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Corona-Hilfsgelder für Einzel-, Klein- und mittelgroße Unternehmen kommen viel zu spät

posted by Michaela Ferschmann 22. Juni 2020 0 comments

Wochenlang haben wir nur in Lebensmittelgeschäften, Apotheken und Drogerien einkaufen dürfen. Und das auch noch mit großer Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19, welche die Bundesregierung noch zusätzlich geschürt hatte beim Beginn des Lockdowns.

Kein Wunder also, dass die meisten Menschen dann auch noch versucht haben, möglichst alles rasch in nur einem großen Supermarkt zu kaufen. Hamsterkäufe waren angesagt. Bäckereien, Metzger und andere kleine Lebensmittelgeschäfte sind hier schon großteils auf der Strecke geblieben.

Einige kleinere Ladengeschäfte aus dem Non-Food-Bereich konnten online ein bisschen etwas verkaufen oder stellten auf Lieferung um. Das taten im übrigen auch einige Restaurants, die ja auch wochenlang nicht öffnen durften. Viel Geschäft war damit zwar in vielen Fällen nicht zu machen, aber immerhin.

Seit schließlich nach und nach alle Verkaufsgeschäfte und an Kunden arbeitende Dienstleister_innen wie etwa Friseure, wieder aufsperren durften, müssen die Betreiber_innen sehr strenge Corona-Auflagen einhalten: Mindestabstände, Desinfektion und in engen Arbeitsbereichen immer noch Mundnasenschutz. Das allein schreckt immer noch genügend Kund_innen ab. Der Handel, der schon auf seiner Frühjahrsware „sitzen geblieben“ ist, muss nun auch erkennen, dass sich die Menschen immer noch scheuen, einkaufen zu gehen. Massen an Shoppinglustigen wie vor Corona-Zeiten wird es wohl noch länger nicht geben.

Und dann fallen diesen Sommer auch noch viele Touriste_innen weg. Die Grenzen wurden zwar geöffnet. Dennoch dürfen Unterkunftgeber_innen ihre Betten aufgrund Sicherheitsvorschriften nicht voll auslasten.

Über all dem schwebt jetzt in der Zeit der Wiedereröffnungen und Hoffnungen auf Normalität auch noch das Damoklesschwert einer zweiten Corona-Welle und eines erneuten Lockdowns. Das jüngste Cluster von neuen Covid19-Fällen rund um eine Veranstaltung der Rotarier legt nahe, dass die Epidemie auch bei uns sehr schnell wieder Fahrt aufnehmen könnte.

Hermann Wielandner. Foto: Arne Müseler

„So etwas wie eine zweite Welle darf auf keinen Fall passieren und muss unbedingt verhindert werden. Dann würden viele Einzel-, kleine und mittelgroße Unternehmer_innen in die sichere Insolvenz schlittern“, schildert Hermann Wielandner, Geschäftsführer des Salzburger Wirtschaftsverbandes seine Befürchtungen. Er berät gerade in diesen Wochen sehr viele verzweifelte Salzburger Klein- und mittelgroße Unternehmen (KMU) und Einpersonenunternehmen (EPU), die an den Rand ihrer Existenz gekommen sind durch die Corona-Krise. „Auch wenn man Rücklagen hatte, kommt man damit nicht ewig aus. Nachdem die Regierung die seit 1950 gesetzlich verankerte Entschädigung nach Epidemiegesetz ausgehebelt hatte, wurden Unternehmer_innen über Nacht zu Bittstellern für unzureichende „Hilfsgelder“ gemacht,“ berichtet Wielandner.

Foto: pexels

Schon zu Beginn gab es für das Ansuchen beim Härtefallfonds riesige bürokratische Hürden zu nehmen. „Die Kriterien waren viel zu eng gefasst, das Gros der Selbständigen war quasi von den Hilfen ausgeschlossen. Eine Beantragung ohne Steuerberater fast nicht möglich. Andere Hilfen wie Kurzarbeitgeld und Kredite dauerten ewig und wurden nur sehr schleppend ausbezahlt.“

„Und dann warf man den Antragsstellern auch noch Formfehler vor, weswegen man ihnen die Gelder nicht auszahlen wollte,“ berichtet der Wirtschaftsverband-Geschäftsführer. „Da waren sogenannte Fehler wie die Angabe der Firmenkontonummer anstelle des privaten Kontos. Wer bitte kommt als Unternehmer_in auf die Idee für ein Ansuchen um Hilfe für sein Unternehmen die private Kontoverbindung angeben zu müssen?“ schimpft Wielandner kopfschüttelnd.

