Politik

„Schlechte Kommunikation des Corona-Krisenmanagements führte zu Ärger und Ängsten“

posted by Michaela Ferschmann 5. Juni 2020 0 comments

„Die Grenzen sind ab morgen wieder offen (außer zu Italien) – wie vor Coronazeiten, ohne Kontrollen und Quarantänefolgen“, hieß es am Mittwoch bei der Pressekonferenz von Außenminister Alexander Schallenberg.

In allen Medien wurde in etwa dasselbe verlautbart. Kaum einer hinterfragte, ob das auch umgekehrt so sei. Fakt ist, dass wir Österreicher_innen zum Beispiel weiterhin nicht nach Deutschland ausreisen dürfen ohne die bestehenden Ausnahmegenehmigungen. Erst am 15. Juni soll sich das voraussichtlich ändern. Deutsche dürfen sehr wohl ab sofort in Österreich ein- und ausreisen.

Diese Tatsache verwirrte auch am Donnerstag noch den ganzen Tag viele Österreicher_innen, die gedacht haben, nach Deutschland fahren zu dürfen. An der Freilassinger Grenze wurden nicht wenige Salzburger_innen wieder zurückgeschickt.

Auch an der Oberndorfer Grenze zu Laufen zeichnete sich ein ähnliches Bild ab. Bürgermeister Georg Djundja (SPÖ) hat sich Donnerstag Früh selbst ein Bild davon gemacht: „Ich habe vor unserer Grenzbrücke einige Oberndorferinnen und Oberndorfer angetroffen, die sich sehr geärgert hatten, weil sie nicht nach Laufen durften. Ich habe sofort reagiert und über alle Kommunikationskanäle unsere Bürgerinnen und Bürger darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Bundesregierung die neue Lockerungsmaßnahme sehr missverständlich verlautbart hat, und habe die Fakten für sie übersichtlich zusammengefasst.“ Der Ortschef ärgert sich sehr über die „wirklich schlechte Kommunikation des Coronakrisenmanagements der Bundesregierung, die laufend zu Ärger und Ängsten bei den Bürgerinnen und Bürgern führt.“

Seit Beginn des Shutdowns hat sich Bürgermeister Djundja gemeinsam mit dem Laufener Bürgermeister Hans Feil rund um die Uhr stark gemacht für die beiden Städte, die bis 1816 eine Stadt waren und nur durch die Salzach getrennt sind: Zu Beginn der coronabedingten Grenzschließungen wurde die Europabrücke komplett abgesperrt. „Da haben sich dramatische Situationen abgespielt. Kinder durften nicht mehr hinüber zu ihrer Mutter, die pflegebedürftige Oma konnte nicht mehr betreut werden, ja, sogar ein Pferd auf der anderen Seite konnte plötzlich nicht mehr versorgt werden“, erzählt Georg Djundja. „In Laufen und Oberndorf war das Miteinander immer ganz groß. Mit einem Schlag waren das nun zwei Städte nebeneinander. Der gemeinsame Feuerwehr-Einsatzplan, das Essen für das Laufener Seniorenheim vom Oberndorfer Krankenhaus und vieles mehr – alles war plötzlich unmöglich“, schildert Djundja.

Die Grenze an der Brücke wurde wieder geöffnet, natürlich nur für erlaubte Ausnahmen Foto: Ja zu Oberndorf

Feil und er hatten bei ihren Innenministern Horst Seehofer und Karl Nehammer vehement Druck gemacht, und die Lage konnte schlussendlich entschärft werden. Die Grenze an der Brücke wurde wieder geöffnet, natürlich nur für erlaubte Ausnahmen wie Verwandtenbesuche, zum Arbeiten oder für den Warenverkehr.

Mit 15. Juni, so Deutschland die Grenze ebenfalls für Österreicher_innen öffnet, wird hoffentlich wieder eine Art Normalität zurückkehren. Das hofft Georg Djundja sehr. „Obwohl man natürlich immer noch Respekt haben sollte vor Corona. Keine Angst, aber Respekt“, mahnt er zur Vorsicht. „Den Abstand sollten wir weiterhin einhalten, auch die besonderen Hygienemaßnahmen dürfen wir uns nicht wieder abgewöhnen.“  


Titelbild: “Ja zu Oberndorf”

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