder bei Aufstiegschancen \u2013 wurde seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 zur ungewollten \u201eTriebfeder\u201c einer ganzen Nation. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass dieser Riss auch durch Stadt und Land geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was mit einer Immobilienblase und dem Fall der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers begann, weitete sich ab dem Sp\u00e4tsommer 2007 zu einer globalen Finanzkrise aus. Mehrere Staaten sahen sich gezwungen, Finanzdienstleister und Banken finanziell abzusichern. In den USA hatte dies \u2013 wie vielerorts \u2013 einen massiven Anstieg der Staatsverschuldung zur Folge.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"664\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/brunswick-county-1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"6576\" data-full-url=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/brunswick-county-1.jpg\" data-link=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/?attachment_id=6576\" class=\"wp-image-6576\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/brunswick-county-1.jpg 1024w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/brunswick-county-1-300x195.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/brunswick-county-1-768x498.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/brunswick-county-1-440x285.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/brunswick-county-1-585x379.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><em>Bildquelle:<\/em> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/usdagov\/49033027321\/\" target=\"_blank\">U.S. Department of Agriculture<\/a> (Public Domain)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung traf auch die Kommunen hart, vor allem jene, die ohnehin schon mit wirtschaftlichen und strukturellen Problemen zu k\u00e4mpfen hatten. Hinzu kam, dass w\u00e4hrend der Finanzkrise vermehrt auf das Wachstumspotenzial von Ballungsr\u00e4umen und Metropolen gesetzt wurde, weshalb die finanzielle Kluft zwischen Stadt und Land weiter anstieg.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">L\u00e4ndliche Regionen im Kampf gegen die Landflucht<\/h4>\n\n\n\n<p>Besonders deutlich wird dies in den l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Counties (regionale Verwaltungseinheiten, Bezirken bzw. Landkreisen \u00e4hnlich). Dort k\u00e4mpfen Kommunen seit Jahren um die R\u00fcckgewinnung verloren gegangener Jobs, vor allem f\u00fcr die Mittelschicht. Dies macht auch David Swenson von der Iowa State Universit\u00e4t gro\u00dfe Sorgen. Der Wirtschaftswissenschaftler wies im vergangenen Jahr darauf hin, dass die mittelst\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung am Land schrumpft, besonders in der Alterskohorte der 25- bis 54-J\u00e4hrigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Swenson blickt Amerika zwar generell auf eine lange Phase der Urbanisierung zur\u00fcck, doch die negativen Folgen der Finanzkrise sind f\u00fcr l\u00e4ndliche Regionen beispiellos. Bev\u00f6lkerungswachstum und neue Jobs entstanden zwischen 2008 und 2017 demnach fast nur in den Metropolregionen, also in jenen Counties, die gro\u00dfe Zentralorte mit mindestens 50.000 EinwohnerInnen beheimaten oder die sich in unmittelbarer geografischer N\u00e4he dazu befinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/tabelle_die-ungleichen-staaten-von-amerika.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6573\" width=\"580\" height=\"141\" srcset=\"https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/tabelle_die-ungleichen-staaten-von-amerika.jpg 900w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/tabelle_die-ungleichen-staaten-von-amerika-300x73.jpg 300w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/tabelle_die-ungleichen-staaten-von-amerika-768x187.jpg 768w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/tabelle_die-ungleichen-staaten-von-amerika-440x107.jpg 440w, https:\/\/hallo-salzburg.