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Anja Hagenauer. Eine Große zieht sich aus der Stadtpolitik zurück

posted by Daniel Winter 4. Juli 2023 0 comments

Anja Hagenauer war seit 2014 Sozialstadträtin bzw. bis 2019 Vizebürgermeisterin. Von 2009 bis 2013 war sie Landtagsabgeordnete. Mit Anfang Juli 2023 zieht sich Hagenauer aus gesundheitlichen Gründen aus der Tagespolitik zurück. Als Ressortverantwortliche für die Kinder- und Jugendhilfe und die Seniorenwohnhäuser hat sie immer für die Allerschwächsten gekämpft. Für ihren langjährigen Einsatz genießt Hagenauer über alle Parteigrenzen hinweg Respekt.

„Anja Hagenauer ist eine Persönlichkeit, wie es sie öfter in der Politik geben sollte. Sie ist ehrlich, direkt und hartnäckig. Sie ist immer dann streitbar aufgetreten, wenn sie Ungerechtigkeiten gesehen hat. Insbesondere ihr unermüdlicher Einsatz für pflegebedürftige Menschen sucht seinesgleichen“, so der Salzburger SPÖ-Chef David Egger, welcher ihr erst kürzlich für ihre Leistungen die Bruno-Kreisky-Medaille überreichte. 

„Anja Hagenauer hat in ihrer Funktion da hingeschaut, wo es wehtut und bei unangenehmen Themen nicht aufgegeben, und zwar mit Kraft und Ausdauer“, schlägt ihre Nachfolgerin als Sozialstadträtin Andrea Brandner in dieselbe Kerbe. Brandner wird im Rahmen der Gemeinderatssitzung am 5. Juli 2023 angelobt.

Lösungsorientierte Politik

Als Sozialstadträtin war Anja Hagenauer mit großen Herausforderungen konfrontiert. Debatten über die Armutsreisenden in der Stadt Salzburg, 2015 die große Flüchtlingskrise, die andauernde Pflegekrise, die von der folgenden Corona-Pandemie noch weiter angeheizt wurde – all das waren Themen, die in ihren Aufgabenbereich fielen. Seit Frühjahr 2022 sorgte der russische Angriffskrieg auf die Ukraine für eine Teuerungswelle,  von der gerade im Hochpreisland Salzburg viele Menschen empfindlich betroffen sind.

All diesen Herausforderungen ist Hagenauer mit Taten begegnet. Sie hat einen „Runden Tisch Betteln“ ins Leben gerufen und konnte so unter Einbeziehung von Expert:innen politischen Konsens erzielen. Auch in der Flüchtlingskrise hat das Sozialressort eine wichtige Rolle übernommen. Die aktuelle Funktionsperiode war geprägt von Hagenauers Einsatz in Sachen Pflegekrise. Anfang 2020 hat die Corona-Pandemie die Welt auf den Kopf gestellt. Als Verantwortliche für die städtischen Seniorenwohnhäuser ist es Anja Hagenauer und ihrem Team gelungen, die Bewohner:innen der städtischen Häuser ohne einen einzigen Infektionsfall durch die erste Welle zu bringen. 

Eine Windel als Warnung

Die Pflegekrise wurde durch die Pandemie jedoch noch weiter befeuert. Nicht ohne Grund hatte Hagenauer auf ihrem Besprechungstisch im Büro stets eine Windel für Erwachsene liegen. Ihre Antwort auf überraschte Blicke war stets dieselbe: „Solange die Pflegekrise nicht gelöst ist, liegt diese Windel hier, um uns daran zu erinnern.“ Trotz aller Widrigkeiten ist es ihr gelungen, die städtischen Seniorenwohnhäuser zu modernisieren und in Häuser zu verwandeln, in denen Senior:innen selbstbestimmt und bestmöglich unterstützt leben können. 

Bleibende politische Erfolge

Einer der größten politischen Erfolge Hagenauers war die Einführung der „Aktiv:Karte“. Damit werden armutsgefährdete Salzburger:innen unterstützt. Eine Hilfe, die derzeit besonders dringend gebraucht wird. Die Aktiv:Karte ermöglicht günstigen  Zugang zu  Freizeit- und Kultureinrichtungen, das Salzburger Klimaticket um 50 Euro und vieles mehr. Auch gesellschaftspolitisch hat Hagenauer bleibende Spuren hinterlassen. Beispiele sind die Kampagnen „88 gegen rechts“ oder die Initiative für eine gewaltfreie Stadt.


Fotos: Arne Müseler / CC-BY-SA-3.0

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