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Salzburger_innen unzufrieden: Löhne zu niedrig

posted by Rebekka Mayrhofer 21. April 2017 0 comments

Der finanzielle Druck auf die Menschen steigt. Immer mehr Menschen leiden unter den hohen Lebenserhaltungskosten. Besonders schwer haben es jene, die weniger als 1300 Euro netto pro Monat verdienen. Laut neuen Zahlen der Arbeiterkammer sind eine halbe Million der Österreicher_innen betroffen. Besonders unzufrieden mit der Situation sind die Salzburger_innen. Auch in Österreich scheint es mittlerweile “working poor”, das heißt Menschen, die trotz Beschäftigung(en) in Armut leben, zu geben. Hohe Mietkosten kommen zu dieser Situation erschwerend hinzu.

Junge und Frauen besonders betroffen

Besonders betroffen sind junge Menschen. Fast ein Viertel der unter 25-jährigen fällt in den Niedriglohnbereich. Verglichen zu den anderen Altersgruppen ist dies ein hoher Anteil – hier liegt der Anteil an Menschen mit geringem Einkommen zwischen zehn und 15 Prozent. 31 Prozent der jungen Frauen und 16 Prozent der jungen Männer arbeiten für einen Niedriglohn. Wenig überraschend sind jene Personen mit geringerem Bildungsabschluss eher gefährdet, in die unterste Einkommensklasse zu fallen. Mehr als 25 Prozent der Beschäftigten mit Pflichtschulabschluss arbeiten für einen Niedriglohn. Das geringste Risiko in den Niedriglohnbereich zu fallen haben Akademiker_innen. Drei Prozent der Akademiker_innen arbeiten für ebensowenig Geld. Erneut bestätigt auch diese Erhebung, dass Frauen am Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Im Niedriglohnsektor arbeiten wesentlich mehr Frauen als Männer. Während neun Prozent der Männer weniger als 1300 Euro netto pro Monat verdienen, liegt der Anteil der Frauen bei 20 Prozent.

Spitzenreiter: Textilbranche und Einzelhandel

Besonders betroffen sind “traditionelle” Frauenbranchen. In der Textilbranche und im Einzelhandel, beides Branchen, in denen überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt sind, ist der Anteil jener, die unter 1.300 Euro netto verdient, besonders hoch. Auch Leiharbeiter_innen sind besonders betroffen: Fast 30 Prozent verdienen monatlich weniger als 1.300 Euro. Besonders betroffen sind auch Personen, die im Tourismus beschäftigt sind. Jobs in diesen Branchen werden seit jeher schlechter bezahlt. Besonders dramatisch ist dies für das Bundesland Salzburg, da der Tourismus in der Wirtschaft eine wichtige Rolle einnimmt und viele Arbeitsplätze davon abhängen. Besonders im Pinzgau ist der Tourismus zentrales Standbein der Wirtschaft – dies zeichnet sich auch in den Löhnen ab. Beim Lohnvergleich der Bezirke nehmen Pinzgau und Pongau jeweils den vorletzten, beziehungsweise letzten Platz ein.

Arbeitslosigkeit als Risiko

Einem besonderen Risiko sind auch Arbeitslose ausgesetzt. Ihre einzige Chance, am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen, ist oftmals der Niedriglohnsektor. Die Zahlen bestätigen diese Aussage: 22 Prozent der Personen, die im letzten Jahr ohne Erwerbstätigkeit waren, arbeiten nun für einen Niedriglohn. Im Vergleich dazu sind in der Gruppe jener, die in den vergangenen zwölf Monaten durchgehend beschäftigt waren,  “nur” elf Prozent im Nierdirglohnsektor beschäftigt. Arbeitnehmer_innen in der Privatwirtschaft sind vergleichsweise öfter von niedrigen Löhnen betroffen. 18 Prozent der Arbeiter_innen und Angestellten verdienen unter 1300 Euro netto.

Staatsbedienstete sind weniger oft betroffen. Nur zwei Prozent der öffentlich Bediensteten beziehen Niedriglohn. Ebenso gibt es im Unterrichtswesen, im Verkehr, in der Industrie und am Bau einen geringen Anteil an Beschäftigten, die in diesen Sektor fallen. Am besten geschützt sind Arbeitnehmer_innen in Großbetrieben, in denen es einen Betriebsrat gibt.

Elf Prozent kommen nicht mit Lohn aus

65 Prozent der Beschäftigten, die unter 1300 Euro netto verdienen, gaben an, mit ihrem Einkommen nur knapp auszukommen. Elf Prozent der Beschäftigten im Niedriglohnsektor kommen mit ihrem Einkommen gar nicht über die Runden. Dies wirkt sich auf die Arbeitszufriedenheit der Arbeitnehmer_innen im Niedriglohnsektor aus: Sie liegt fünf Punkte unter dem durchschnittlichen Wert von 106 Punkten. Darüber hinaus fürchten acht von zehn der Betroffenen, dass sie später mit ihrer Pension nur knapp auskommen werden.

“Es kann nicht sein, dass Menschen, die 40 Stunden pro Woche arbeiten, nicht mehr über die Runden kommen. Dieser Entwicklung muss Einhalt geboten werden”, kommentierte Walter Steidl (SPÖ) die Situation. In Salzburg fordert die SPÖ in ihrer Frühjahrskampagne geringere Mieten, die Einführung des gebührenfreien Kindergartens und ein günstigeres Öffi-Ticket, um die Menschen finanziell zu entlasten.

Kalliauer fordert 1700 Euro Mindestlohn

Aufgrund der Zahlen zeigt man sich vonseiten der Arbeiterkammer besorgt. Die Arbeiterkammer fordert erneut die Einführung eines 1700 Euro Brutto-Mindestlohns. Der oberösterreichische AK-Präsident Kalliauer argumentiert, dass man von einem 40-Stunden-Job auch ohne Zuschüsse leben können muss. Das aktualisierte Regierungsprogramm enthält die Umsetzung eines 1500 Euro Brutto-Mindestlohns.

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