Politik

NRW2017: Wähler_innenströme im Bundesland Salzburg

posted by Daniel Winter 17. Oktober 2017 0 comments

Eine Wähler_innenstromanalyse der Salzburger Landesstatistik zeigt interessante Bewegungen. Die ÖVP hat es im Vergleich zur Nationalratswahl 2013 geschafft, mit Ausnahme der SPÖ von allen anderen Parteien Stimmen zu sammeln. Die Volkspartei galt Wähler_innen aus dem gesellschaftsliberalen Spektrum (7.000 Stimmen von den Grünen), als auch ehemaligen rechtspopulistischen und Protestwähler_innen (5.000 Stimmen von der ÖVP, 7.000 Stimmen vom Team Stronach) als wählbare Alternative. Inwiefern dies damit zusammenhängt, dass sich die Liste Kurz bei dieser Wahl als überdurchschnittlich unpolitisch vermartete, darüber kann nur spekuliert werden. Der Umstand, dass die ÖVP von allen Seiten Stimmen lukrieren konnte, überrascht angesichts einer aktuellen IMAS-Studie allerdings nur wenig – mehr dazu hier. Ebenso fällt auf, dass ehemalige BZÖ-Wähler_innen mehrheitlich (6.000 Stimmen) nicht zur FPÖ zurückgekehrt sind, sondern diesmal die ÖVP gewählt haben.

ÖVP und SPÖ sind die einzigen Parteien, die kaum Wähler_innen an andere Parteien verloren haben (nur jeweils 2.000 an die FPÖ). Während es der ÖVP allerdings gelang, ihr Stammklientel zu mobilisieren, bleib bei dieser Wahl fast ein Viertel aller Menschen, die 2013 die SPÖ gewählt hatten, zu Hause. Ein Ergebnis, das vor allem auch darum spannend ist, weil es dem Bundestrend widerspricht. Bundesweit betrachtet hat die SPÖ verglichen zur letzten Nationalratswahl nur 4 Prozent an die Nichtwähler_innen verloren. Immerhin konnte die SPÖ in Salzburg aber auch 10.000 ehemalige Nichtwähler_innen für sich gewinnen. Insgesamt konnte die SPÖ das Ergebnis von 2013 mit einem Minus von 0,8 Prozent (aber einem Zuwachs an absoluten Stimmen) de facto halten, was auch daran liegt, dass  diesmal viele ehemalige Grün-Wähler_innen die SPÖ wählten. Tatsächlich haben sich diesmal von den Grün-Wähler_innen des Jahres 2013 mehr für die SPÖ entschieden als für die Grünen selbst.

Die Grünen hatten wahrscheinlich das Problem, dass sie für viele Wählerinnen und Wähler zweite Wahl waren. So gingen viele Wähler im letzten Moment zur SPÖ, um ihre Stimme nicht wegzuwerfen. Aber es gibt in Salzburg auch viele bürgerliche Grüne, die dann doch zur ÖVP bzw. Kurz gingen. Mit der Liste Pilz gab es noch ein weiteres Angebot für Grün-Wähler.
(Reinhard Heinisch, Universitätsprofessor für Österreichische Politik in vergleichender europäischer Perspektive an der Universität Salzburg)

Nach derzeitigem Stand (16.10.2017, 23:19 Uhr) hätten die Grünen zumindest in Salzburg mit einer Punktlandung (4,0 Prozent) die Vier-Prozent-Hürde mit erreicht. Mit einem Minus von knapp 11 Prozent sind sie aber auch in Salzburg der große Wahlverlierer dieser Nationalratswahl. Das spiegelt sich in der Wähler_innenstromanalyse wider: Nur noch ein Viertel der Salzburger_innen, die 2013 grün gewählt hatten, gaben auch diesmal den Grünen ihre Stimme. 6.000 der 31.000 verlorenen Stimmen gingen dabei an die Liste Pilz. Insgesamt zeigt die Wahlentscheidung der ehemaligen Grün_wählerinnen wie eingangs erwähnt eine Bewegung in (fast) alle politischen Richtungen. Mit Ausnahme der FPÖ profitierten alle anderen Parteien. Zirka 13.000 der ehemaligen Grün-Stimmen entfielen auf bürgerliche Parteien (NEOS, ÖVP), während 16.000 Stimmen im linken Spektrum verblieben. Dies bestätitgt, dass in Salzburg der Anteil bürgerlicher Grün-Wähler_innen traditionell höher ist (war) als in vielen anderen Bundesländern.

Die FPÖ ist jene Partei, die am meisten vom Nichtantreten des Team Stronachs profitiert hat. Nachdem die ÖVP allerdings den Großteil ehemaliger BZÖ-Stimmen einsammeln konnte, kamen nur wenige BZÖ-Wähler_innen zurück zur alten Mutterpartei FPÖ. Insgesamt verlor die FPÖ nur relativ wenige Wähler_innen von 2013 an andere Parteien. Die FPS rund um den ehemaligen ausgeschlossenen Chef der FPÖ Salzburg Karl Schnell spielte trotz Antreten keine Rolle und wurde somit beid er Wähler_innenstromanalyse nicht einmal beachtet. Immerhin konnte die ÖVP mit ihrem inhaltlichen Annäherungskurs an die FPÖ 5.000 ehemalige freiheitliche Wähler_innen abknöpfen. Bei den ehemaligen Nicht_wählerinnen konnten beide Parteien mit jeweils zirka 15.000 neuen Stimmen gleich erfolgreich “fischen”.

Obwohl die NEOS bei der Wahl 2017 etwas mehr als ein Prozent zulegten, verlor die Partei, welche 2013 zum ersten Mal angetreten war, mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Wähler_innen (6.000). Den NEOS gelang es nur darum, die Stimmen zu maximieren, weil sie es schafften, ebenso viele ehemalige Grün-Wählerinnen, sowie 4.000 Menschen, die 2013 nicht gewählt hatten, von sich zu überzeugen.

Die neu angetretene Liste Pilz schaffte in Salzburg 3,5 Prozent der Stimmen, indem sie ehemalige Grün- und Nichtwähler_innen mobisieren konnte. Wähler_innenströme aus anderen Parteien sind laut Salzburger Landestatistik nicht erkennbar.


Titelbild: Land Salzburg/Landesstatistik – Wählerstromanalyse für Salzburg bei der Nationalratswahl 2017

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