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/tabelle_die-ungleichen-staaten-von-amerika-585x142.jpg 585w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption><em>Metropolitan: Regionen mit Gro\u00dfst\u00e4dten (50.000 EinwohnerInnen und mehr), Micropolitan: Regionen mit mittelgro\u00dfen St\u00e4dten (10.000 bis 50.000 EinwohnerInnen), Rural: L\u00e4ndliche Regionen ohne gr\u00f6\u00dfere Zentralorte; Angaben in Prozent<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz dazu m\u00fcssen beinahe 35 Prozent der l\u00e4ndlichen Bezirke einen langwierigen und signifikanten Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang hinnehmen, wie eine Studie der New Hampshire Universit\u00e4t aus dem Jahr 2019 belegt. Dort leben zusammengenommen 6,2 Millionen Menschen \u2013 ein Drittel weniger als noch vor 70 Jahren. Auch hier gilt die Landflucht bzw. die Land-Stadt-Migration als gr\u00f6\u00dfter Problemfaktor. <\/p>\n\n\n\n<p>Die ExpertInnen sind sich einig, dass diese Regionen in Zukunft vermehrt Aufmerksamkeit ben\u00f6tigen. Es bleibt daher abzuwarten, ob das Thema beim bereits begonnenen US-Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf eine zentrale Rolle spielen wird.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">\u201eRed State, Blue City\u201c: Das politische Stadt-Land-Gef\u00e4lle in den USA<\/h4>\n\n\n\n<p>Nach der Wahl im Jahr 2016 wurde das Stadt-Land-Gef\u00e4lle zumindest aus dem parteipolitischen Blickwinkel diskutiert: W\u00e4hrend Donald Trump den Gro\u00dfteil der (l\u00e4ndlichen) Counties gewann, konnte sich seine Herausforderin Hillary Clinton in 88 der 100 gr\u00f6\u00dften Ballungsr\u00e4ume durchsetzen. Warum dies so war, zeigten Nachwahlanalysen: Die Anh\u00e4ngerInnen von Trump und Clinton unterschieden sich demnach in drei Kriterien signifikant: in der Frequenz der Kirchenbesuche, in den erreichten Bildungsabschl\u00fcssen und darin, ob sie auf dem Land wohnen oder in urbanen Zentren;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es gilt dabei noch einen weiteren Punkt zu beachten: Die Land-Stadt-Migration hat im Zusammenhang mit dem komplexen und veralteten Wahlrecht eine weitreichende Debatte zwischen DemokratInnen und RepublikanerInnen ausgel\u00f6st. Donald Trump erhielt n\u00e4mlich deutlich weniger Stimmen als seine Herausforderin Hillary Clinton. Wie also konnte er dennoch US-Pr\u00e4sident werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Im amerikanischen Wahlrecht sind nicht die insgesamt abgegebenen Stimmen (Popular Vote) entscheidend, sondern die Anzahl der gewonnenen \u201eWahlm\u00e4nner\u201c in den Bundesstaaten (Electoral College). Dies hat sich mittlerweile zu einem Nachteil f\u00fcr die DemokratInnen entwickelt. Zugespitzt l\u00e4sst es sich folgenderma\u00dfen umschreiben: W\u00e4hrend sich die W\u00e4hlerInnen der DemokratInnen immer st\u00e4rker in den (vergleichsweise wenigen) Gro\u00dfst\u00e4dten und Ballungsr\u00e4umen b\u00fcndeln, k\u00f6nnen sich die RepublikanerInnen und ihre Anh\u00e4ngerInnen \u201ein der Fl\u00e4che\u201c neu entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesem politischen Stadt-Land-Gef\u00e4lle z\u00e4hlen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise f\u00fcr l\u00e4ndliche Regionen sowie die Landflucht zu den gro\u00dfen Herausforderungen der kommenden Jahren. Bleibt zu hoffen, dass trotz des Wahlkampfes eine ehrliche Debatte dar\u00fcber gef\u00fchrt werden kann, frei von Populismus und gegenseitigen Schuldzuweisungen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dieser Artikel wurde zuerst <a href=\"http:\/\/www.regionenforum-oesterreich.at\/2020\/04\/stadt-land-gefaelle-die-ungleichen-staaten-von-amerika\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<br><\/em><br><em>Titelbild: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"\/\/www.istockphoto.com\/de\/portfolio\/s99?assettype=image&amp;mediatype=photography&amp;sort=best\" target=\"_blank\">s99<\/a>\/iStock<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die n\u00e4chste US-Pr\u00e4sidentschaftswahl findet am 3. November 2020 statt. Dazu werden wir die Vereinigten Staaten aus unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Blickwinkeln betrachten. 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