{"id":8356,"date":"2025-04-25T16:00:00","date_gmt":"2025-04-25T14:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/?p=8356"},"modified":"2025-04-25T11:21:54","modified_gmt":"2025-04-25T09:21:54","slug":"zwischen-kreuz-und-klassenfrage-die-sozialkritik-des-papstes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/2025\/04\/25\/zwischen-kreuz-und-klassenfrage-die-sozialkritik-des-papstes\/","title":{"rendered":"Zwischen Kreuz und Klassenfrage: Die Sozialkritik des Papstes"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n\n<p>Vor zw\u00f6lf Jahren wurde der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, im Konklave zum ersten s\u00fcdamerikanischen Papst gew\u00e4hlt. Von diesem Moment an trug er den Namen Franziskus. Seine ersten Worte als Papst lauteten: \u201eBuona sera&#8221;. Am 21. April verstarb er im Alter von 88 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Namenswahl war kein Zufall, sondern ein deutliches Zeichen: Sein Vorbild war Franz von Assisi &#8211; jener Ordensgr\u00fcnder, der in freiwilliger Armut lebte und sich kompromisslos f\u00fcr die Armen und Bed\u00fcrftigen einsetzte. Franz von Assisi war nicht nur Helfer der Schwachen, sondern auch Friedensstifter. Ganz in diesem Geist stellte sich auch Papst Franziskus gegen Ungerechtigkeit und scheute sich nicht davor zur\u00fcck, wirtschaftliche und politische Entwicklungen zu kritisieren und zu hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine unsichtbare Tyrannei<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So schrieb er 2013 im Evangelii Gaudium, dass sich die Einkommen einer kleinen megareichen Elite ins Unermessliche steigerten, w\u00e4hrend der Wohlstand f\u00fcr die breite Mehrheit in immer weitere Ferne r\u00fccke. Diese wachsende soziale Ungleichheit sei Ausdruck einer Ideologie, die auf die ausufernde Autonomie der M\u00e4rkte und die Freiheit der Finanzspekulation setze. So entstehe, so Franziskus, eine neue Tyrannei, welche zu Lasten der Bev\u00f6lkerung fiele.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Analyse stand im deutlichen Kontrast zu vielen christlich-konservativen und rechtspopulistischen Parteien in Europa. Besonders in wirtschaftspolitischen Fragen k\u00f6nnte man fast meinen, Franziskus habe sozialdemokratische Werte nicht nur geteilt, sondern aktiv vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gewerkschaften als Garant der W\u00fcrde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So ma\u00df Franziskus zeitlebens auch den Gewerkschaften eine zentrale Rolle in der modernen Arbeitswelt bei. In mehreren Reden, etwa vor den italienischen Gewerkschaften CGIL und CISL, rief er sie dazu auf, W\u00e4chter der sozialen Gerechtigkeit zu sein. Ohne Gewerkschaften, so seine \u00dcberzeugung, gebe es keine wirklich freien Arbeiter. Franziskus forderte von ihnen nicht nur den Schutz vor Ausbeutung, sondern auch die F\u00e4higkeit, Br\u00fccken zu bauen: zwischen Generationen, zwischen Arbeitslosen und Besch\u00e4ftigten. In einer Welt, in der Arbeitnehmerinnen zunehmend unter Druck geraten, sah er in den Gewerkschaften ein notwendiges Gegengewicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Land, Wohnung, Arbeit &#8211; die Dreifaltigkeit der sozialen Gerechtigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Treffen mit sozialen Bewegungen im Jahr 2014 stellte Franziskus klar, dass grundlegende Rechte wie Wohnen, Bildung und Gesundheitsversorgung keine Almosen seien, sondern grundlegende Voraussetzungen f\u00fcr ein Leben in W\u00fcrde. Er sprach von \u201eLand, Wohnung und Arbeit&#8221; als den drei zentralen Forderungen der \u201eAusgeschlossenen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Staat, so seine Botschaft, d\u00fcrfe sich hier nicht zur\u00fcckziehen, sondern m\u00fcsse aktiv f\u00fcr Gerechtigkeit sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Kirche, die nicht verurteilt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch in moralischen und gesellschaftlichen Fragen zeigte sich Franziskus offener als viele seiner Vorg\u00e4nger. So lie\u00df er etwa im Umgang mit LGBTQ+-Personen eine neue, vers\u00f6hnlichere Tonlage anklingen. F\u00fcr ihn stand von Anfang an fest: Nicht moralische Urteile, sondern menschliche N\u00e4he und Unterst\u00fctzung sollten im Zentrum kirchlichen Handelns stehen. \u201e<em>Wer bin ich, um zu urteilen?<\/em>&#8220;, sagte er 2013 im Zusammenhang mit homosexuellen Gl\u00e4ubigen, ein Satz, der weltweit f\u00fcr Aufsehen sorgte und vielen als Signal eines neuen Umgangs galt. <\/p>\n\n\n\n<p>Manche Entscheidungen blieben umstritten, manche Reformen unvollendet und doch hat er die katholische Kirche in eine Richtung gelenkt, die offener, sozialer und n\u00e4her an den Menschen ist. In Zeiten politischer Spaltung, wachsender sozialer K\u00e4lte und dem Aufstieg rechtspopulistischer Parteien, die mit Angst, Ausgrenzung und nationaler Abschottung Politik machen, war Franziskus eine moralische Gegenstimme. Vielleicht war er gerade deshalb ein Papst, der weit \u00fcber die Grenzen der Kirche hinaus Wirkung zeigte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild: Mazur\/catholicnews.org.uk <\/p>\n","protected":false},"author":58,"featured_media":8361,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[24],"tags":[2522,735,2524,2521,491,2516,55,2523],"coauthors":[1997],"class_list":["post-8356","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft","tag-franziskus","tag-katholische-kirche","tag-kiche","tag-papst","tag-religion","tag-sozial","tag-spoe","tag-vatkian"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8356","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/58"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8356"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8356\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8363,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8356\/revisions\/8363"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8361"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8356"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8356"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8356"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/hallo-salzburg.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=8356"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}