Vier von zehn Unternehmen, die in Salzburg um Gelder aus dem Härtefallfonds angesucht hatten, wurden daher abgelehnt. – „Vier von zehn sind doch nicht zu blöd!“ ärgert sich Wielandner.

Foto: pexels

Mittlerweile – viel zu spät für viele Betriebe, die schon in akuten Zahlungsschwierigkeiten stecken, – hat sich die Regierung den enormen Druck gebeugt und bei den Hilfen nachgebessert. „Die Regierung hat sich verzockt. Zu Beginn war sie viel zu vorsichtig und langsam bei der Vergabe von Hilfsgeldern. Nun reagiert sie panisch – jeden Tag ein neues Hilfspaket. Ein Fleckerlteppich, der das Budget enorm belasten wird. Hätte die Regierung konsequent wie in Deutschland oder der Schweiz gehandelt, wären viele Insolvenzen und Arbeitslose vermeidbar gewesen.“, ist sich Wielandner sicher.

Dabei stemmen sich viele Unternehmer_innen vehement gegen die Krise mit Kreativität: Sortimentswechsel, Onlinehandel, telefonische Bestellung mit Lieferung und Ausbau des Gastgartens um nur einige Aktivitäten zu nennen.

Obwohl viele Unternehmer_innen nun auch schon wieder ihre Arbeit aufnehmen konnten, bei ein paar Branchen gibt es noch immer keine Lösung für eine baldige Erlaubnis wieder öffnen zu dürfen: Große Nachtclubs, kleine enge Bars ohne Außenbereich, Veranstaltungstechniker, Sportveranstalter und viele mehr. „Hier braucht es Lösungen, denn diese Betriebe können wirklich nicht mehr lange überleben“, hält Wielandner noch fest.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch fasste die prekäre Lage der kleinen Unternehmen in einer Aussendung so zusammen: “Jedes dritte Kleinunternehmen steht vor dem Aus, 60 Prozent der Unternehmen sagen, die Wirtschaftshilfen reichen nicht aus.
Die Maßnahmen kamen zu wenig, zu spät, zu langsam oder gar nicht.“

Foto: pexels

Link: Aktuelle Umfrage des Salzburger Wirtschaftsverbandes zur Situation der Betriebe in der Corona-Krise

Übersicht der Hilfsmöglichkeiten für Unternehmen:

Covid-19-Gesetz: Die Palette der Hilfsmaßnahmen reicht vom Corona-Kurzarbeitsmodell über nicht rückzahlbare Zuschüsse und Kreditförderungen bis zu Garantien. Dazu hat die Bundesregierung unterschiedliche Unterstützungen und Fördertöpfe angelegt:

Sofortmaßnahmen zur Unterstützung der Tourismusbetriebe
Die Antragstellung erfolgt über die Hausbank. 

Überbrückungsfinanzierungen für EPU/KMU (außer Tourismus)
Unterstützungen für Liquiditätsengpässe, die durch Umsatzausfälle als Folge des Corona-Virus entstehen. Konkret werden Garantien für Überbrückungsfinanzierungen im Ausmaß von zehn Mio. Euro angeboten.
Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen (das sind Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeiter/innen, max. 50 Mio. Euro Umsatz oder 43 Mio. Euro Bilanzsumme) aller Branchen. 
Mit der Garantie werden 80 Prozent eines Überbrückungskredites besichert. 
Die Laufzeit der Überbrückungsfinanzierung beträgt fünf Jahre. 
Die Einreichung erfolgt über die finanzierende Hausbank. Unterschiedliche Förderstellen, z.B. das Austria Wirtschaftsservice (aws), entscheiden über die Vergabe der Haftung. 


Corona-Hilfspaket für die Wirtschaft


Titelbild: pexels

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